Nach 15 Stunden: Weltrekord im Dauerrutschen nach Aachen

Von: Benjamin Jansen
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Aachen. Waghalsig, skurril, verrückt: Immer mehr Menschen gehen auf die Jagd nach neuen Weltrekorden. In Sydney schob sich Chayne Hultgren 18 Schwerter in den Rachen, um sich einen Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde zu sichern. Hannibal Helmurto zog dafür in Edinburgh einen vier Tonnen schweren Kleinbus - mit verankerten Fleischhaken im Rücken.

Stephanie Hammers gehört seit neuestem ebenfalls zu den „Rekordjägern” - auch wenn sich ihr Weltrekordversuch wie ein harmloser Badespaß anhört: 24 Stunden Dauerrutschen. Aber geht die Rutschpartie auf Europas längster Reifenrutsche wirklich schmerzfrei vonstatten? Keine blauen Flecken? Keine Knieschmerzen oder Nackenstarre? „Mein Körper hat die Strapazen gut weggesteckt”, berichtet die 20-jährige Sportsoldatin, die im grenznahen Gemmenich aufgewachsen ist. „Trotzdem war es die Hölle.”

Teuflische Stufen

Kein Wunder: Teuflische 123 Stufen musste Hammers in der Therme Erding bei München jedes Mal zurücklegen, um wieder am Rutscheneingang anzukommen. Im „Magic Eye” rutschte die durchtrainierte Triathletin dann 345,32 Meter am Stück, bevor es im Joggingtempo wieder 50 Meter bis zum Treppenaufgang ging.

Nach 15:45,24 Stunden hatte die Leidenszeit ein Ende: Der Weltrekord war in trockenen Tüchern. Hammers schier unglaubliche Bilanz: 100,48 Rutschkilometer, 6486 Höhenmeter und 34686 Treppenstufen legte die willensstarke Gemmenicherin zurück - für den Weltrekord und ein Fünf-Liter-Weizenbier-Glas.

„Mit diesem Ergebnis wäre ich bei den Männern Vierter geworden”, sagt die 20-jährige stolz, die sich nicht nur gegen neun weibliche, sondern auch gegen sieben männliche Sportsoldaten durchsetzte. Gemeinsam legten die ehrgeizigen Soldatinnen auch den Grundstein für Weltrekord Nummer zwei: die meisten errutschten Kilometer in 24 Stunden. 824,52 gesammelte Kilometer blitzten nach dem letzten Rutschengang auf der Anzeigetafel.

Doch nicht alle Teilnehmerinnen konnten am Ende über den feucht-fröhlichen Weltrekord jubeln: In der Therme herrschten subtropische Temperaturen, da die Chlorzufuhr auf Grund des erhöhten Badebetriebs erhöht wurde. „In der Rutsche selbst hat sich am Ende eine richtige Chlorwolke gebildet”, berichtet Hammers, die ähnlich wie ihre Mitstreiter mit Luftproblemen zu kämpfen hatte.

Gefährliches Chlor

Die bittere Diagnose folgte jedoch erst am nächsten Morgen: Chlorvergiftung. „Zum Glück haben wir, nach dem Rekord in trockenen Tüchern war, aufgehört. Sonst hätte es vielleicht noch bleibende Schäden gegeben.” Anstelle dessen behielt die schmerzfreie Extrem-Sportlerin weiche Knie zurück. „Zwei Tage bin ich gewatschelt wie eine Ente. Mein Körper hat sich in dieser Zeit richtig komisch angefühlt. Am Tag darauf habe ich schon wieder mit Sport angefangen.”

Aber wie hält man so eine extreme Belastung für Körper und Geist durch? „Während der Rutschzeit habe ich viel getrunken und gegessen. Der Cheeseburger hat zwischenzeitlich Wunder gewirkt”, sagt die 20-Jährige mit einem Augenzwinkern. Nach mehr als zehn Stunden nahm sich Hammers die erste Pause, doch wirklich lange hielt es sie nicht auf der Massagebank. Schließlich musste ein Rekord gebrochen werden.

„Nachts war es schon brutal, als die Zuschauer einem nicht mehr zugejubelt haben und es richtig kalt wurde”, erzählt die Gemmenicherin. Von ihrer eigentlichen Taktik ist sie trotzdem nicht abgewichen: „Joggen nicht rennen, im Sitzen rutschen, um die Muskeln zu schonen, und genug essen und trinken.” Der Plan ging auf. Ein paar Sekunden holte Hammers dadurch raus, dass sie bei jedem Rutschengang „blank zog”. In bester Kindermanier.

Die wichtigste Frage zum Schluss: Wie groß ist der Materialverschleiß bei dieser Extrembelastung? „Mein Bikini hat richtig klasse gehalten. Ich musste ihn nicht einmal wechseln. Nach drei Stunden bin ich lediglich von Neoprenschuhe auf Joggingschuhe umgestiegen, um mehr Bodenhaftung zu haben”, verrät die 20-Jährige, die in München Sportwissenschaften studiert. Übrigens: Die Männer mussten den Weltrekordversuch erschöpft abbrechen.

„Unter dem Strich war das der härteste Wettkampf meines Lebens”, sagt Stephanie Hammers, die zu diesem abenteuerlichen Rekordversuch von einem Bundeswehr-Kollegen überredet wurde. Aber: „Ich würde es wieder tun.”

Die Gelegenheit dazu erhält die sportverrückte Gemmenicherin im kommenden Jahr. Dann hoffentlich ohne Chlorvergiftung - aber mit einem neuen Weltrekord.
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