Musikschule: Schwarz-Grün setzt auf schlichtende Gespräche

Von: Gerald Eimer
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Gegen den Umzug der Musikschul
Gegen den Umzug der Musikschule zur Eintrachtstraße: Wolfgang Rombey. Foto: M. Jaspers

Aachen. CDU und Grüne wollen die heftigen Auseinandersetzungen um eine mögliche Verlagerung der Musikschule in ruhigere Bahnen lenken. Am kommenden Mittwoch wollen sie daher dem Wunsch von Elternvertretern und Mitgliedern des Fördervereins der Musikschule nach einem gemeinsamen Treffen nachkommen.

Ziel sei es, in der Sache aufzuklären und gemeinsam nach Lösungen zu suchen, sagt Grünen-Fraktionssprecherin Ulla Griepentrog. Teilnehmen werden voraussichtlich auch Oberbürgermeister Marcel Philipp und der technische Leiter des städtischen Gebäudemanagements, Michael Ferber.

Insbesondere von Ferber erhoffen sich die Beteiligten genauere Auskunft über die Brandschutzprobleme in dem denkmalgeschützten Bau am Blücherplatz. Detailliert soll Ferber erklären, was warum gemacht werden muss, welche Gefahren bestehen und wie groß die Dringlichkeit ist.

Wie berichtet, hat sich der Verwaltungsvorstand aktuell für einen Umzug der Musikschule in die rund 50 Meter entfernt liegende ehemalige Grundschule Eintrachtstraße ausgesprochen, die für rund 740 000 Euro hergerichtet werden soll.

Für die Sanierung des betagten Gebäudes am Blücherplatz sind hingegen rund 2,5 Millionen Euro veranschlagt. Unter anderem müssten dort aus Brandschutzgründen neue Lüftungsschächte eingezogen werden, Dach und Fassade sind ebenfalls stark sanierungsbedürftig.

Weil Presslufthammer und Musik nicht gut zusammenpassen, sei eine Sanierung im laufenden Betrieb kaum denkbar, meint die Verwaltung. Der Auszug ist daher beschlossene Sache. Offen ist noch, ob die Musikschule später wieder zurückkehrt. Die Entscheidung darüber werde die Politik treffen, hat Philipp angekündigt.

An der Entscheidungsvorlage wird derzeit gearbeitet, aus ihr sollen die verschiedenen denkbaren Varianten und Kosten hervorgehen. Gut denkbar, dass Wünsche der Eltern noch einfließen, heißt es derzeit bei der Ratsmehrheit.

Die Opposition - und hier insbesondere die SPD - mutmaßt hingegen, dass alle Entscheidungen längst am Rat vorbei getroffen sind. Die SPD will eine dauerhafte Verlagerung der Musikschule verhindern und den Standort Blücherplatz erhalten. Fraktionschef Heiner Höfken äußerte jüngst im Rat Zweifel an dem Brandschutzgutachten. Seine Befürchtung: Unter Hinweis auf angebliche Gefahren soll das Haus geräumt werden, weil im Hintergrund jemand sei, der unbedingt den alternden Prachtbau am Blücherplatz erwerben wolle.

Dies habe eine Kettenreaktion nach sich gezogen, an deren Ende nicht nur die geballten Proteste im Viertel stehen, sondern auch noch das erneut belastete Verhältnis zwischen Stadt und Städteregion. Denn damit die Musikschule in die Eintrachtstraße wechseln kann, müssen dort die Abendschulen in Trägerschaft der Städteregion weichen. Noch weiß niemand, wo die Schüler nach den Sommerferien unterrichtet werden.

CDU und Grüne werfen der SPD derweil falsche Verdächtigungen und Wahlkampfgetöse vor. Es gebe weder Kaufinteressenten, noch irgendwelche Vorgespräche, es sei noch nicht mal klar, ob sich der Blücherplatz-Bau überhaupt verkaufen lasse. Entschieden werde einzig nach Sicherheits- und wirtschaftlichen Aspekten, bekräftigte zuletzt auch der Oberbürgermeister im Rat.

Unterdessen ist seit Donnerstag offenkundig, dass es einen Riss in der Verwaltung gibt. In der Kulturausschusssitzung machte Stadtdirektor Wolfgang Rombey deutlich, dass er die dauerhafte Verlagerung der Musikschule in die Eintracht­straße nicht befürworte. Er wolle seine abweichende Meinung im Hauptausschuss am 23. Mai darlegen, kündigte er einen eher ungewöhnlichen Vorgang an, der allerdings von der Gemeindeordnung gedeckt ist.

Es sei keine spektakuläre Erklärung zu erwarten, sagte er auf Anfrage. Auch habe seine Haltung nichts mit Wahlkampf zu tun, betont der SPD-Mann. „Mir liegt die Einrichtung am Herzen.” Anders als der Philipp (CDU) hält Rombey die Eintracht­straße als Musikschul-Standort für ungeeignet - worin er sich mit dem Schulleiter und vielen Eltern einig ist.

„Schule ist immer ein emotionales Thema”, sagt Grünen-Sprecherin Griepentrog. Ihre Fraktion sei weder an Geheimniskrämerei interessiert, noch wolle sie sich in Streitereien der Verwaltung hineinziehen lassen. Dem Gespräch mit den Eltern am kommenden Mittwoch solen daher weitere - möglichst sachliche - Debatten im Bürgerforum am 15. Mai und in weiteren Gremien folgen.

Spätestens bis 10. Mai soll auch eine Entscheidung für den neuen Standort der Abendschulen - in Aachen - getroffen werden. „Eine Lösung muss her, da haben die Schüler einen Anspruch drauf”, sagt Griepentrog, die ihren Unmut über die bisherige Verwaltungsarbeit nur schwer verbergen kann.
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