Nach Angriff: Bruder des Mordopfers muss draußen bleiben

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
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Soll seine Ex-Freundin erdrosselt und ihre Leiche wochenlang in Folie unter seinem Bett versteckt haben: Patrick R. aus Nideggen, hier mit seiner Rechtsanwältin. Foto: Ralf Roeger

Aachen/Düren. Patrick R. aus Nideggen zittert, dann stottert er merklich bei seinen Einlassungen vor dem Aachener Schwurgericht und macht dabei einen völlig apathischen Eindruck. Der 43-jährige selbstständige Kraftfahrer steht seit Anfang September vor dem Aachener Schwurgericht (Vorsitz Richter Arno Bormann), weil er seine Ex-Freundin Stephanie K. brutal umgebracht und ihren Leichnam 14 Tage lang unter seinem Bett versteckt haben soll.

Bei der Polizei hatte der Angeklagte bereits gestanden. Das rechtfertigte zweifellos in keiner Weise, was am ersten Verhandlungstag im Gerichtssaal passierte. Denn da stürzte sich am Ende der Anklageverlesung der 24-jährige Bruder des Mordopfers urplötzlich auf den Angeklagten und schlug ihn mit der Faust nieder, schrie „du Mörder“. Der Bruder des Mordopfers darf ab jetzt an den Verhandlungen aus Sicherheitsgründen nicht mehr teilnehmen.

Zwar sagen dem Vernehmen nach die Ärzte nicht, dass die momentane Verfassung des Angeklagten R. von dieser Attacke herrührt.

Und doch attestieren ihm die Ärzte, zuletzt die als Sachverständige anwesenden psychiatrische Sachverständige Konstanze Jankowski, ein ausgeprägtes Stresssyndrom, das ihn verschreckt zittern lasse. Seine Verhandlungsfähigkeit steht auf der Kippe.

Auch in der Haftanstalt, so die Berichte, könne er sich nur im Rollstuhl richtig fortbewegen. In den Schwurgerichtssaal schaffte Patrick R. es aktuell am Arm zweier Wachtmeister, die den Angeklagten hereinführten. Der hielt sich zitternd einen Aktendeckel vor das Gesicht, um in den Medien nicht erkannt zu werden. Dann schaffte er es sogar, Fragen zu der von seiner Dürener Anwältin verlesenen Lebensgeschichte zu beantworten. Danach ist der Angeklagte in Köln aufgewachsen, der Vater war ein selbstständiger Taxi-Unternehmer, die Eltern trennten sich, es gab Schwierigkeiten mit der Mutter.

Später machte sich auch R. selbstständig, eine erste Firma ging 2010 pleite. Doch er arbeitete wieder als selbstständiger Transportunternehmer, nahm nach eigenen Aussagen im Jahr 2012 die in einem Reinigungsbetrieb arbeitenden Stephanie K. in die Firma auf. Die beiden hatten zuvor ein Verhältnis, das allerdings zum Zeitpunkt der Tat nicht mehr bestanden haben soll.

Eigentlich hatte der mutmaßliche Täter angekündigt, sich zu dem bestialischen Mord äußern zu wollen. Denn er hatte am 28. Februar die bei ihm als Geschäftsführerin angestellte Stephanie K. zunächst angeschossen, aus Versehen, wie er bei der Staatsanwaltschaft angegeben hatte. Dann aber soll er sie aus „Furcht vor Entdeckung“, wie es in der Anklage hieß, zunächst gewürgt, dann erdrosselt und schließlich mit einem Hammer erschlagen haben. Die Leiche wickelte er in Folie ein und versteckte sie unter seinem Bett.

Das Schwurgericht vertagte sich an diesem Verhandlungstag auf den 30.September. Bis dahin soll ein Arzt klären, ob R. nun tatsächlich verhandlungsfähig ist oder nicht.

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