Aachen - Mutmaßlicher Drogenboss hält Justiz in Atem

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Mutmaßlicher Drogenboss hält Justiz in Atem

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Vor der 8. Großen Strafkammer ging es am Montag hoch her. Die Anwälte des wegen Drogenhandels in großem Stil angeklagten Aachener Cemal G. (43) zogen nach beinahe 16-monatiger Marathonverhandlung noch einmal alle Register.

Wegen der Besorgnis der Befangenheit lehnten sie die Kammer um Richter Harald Brandt ab.

Es entstehe der Eindruck, dass entlastendes Material nicht mehr gehört werden solle, argumentierten die Verteidiger Rainer Dietz (Aachen) und Detlef Hartmann (Köln). Was bei Staatsanwältin Jutta Breuer auf Unverständnis und Empörung stieß. Eine andere Kammer wird jetzt den Befangenheitsantrag prüfen.

Freispruch im Visier?

Doch neben den juristischen Scharaden und Winkelzügen wird immer deutlicher, dass der „Dicke aus Aachen”, wie Cemal G. im Jargon der Drogenfahnder hieß, letztlich auf einen Freispruch hinaus will. Jedenfalls versuchen die Anwälte den Mann, der verdächtigt wird, in Istanbul mehr als 220 Kilo Heroin angekauft zu haben, voll und ganz rauszupauken. Die Sache war in der Tat ein Riesendeal und flog aufgrund der Erkenntnisse von verdeckten Ermittlern in Belgien und Deutschland gleichermaßen auf. Ergebnis: Das türkische Drogenlager wurde ausgehoben und G. verhaftet.

Über die angeblichen Kaufverhandlungen zumeist per Handy existieren eine Vielzahl von Telefonüberwachungen, im Polizeijargon „TÜ” genannt. Sie liegen auf Datenträgern abgespeichert vor, sollen aber teilweise - ein Hauptargument der Verteidiger - nicht korrekt übersetzt sein. So war am Montag ein dritter Anwalt bestellt worden - er ist türkischer Herkunft und muttersprachlich in der Lage, die Mitschnitte zu überprüfen. Dafür brauche man jedoch Zeit, so die Anwälte und beantragten drei Monate Unterbrechung - abgelehnt.

Mit weiteren Beweisanträgen wollen die Anwälte nachweisen, dass wichtige Zeugen, die in Belgien einsitzen, ungehört bleiben, obwohl sie bei der Polizei angaben, dass Cemal G. nicht der gesuchte Drogenboss sein könne. Auch verdeckte Ermittler von dort sollen noch nach Aachen in den Gerichtssaal. Das Verfahren geht am Donnerstag weiter.
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