Müllabfuhr in kleinen Portionen

Von: Werner Breuer
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Wegen des Winterwetters ist die Abfallentsorgung in Verzug. Mit kleineren Wagen wird der Müll jetzt abgeholt. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Von der Natur fühlt sich Dieter Lennartz etwas im Stich gelassen. „Sonst regelt die das ja von alleine”, sagt der Abteilungsleiter Abfallwirtschaft, Straßenreinigung und Winterdienst beim Aachener Stadtbetrieb, „diesmal leider nicht.”

Die Schneemassen, mit den der Winter in den vergangenen Wochen die Stadt zugeschüttet hat, wollen einfach nicht nennenswert wegschmelzen. Eine ärgerliche Folge des Winterzaubers: Der Müll ist in manchen Ecken der Stadt schon länger nicht mehr abgeholt worden.

„Einge Straßen haben wird seit etwa drei Wochen nicht mehr erreicht”, berichtet Peter Maier, der stellvertretende Leiter des Stadtbetriebs. Nun soll der Abfall auch dort eingesammelt werden, wo es für die Müllwagen wegen der störenden Schneehaufen bislang kein Durchkommen gab. Mit etwa 25 kleineren Pritschenwagen klappert der Stadtbetrieb jene Wohnstraßen ab, die auf der Prioritätenliste des Winterdienstes weiter hinten rangieren.

Die Anwohner sollten den zusätzlich angefallenen Müll einfach in Plastiksäcke packen und an den Straßenrand stellen, sagt Maier. „Bitte nicht die amtlichen Säcke nehmen, denn die kosten ja Geld.” Die Bürger sollen aber nicht zusätzlich zur Kasse gebeten werden für eine Leistung, die sie über ihre Müllgebühren schon bezahlt haben. „Diese Übermengen haben schließlich nicht die Bürger zu verantworten”, stellt Maier klar, „sondern wir.” Die betroffenen Anwohner hätten ja nicht mehr Abfall produziert, er habe sich nur über längere Zeit angesammelt.

Die gleiche Verfahrensweise empfiehlt der stellvertretende Leiter des Stadtbetriebs auch Innenstadtbewohnern, deren Tonnen im sogenannten Vollservice von den Müllwerkern aus den Häusern geholt werden. Den Müll der bei ihnen längere Zeit liegengeblieben ist, können sie ebenfalls ab sofort in normalen Plastiksäcken an den Straßenrand stellen. Die Tonnen sollten sie im Keller lassen, um die kümmert sich dann der Stadtbetrieb beim nächsten regulären Abholtermin. Und um eventuelle Zusatzsäcke auch: „Die muss niemand selbst an die Straße stellen”, betont Maier, „das ist jetzt nur ein Angebot für die Leute, die schon länger Probleme haben.” Wer mit zusätzlichen Müllsäcken im Keller noch eine Weile leben könne, solle bis zum nächsten Leerungstermin warten.

Generell hat er nach einem Blick auf die Wetterprognosen die Hoffnung, dass es „Ende dieser oder Anfang nächster Woche wieder normal läuft”. Den bisherigen Verlauf des Winters beurteilt man beim Stadtbetrieb als eher unnormal - und Maier unterfüttert diese Einschätzung mit Zahlen: Im vergangenen Winter 2009/10 habe der Winterdienst 2280 Tonnen Salz auf Aachens Straßen verteilt. Diesmal liege man aktuell schon bei 3200 Tonnen, obwohl der Frühling noch weit entfernt ist. 75 Fahrzeuge und einen Zwei-Schicht-Betrieb bietet der Stadtbetrieb gegen Schnee und Eis auf, dennoch „müssen wir Prioritäten setzen”., erklärt Abteilungsleiter Lennartz. So müsse der öffentliche Nahverkehr am Laufen gehalten werden, auch für die Abfallentsorgung müsse nun der Schnee beseitigt werden.


Für „individuelle Probleme” bittet Lennartz schon vorab um Verständnis: „Manchem schieben wir jetzt vielleicht die mühsam freigeschaufelte Einfahrt wieder zu, aber für das Gemeinwohl lässt sich das nicht anders machen.” Auch das leidige Problem der mancherorts schlecht passierbaren Gehwege sei nicht so leicht zu lösen. Die zu räumen, sei Sache des Grundstückseigentümers, betont Lennartz. Doch wenn der brav geräumt hat, kippt ihm womöglich der nächste Schneepflug den Weg teilweise wieder zu. Die Fahrer seien allerdings gehalten, durch entsprechende Fahrweise und Einstellung des Räumschilds solche unschönen Vorkommnisse möglichst zu vermeiden, erklärt Maier.

Der blickt im Übrigen einigermaßen entspannt auf seine Streugut-Vorräte. „Wir sind nicht auf Null.” Nach den Erfahrungen des letzten Winters habe der Stadtbetrieb die doppelte Menge geordert. „Wir werden weiter beliefert”, so Maier. In dieser Woche und auch in der kommenden erwartet er weitere Lieferungen. „Aber wenn das bis April so weitergeht, gebe ich keine Prognose mehr ab.”

Abzuschätzen sei bislang auch kaum, welche Mehrkosten der Winter der Stadt beschert. Wie sehr die Straßen unter dem Wetter leiden und was die Beseitigung von Frostschäden kosten wird, könne man derzeit kaum beziffern. „Das sehen wir erst, wenn der Schnee weg ist”, so Maier.

Dann kehrt beim Stadtbetrieb vielleicht auch wieder etwas Normalität ein. Derzeit haben die Verantwortlichen die Personalplanung etwas umgekramt, um zusätzliche Mitarbeiter bei der Abfallentsorgung einsetzen zu können. Die Baumpflegekolonne ist allerdings wie gewohnt besetzt, weil die Bäume wegen der von ihnen womöglich ausgehenden Gefahren kontrolliert werden müssen. Allerdings könne es in manchen Randbereichen zu Engpässen bei der Straßenreinigung kommen, meint der Stellvertretende Leiter des Stadtbetriebs.

Der Winter verlangt eben andere Proiritäten.


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