Aachen - Nach Bluttat wieder ins Bett

Nach Bluttat wieder ins Bett

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
gericht messer kullenhofstraße
Nach einem Streit um Essen soll der Angeklagte (Mitte) mit einem langen Küchenmesser auf seinen Nachbarn eingestochen haben. Der Mann wäre um ein Haar verblutet. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Nach der Tat legte er sich wieder ins Bett. Er sei eigentlich froh gewesen, ungestört weiterlesen zu können. So jedenfalls äußerte sich der 52-jährige Klaus K. aus Aachen am Mittwoch vor Gericht. Als er bei seiner Festnahme am Abend des 16. April von den Polizeibeamten erfuhr, dass eine Mordkommission gegen ihn ermittele, sei der ehemalige Grafiker und jetzige Hartz-IV-Empfänger aus allen Wolken gefallen.

So schilderte der nach eigenen Angaben stark alkoholabhängige Angeklagte die Situation an dem Tag, als er einen Mitbewohner in seiner Unterkunft in der Kullenhofstraße mit zwei Stichen durch ein scharfes Küchenmesser so schwer verletzte, dass dieser beinahe starb.

Das Opfer war in die Leistengegend getroffen worden. Zwei Hauptschlagadern wurden durchtrennt, was zu einem schnellen und lebensbedrohlich hohen Blutverlust führte. Nur weil sich zwei Ärzte in der Nähe befanden, konnte der Mann gerettet werden.

Vor dem Schwurgericht unter Vorsitz von Richter Arno Bormann beteuerte Klaus K. ein ums andere Mal, dass er sich in der gemeinsamen Küche massiv von seinem Kontrahenten bedroht gefühlt habe. Nach einem für ihn ganz normalen Tag mit einem Besuch in der Stadtbibliothek und dem Konsum von „zwei bis drei“ an Kiosken gekauften Flachmännern mit Schnaps sei er nach Hause gekommen.

Dann ging er in die gemeinsame Küche, wo ein Topf mit Essen auf dem Herd gestanden habe. Als er davon probierte, sei der Nachbar aufgetaucht. Wutentbrannt habe ihn dieser sofort geschubst und bedroht.

So nachdrücklich habe der Nachbar gedroht, dass es auch nachher in seinem Zimmer noch weiter in ihm „rumort“ habe. Vor allem, weil der Andere gesagt habe: „Du musst immer an mir vorbei, ich kriege dich.“ Dann kam der unselige Entschluss, selbst zum Nachbarn zu gehen. Der habe mit dem scharfen und langen Küchenmesser in der Hand die Türe geöffnet.

K. schilderte, er habe wie von Sinnen und im Affekt das Messer gepackt, es dem Gegner entwunden und ihn in den Oberschenkel gestochen. Ob er denn nicht bedacht habe, dass auch dort lebensbedrohende Verletzungen entstehen könnten, fragte ihn der Vorsitzende. Nein, darüber habe er nicht nachgedacht, im Gegenteil, das Ziel „Oberschenkel“ war für ihn völlig unproblematisch.

Und deshalb habe er sich auch sofort wieder ins Bett gelegt. Auch auf die Frage, ob er die lauten Hilferufe nicht gehört habe, antwortet er: „Nein, es war nur etwas unruhig in Flur.“

Das Opfer hatte demgegenüber zu Protokoll gegeben, nicht mit einem Messer an die Türe gekommen zu sein. Jetzt ist K., der zur Tatzeit etwa 2,8 Promille intus hatte, wegen versuchten Totschlags angeklagt.

Der Prozess wird am 5. November fortgesetzt.

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