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Motorsägen ertönten im „Hexenwald”

Von: Heiner Hautermans
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Unter Führung von Waldpädagogin Ute Reifferscheidt nahmen die Jungen und Mädchen einer Klasse 6 der Hauptschule Kronenberg die stark beschnittenen Baumveteranen vorübergehend in Besitz. Foto: Harald Krömer

Aachen. Waldpädagogik hautnah: Jungen und Mädchen einer Klasse 6 der Hauptschule Kronenberg eroberten jetzt die sogenannten Hexenbäume am Alten Landgraben. Waldpädagogin Ute Reifferscheidt macht jede Woche einen Ausflug in den Öcher Bösch, und immer ist die Begeisterung groß, wenn es heißt: „Wir gehen in den Hexenwald.”

Die mehr als 40 Hainbuchen, die einem Harry-Potter-Buch entsprungen sein könnten, sind beschnitten worden, damit sie nicht auseinanderbrechen. Der letzte Pflegeschnitt liegt nämlich schon mehr als 20 Jahre zurück, normalerweise müssen Kopfbäume alle zehn Jahre eingekürzt werden, doch das Budget reichte nicht aus. Jetzt ist allerdings ein Topf gefunden worden, aus dem die Aktion bezahlt werden kann.

Der Schnitt kann die Lebensdauer der mehr als 40 markanten Bäume noch einmal deutlich verlängern, ist aber nicht ohne Risiko. Es geht nämlich nicht darum, die Hexenarme abzuschneiden, einige Arme müssen dranbleiben, wenn im Frühjahr die Bäumsäfte steigen. Baumexperte Dr. Peter Gleißner: „Das ist ein richtiger Kreislauf.” Ansonsten besteht die Gefahr, dass der Baum in Stress gerät und abstirbt, erläutert er weiter. Die Wurzeln der ältesten Bäume sind bis zu 400 Jahre alt, die Stämme um die 200 Jahre.

Freiwachsende Hainbuchen werden maximal 200 Jahre alt, „dann fallen sie um”. Durch den ständigen Kopfschnitt verläuft das Wachstum langsamer, so dass die Bäume noch geraume Lebenszeit vor sich haben dürften: „Wir hoffen, dass sie alle wieder austreiben.

Die Bäume zwischen Kronenberg und Preuswald wurden gepflanzt, um die Grenzen des Aachener Reichs zu markieren. Sie bilden einen Teil des Inneren Landgrabens und haben besonders bizarre Wuchsformen ausgebildet. Der Innere Landgraben bestand aus einem Doppelwall mit einem Graben, der gerade breit genug für zwei Reiter war. Er bildete eine Wirtschaftsgrenze zwischen dem Wald und der offenen Feldflur.

Das Aachener Reich entstand zwischen dem 12. und 14 Jahrhundert in der Nachfolge des alten Königshofs. Es umfasste 9000 Hektar, seine durch den Landgraben mit Buchenhecke markierte Grenze hatte eine Länge von 70 Kilometern.

Entlang der malerischen Route durch den Aachener Wald stößt man immer wieder auf lokalgeschichtliche Attraktionen und spektakuläre Hohlwege, die sich bis zu einer Tiefe von mehreren Metern in das Gelände eingeschnitten haben. Entstanden sind sie durch die permante Nutzung durch Fuhrwerke, Frachtverkehr und Viehtrieb. Die starke Beanspruchung rief Rillen in der Erde hervor, die mit der Zeit immer weiter ausgeschwemmt wurden.

In der Aachener Region nennt man diese Wege auch „Grachten”, die Fernstraßen des Mittelalters. Am Dreiländerweg und in der Verlängerung nach Belgien führte die Postkutschenstrecke von Aachen nach Lüttich. Mit dem Bau der Lütticher Straße verlor dieser ehemals stark frequentierte Weg an Bedeutung.
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