Musikgenuss mit acht Glocken

Von: Georg Dünnwald
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Auch die Karlsglocke, die Glocke Johann Evangelist und die Stephanusglocke (von unten) sind auf der CD zu hören, die am Freitag aufgenommen werden soll. Foto: Harald Krömer

Aachen. Wenn am Freitagnachmittag schönes Wetter ist, kann man so gegen 15 Uhr einen ganz besonderen Hörgenuss erleben. Dann wird ein Festgeläut vom Dom aus anheben, das sonst nur an höchsten katholischen Feiertagen wie Ostern oder Weihnachten geboten wird. Denn am Freitag soll eine CD aufgenommen werden. Die Stars werden ausschließlich die acht Glocken sein. Die CD-Aufnahme hat natürlich einen Grund. In diesem Jahr werden sieben der acht Glocken 350 Jahre alt.

Nur die größte Glocke des Aachener Münsters, die Marienglocke, ist weitaus jünger. Sie wurde 1958 von der Firma Petit und Gebrüder Edelbrock gegossen. „Diese Firma wartet auch heute noch unsere Glocken”, sagt Dombaumeister Helmut Maintz. Die Vorgängerin der Marienglocke, die im 19. Jahrhundert gegossen wurde, wurde 1942 auf Befehl der Nazis eingeschmolzen.

Bis zur Plattenaufnahme ist noch einiges zu tun. Die Aufhängung der Glocken wurde überprüft, die Klöppel ebenso, „alles muss ja wie geschmiert laufen”, kommentiert der Dombaumeister. Vor allem die Elektromotoren, die für den nötigen Schwung sorgen, mussten neu justiert werden. „Der Einsatz ist wichtig”, weiß Maintz. Es gehe schließlich nicht, dass beispielsweise die zweitkleinste Glocke, die Petrusglocke, schon im Vollgeläut sei und die zweitgrößte, die Karlsglocke, noch im Anfang, wenn also der Klöppel entweder noch frei in der Luft schwingt oder erst eine Glockenseite anschlägt.

Harmonisch sollen die acht Glocken für die Aufnahme zusammen läuten. Allerdings werden sie auch einzeln angeschlagen, damit sie für die Hörer unterscheidbar sind. Der tiefe Ton der Marienglocke ist nur an den höchsten katholischen Festtagen zu hören. Und wenn der Papst stirbt, wird sie zweimal 15 Minuten lang geläutet. Auch wird sie zweimal 15 Minuten für den Bischof geläutet, wenn er das Zeitliche segnet, für jeden anderen Dompriester erklingt sie im Todesfall eine Viertelstunde.

Eine fleißige Glocke ist die kleinste, die Simeon heißt. Gerade mal 300 Kilogramm bringt sie auf die Waage und hat einen Durchmesser von 80 Zentimetern. Sie läutet täglich dreimal, morgens, mittags und abends den Angelus, und an Freitagen noch mal um 15 Uhr, weil um diese Uhrzeit der Überlieferung nach Jesus Christus am Kreuz starb.

Franz und Jakob van Trier gossen im Jahr 1659 die sieben Glocken mit dem unvergleichbaren barocken Klang. Es soll der schönste in ganz Deutschland sein. Das Domkapitel schaffte vor 350 Jahren gleich sieben Glocken an, weil drei Jahre zuvor, beim großen Stadtbrand von 1656, die Domglocken großen Schaden erlitten hatten.
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