Muss das Schwertbad doch schließen?

Von: Heiner Hautermans
Letzte Aktualisierung:
7870266.jpg
Mahnwache, die nächste: Auch aus der Kommunalpolitik kam gestern Unterstützung für die Mitarbeiter des Schwertbades. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Die Hängepartie ist noch nicht zu Ende. Eigentlich sollte der Vorstand der Marienhaus-Stiftung am Freitag entscheiden, ob und wie es mit dem Schwertbad (und der damit zusammengelegten Rheumaklinik) weitergeht, erwartet wurde das Votum bis zum frühen Nachmittag.

Doch die 270 Mitarbeiter, deren Nerven durch das monatelange Tauziehen bis zum Zerreißen gespannt sind, müssen weiter zittern. Erst kurz vor 17 Uhr ging beim Betriebsrat ein Schreiben der „Franziskus Kliniken gGmbH“ ein, in dem es unter anderem heißt: „Die Erklärungsfrist ist für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Rheumaklinik ausgelaufen. Das Ergebnis ist ernüchternd und enttäuschend: Nur 29 von insgesamt 96 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern haben sich zum freiwilligen Gehaltsverzicht bereit erklärt. 13 haben uns wissen lassen, dass sie sich anwaltliche Unterstützung genommen haben.“

Die Entscheidung über den Standort werde „aufgrund der Tragweite dieses Beschlusses“ nun erst nach Pfingsten getroffen werden. Immer wieder hatte der katholische Sozialkonzern damit gedroht, das Schwertbad zu schließen, wenn sich nicht genügend Mitarbeiter an dem Lohnverzicht, der bis 2019 auf bis zu 20 Prozent auflaufen kann, beteiligten.

Im Gegenzug hatte man aber Kompensationen angekündigt, falls sich das Geschäft besser entwickele als im Businessplan vorgesehen und auch eine 30-Millionen-Investition in einen Neubau zugesichert. Der Betriebsrat hatte sich hinter diese Pläne gestellt, zumal eine vom ihm beauftragte Wirtschaftsberatungsgesellschaft bestätigt hatte, dass der Lohnverzicht unabdingbar und auch in der Höhe gerechtfertigt sei, um das Risiko einer Insolvenz zu verringern.

Dennoch herrschte in Burtscheid, wo eine Mahnwache abgehalten wurde, eher Empörung und Enttäuschung vor. CDU-Fraktionsvorsitzender Harald Baal, der aus Solidarität ein grünes Band am Arm trug, findet die Berg- und Talfahrt der letzten 15 Jahre in der Rheumaklinik erschreckend, teilweise hätten sich die Aussagen binnen kürzester Zeit widersprochen: „Der Umgang mit den Mitarbeitern ist unterirdisch. Das findet man in der freien Wirtschaft nicht.“

Schlimm sei das vor allem bei einer Organisation, die sich zu einem besonderen Umgang mit den Mitarbeitern und Patienten verschrieben habe. Das Schwertbad sei wichtig für das Profil Aachens, sagte der Christdemokrat weiter: „Es ist die letzte Stelle, wo das Thermalwasser im eigentlichen Sinne benutzt wird.“

Ulla Griepentrog, Sprecherin der Grünen, stimmte ihm zu: „Ich finde die Forderung ziemlich unchristlich für einen christlichen Träger. Die Frage ist doch, wann hat man angefangen zu rechnen und gemerkt, dass etwas schief läuft. Jetzt wird das Problem der Geschäftsführung auf dem Rücken der Mitarbeiter ausgetragen.“

Klare Worte auch von Verdi-Sekretär Harald Meyer, der für die Mitarbeiter des Schwertbades einen unterschriftsreifen Tarifvertrag ausgehandelt hat, der etwa zehn Prozent unter dem Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes liegt: „Ich hoffe, dass der Arbeitgeber mit seiner Erpressung nicht durchkommt und das Schwertbad bestehen bleibt.“ Besonders enttäuschend sei aber für ihn, dass der Aachener Bischof bisher trotz Aufforderung stumm geblieben sei: „Er hätte sich längst äußern müssen.“

Leserkommentare

Leserkommentare (3)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert