Aachen - Müssen bis 2020 Polizeiwachen dichtmachen?

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Müssen bis 2020 Polizeiwachen dichtmachen?

Von: Heiner Hautermans
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Die Dienstgebäude Im Mariental und an der Kasernenstraße wurden erst vor einigen Jahren neu hochgezogen. Müssen sie wegen zu geringer Neueinstellung bald geschlossen werden? Foto: Harald Krömer

Aachen. Es klingt dramatisch: „110 – und keiner ist da.“ Mit diesem zugespitzten Slogan warnt die Gewerkschaft der Polizei NRW (GdP) vor einem Sicherheitsrisiko, und zwar vor dem Hintergrund der landesweit dramatisch ansteigenden Pensionierungszahlen. In Stadt und Städteregion Aachen werden nach Berechnungen der GdP bis 2020 demzufolge 61 Polizisten weniger zur Verfügung stehen als heute.

Mit ganz konkreten Folgen für die Sicherheit der Bürger: „Wir müssen uns dann überlegen, ob wir mit weniger Personal noch alle Polizeidienststellen in der Städteregion Aachen aufrecht erhalten können, ob weiterhin alle Streifenwagen besetzt werden können oder wir die Polizeihauptwachen in Alsdorf, in Aachen oder in Stolberg rund um die Uhr offen halten können“, so Wilhelm Jensch, Kreisgruppenvorsitzender der GdP-Kreisgruppe Aachen.

Der flächendeckende Personalabbau werde nämlich auch vor dem Raum Aachen nicht Halt machen. Dabei seien in den Berechnungen nur die Pensionierungen durch das Erreichen der Lebensarbeitszeit berücksichtigt, nicht aber vorzeitiges Ausscheiden aus dem Dienst. Dies alles vor dem Hintergrund, dass die Kriminalität in Aachen seit 2010 um erschreckende 17 Prozent gestiegen sei, in einzelnen Deliktfeldern sogar noch mehr. Die Zahl der Wohnungseinbrüche ist sogar um 29 Prozent angewachsen.

Jensch: „Gerade der Wohnungseinbruch ist eines der Delikte, die die Privatsphäre der Geschädigten massiv beeinflussen. Die Vorstellung, dass eine unbekannte Person in die Intimsphäre von Bürgerinnen und Bürgern eingedrungen ist, deren Schränke, Kleidung und andere persönlichen Gegenstände anfasste und durchwühlte, löst nicht nur Betroffenheit aus, sondern traumatisiert die Opfer noch sehr lange nach der Tat.“

Personaldecke unzureichend

Noch stärker, nämlich um fast die Hälfte auf 1930, hat die Zahl der Autoaufbrüche zugenommen, vermutlich aufgrund der verkehrsgünstigen Anbindung Aachens, die eine schnelle Flucht ins Ausland ermöglicht. Außerdem wurden in Stadt und Städteregion mehrere hundert Metalldiebstähle verzeichnet, nicht nur kupferne Fallrohre oder Kanaldeckel, sondern auch sakrale Gegenstände von Friedhöfen, wo Grablampen oder -abdeckungen teilweise mit roher Gewalt gestohlen werden. Jensch: „Die Diebe lassen Pietät vermissen und stören die Totenruhe.“

Während die Kriminalität zunimmt, sinke auf der anderen Seite die Aufklärungsquote: „Das liegt nicht an unseren Kolleginnen und Kollegen. Die arbeiten teilweise bis zur Erschöpfungsgrenze! Das sieht übrigens Polizeipräsident Klaus Oelze genauso.“ Dieser habe die Arbeit „seiner Leute“ bei der Vorstellung der Kriminalstatistik ausdrücklich gelobt. Die Gewerkschaft der Polizei sieht die Misere jetzt schon in der unzureichenden Personaldecke, die bis 2020 noch deutlich knapper ausfallen werde.

Jensch hat Beispiele zur Hand, wenn nicht gegengesteuert wird. Es könne etwa die Schließung einer kompletten Hauptwache in der Aachener Innenstadt bedeuten, die heute noch 24 Stunden für die Belange der Bürger erreichbar und ansprechbar sei, mit allen damit verbundenen Konsequenzen, vom Wegfall von Streifenwagen bis zum Wegfall von Hilfe- und Dienstleistungen: „Denn wenn keiner da ist, kann keiner eine Leistung erbringen.“

Eine derartige Entwicklung werde auch zu unüberschaubar langen Wartezeiten von der ersten Information, dass sich eine Straftat ereignet hat, bis zum Eintreffen der ersten Beamten führen. Und den Begriff Vorbeugung müsse man dann wahrscheinlich ganz aus dem Polizeivokabular streichen. Auch wenn die Stellen bei der Kriminal- oder Verkehrspolizei gestrichen würden, hätte das einen enormen Verlust an Sicherheit für die Bürger zur Folge.

Der Gesamtentwicklung will die GdP entschlossen entgegentreten. Landesvorsitzender Arnold Plickert: „Mit der Initiative Polizei 2020 gehen wir jetzt in die Offensive. Die Bürgerinnen und Bürger haben ein Recht darauf zu erfahren, wie es um ihre Polizei und um ihre Sicherheit in Zukunft bestellt ist.“

Auf die Straße

Während die Landesregierung die Stellenzahl nicht erhöhen wolle, fordert die GdP 100 Einstellungen in diesem Jahr zusätzlich: „Das würde uns auch in der Städteregion Aachen bereits ein gutes Stück weiterhelfen. Wir hoffen zunächst auf die Einsicht der Landtagsabgeordneten und ein entsprechendes Handeln“, sagt Jensch. Und abschließend: „Sollten die Politiker nicht die erforderlichen Voraussetzungen schaffen, gehen wir auf die Straße!“

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