Aachen - Mr. Öcher Schängche gibt es bald aus dem 3D-Drucker

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Mr. Öcher Schängche gibt es bald aus dem 3D-Drucker

Von: Margot Gasper
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Schängche unterm Scanner: Prof. Jan Borchers (links) fertigt das Modell der Holzpuppe an. Unterstützt wird er von Künstler Jan Zimmermann, früher wissenschaftliche Hilfskraft am Informatikinstitut. Foto: Harald Krömer

Aachen. Der arme Kerl macht wirklich was mit. Im Januar reiste das Öcher Schängche zu Angela Merkel nach Berlin und hätte es fast nicht zum Empfang der Bundeskanzlerin geschafft, weil die Fluggesellschaft die Stockpuppe partout nicht als Gepäckstück oder als Handgepäck mitnehmen wollte.

Der Aachener Karnevalsprinz Mike I. und sein Gefolge buchten damals für Mr. Öcher Schängche sogar einen Sitzplatz und hatten allerhand Hantier mit der Posse. Und als hätte die Holzpuppe nicht genug mitgemacht, geht der Stress nun weiter. Da steht das Öcher Original im Lehrstuhl für Medieninformatik der RWTH und wird von Kopf bis Fuß eingescannt – ohne einen einzigen Fetzen Kleidung am Leib.

Bernd Steinbrecher, der im Gefolge von Mike I. das Schängche verkörperte und die Stockpuppe in der ganzen Session mit sich führte, wünscht sich nämlich dringend einen Schängche-Doppelgänger. Schließlich muss er seinen liebgewordenen Begleiter demnächst an den Hofstaat des nächsten Prinzen weiterreichen. Und deshalb bearbeitet Prof. Jan Borchers, Lehrstuhl für Informatik 10, Medieninformatik und Mensch-Computer-Interaktion, das Schängche an diesem Montagnachmittag mit dem Scanner. Jedes sonst unter den Klamotten versteckte Detail wird erfasst: der eher unansehnliche Gipskorpus, der geschnitzte Kopf, die hölzernen Gliedmaßen, die nur an den Stellen bemalt sind, die aus Hemdärmeln und Hosenbeinen herausschauen. Aufgenommen wird auch jede Schramme, die der Schang in seinen vielen karnevalistischen Einsätzen abbekommen hat.

Der Scanner, den Borchers auf die Figur richtete, sieht zwar aus wie ein Handmixer ohne Rührquirl, würde in der Anschaffung aber in etwa so viel kosten wie ein Kleinwagen. 15 Bilder pro Sekunde schießt das Gerät. 20 Minuten etwa dauert der Scan-Vorgang, und aus etlichen Gigabytes an Daten errechnet der Computer in wenigen Minuten ein digitales Relief vom Schängche, ein Bild mit Tiefeninformation. Und daraus wird die Kisters AG demnächst einen dreidimensionalen Druck anfertigen. Das Unternehmen in Oberforstbach gehört zu den Experten in Sachen 3D-Druck. Bei dem Verfahren wird ein Material Schicht für Schicht aufgetragen, um dreidimensionale Gegenstände zu erzeugen – Schängche kommt dann aus dem Drucker.

Die Details für den Druck, sagt Borchers, müssten noch abgeklärt werden. Wahrscheinlich wird Schängches Doppelgänger als Gipsdruck gefertigt. Denn der lässt sich auch in den Farben des Originals herstellen. „Und wahrscheinlich wird die Figur auch als Hohlkörper gedruckt“, vermutet Borchers, „denn sonst wird das Schängche zu kopflastig.“

Borchers geht die Aktion Öcher Schängche durchaus mit wissenschaftlichem Interesse an. „Im Kleinen arbeiten wir schon lange mit 3D-Scannern“, sagt er. „Aber mit dem Scannen von komplexen Teilen fangen wir gerade erst an. In dieser Größe ist das Schängche das erste Modell, das wir mit hochwertigem Material einscannen.“

Das Arbeiten mit einem solchen Scanner möchte Borchers demnächst auch im „Fab Lab Aachen“ anbieten. In diesem Fabrication Laboratory der RWTH kann jeder interessierte Laie die Basistechnologie des 3D-Drucks ausprobieren und anwenden. Die Benutzung der Geräte wie 3D-Drucker, Lasercutter oder Platinenfräse ist kostenlos, lediglich Materialkosten fallen an.

„Kompetenz vermitteln“

2009 wurde das „Fab Lab Aachen“ als erstes seiner Art in Deutschland eröffnet. Und die Idee dahinter findet Borchers auch heute noch zukunftsweisend: „Wir wollen der Region Kompetenz vermitteln“, sagt er. „Unser Ziel ist es, die Werkzeuge für 3D-Modelle einfacher zu machen. Wir wollen modernste Werkzeuge entwickeln, die die Leute zu Hause nutzen können, ohne vorher ein Ingenieursstudium absolvieren zu müssen.“ Die Herstellung eines Modells, sagt der Wissenschaftler, sei heute die größte Hürde, an der der 3D-Druck noch scheitere.

Schängche jedenfalls steht im Dienst der Wissenschaft. Nach der Scan-Aktion soll die Puppe im Informatikinstitut übernachten. „Hat vielleicht auch einen Bildungseffekt“, überlegt Borchers. „Dann heißt es demnächst vielleicht sogar Dr. Öcher Schängche.“

 

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