Museumswärter Dave und das Jesus-Bild

Von: Martina Stöhr
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Museumswärter Dave verteidigt in dem Stück „Nipple-Jesus“das umstrittene Jesus-Bild, das aus unzähligen Brustwarzen zusammengesetzt ist. Toni Gojanovic spielt die Hauptrolle in dem 70 minütigen Monolog, der im Ludwig-Forum zu sehen und zu hören ist. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. „Es ist ein riesiges Bild von Jesus, etwa drei Meter hoch, zwei Meter breit. Jesus trägt einen Dornenkranz auf dem Kopf, man sieht nur seinen Kopf und seine Schultern. Bei dem Bild sieht man richtig, wie weh es getan haben muss, ans Kreuz genagelt zu sein“, sagt der Museumswärter Dave. Erst bei genauerem Hinsehen fällt ihm auf, dass das Bild aus unzähligen Brustwarzen zusammengesetzt ist. Daher auch der Titel „Nipple Jesus“.

Dave ist schockiert, doch dann erwacht sein Beschützerinstinkt: Er verteidigt das Bild gegen seine Widersacher, ohne zu ahnen, dass er selbst Teil des Kunstbetriebs wird.

„Wir sind happy, dass wir dieses Stück im Ludwig-Forum aufführen dürfen“, meint Tom Hirtz, Dramaturg des Das Da Theaters. Denn das Museum biete die geeignete Kulisse für den Monolog, dessen Autor Nick Hornby sagt: „Das einzige, was nötig ist, ist eine Zwiebel.“

Und diese Zwiebel liegt bereits jetzt auf einem weißen Podest vor einer weißen Wand. Ansonsten ist es Sache des ehemaligen Türstehers Dave, bei dem 70-Minuten-Monolog in Kontakt mit seinem Publikum zu treten. Nachdem inzwischen dreimal im Ludwig-Forum geprobt wurde, hat Schauspieler Toni Gojanovic das Gefühl, in seiner Rolle angekommen zu sein. Der lange Monolog sei eine Herausforderung, sagt er. Aber er vertraue auf die Unterstützung seines Regisseurs, Achim Biler.

Das Museum gibt dem Stück laut Hirtz einen authentischen Rahmen. Eine Kulisse im herkömmlichen Sinne wird es nicht geben. Das Museum ist die Kulisse. Die Besucher des Stücks werden die Museumswärter auf den ersten Blick nicht von dem Schauspieler unterscheiden können. Auch Toni Gojanovic trägt einen dunklen Anzug, dieselbe Krawatte wie die Wachleute und ein weißes Hemd.

Außerdem hat er sich Tattoos kleben lassen, die am Ärmel und am Hals hervorgucken. „Das hilft mir, in die Rolle zu schlüpfen“, meint Gojanovic. Der Museumswächter Dave und er hätten nicht viel gemein, sagt er. Aber von Tag zu Tag nähere er sich der Figur an. Eigentlich sei er nur für den Monolog ans Das Da Theater gekommen, doch jetzt will er bleiben.

Tom Hirtz ist überzeugt, dass das Publikum viel Spaß haben wird bei der schrägen, witzigen Story von Nick Hornby. Sie setze sich zwar kritisch mit dem Kunstbetrieb auseinander, tue das aber auf sehr sympathische Weise. Dafür zeigt offensichtlich auch die Leiterin des Ludwig-Forums, Brigitte Franzen, Verständnis. Der Text ist ursprünglich eine von zwölf Kurzgeschichten, die Nick Hornby unter dem Titel „Speaking with the Angel“ herausgegeben hat. Laut Hirtz konnte der Text eins zu eins für das Theater übernommen werden.

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