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Morbider Jahrestag

Von: Nachrichen-Mitarbeiterin Sonja Heinen
Letzte Aktualisierung:

Aachen (an-o) - Zum 200-jährigen Bestehen des Ostfriedhofes warf Oberbürgermeister Jürgen Linden gestern einen optimistischen Blick in die Zukunft. Mit Gründung eines Fördervereins soll die Erhaltung der historischen Ruhestätte am Adalbertsteinweg gesichert werden.

Zu Ehren der skurrilen Geburtstagsfeier in ungewöhnlichem Grabambiente wurde das Foyer der Hauptschule Aretzsstraße in eine Ausstellungshalle gewandelt. Vor den Schautafeln, die die Entstehung und Entwicklung des Ostfriedhofes dokumentieren, gab es Grabgeschichte zum Anfassen. So reihten sich neben die Abdeckung eines Grabmals vom ausgehenden 19. Jahrhundert eine Madonnenstatue (19. Jh.), ein Grabstein mit Madonnenrelief (Naturstein nach 1900) und verschiedene Christus-Figuren aus Zinkdruckguss von 1890.

Die Verbindung zwischen der Hauptschule und dem Ostfriedhof ist nicht rein geografischer Natur. "Wir binden unsere Schüler in die Pflege des Ostfriedhofes ein", informierte Lehrerin Ulla Griepentrog. In einer ersten Pflegeaktion haben die Schüler bereits Gräber und Grabdenkmäler von Efeu befreit und dabei Kulturgut entdeckt. Dass der Ostfriedhof überwiegend "Zuwendung" von Vandalen erfährt, müsse ein Ende haben.

Diese Ansicht teilt natürlich Lutz-Henning Meyer vom Rheinischen Amt für Denkmalpflege. Warum der Ostfriedhof so häufig Plündereien zum Opfer fällt, kann er sich nicht erklären. "Die Vandalen richten mit roher Gewalt nur Schaden an, da lässt sich wohl kaum irgendwas zu Geld machen." OB Linden betonte in seiner Begrüßungsrede zur Ausstellungseröffnung besonders seinen "persönlichen Bezug zum bedeutsamen, architektonischen Denkmal", das er nicht nur als Oberbürgermeister, sondern auch als Messdiener und Trauernder kennen gelernt habe. Abschließend bezeichnete er den Ostfriedhof als "Schutzgut", das es zu erhalten gilt, weil fast alle Aachener Familien einen "persönlichen Bezugspunkt haben".

150 Jahre alter Sarg

Der Ostfriedhof wurde am 28. August 1803 eingesegnet. Seit 1933 hat er eine Fläche von 127.000 Quadratmetern. Aufgrund der Bodenbeschaffenheit werden laut Ratsbeschluss von 1989 nur noch Urnen beigesetzt. Eine edle Kutsche als "historischer Leichenwagen" und ein 150 Jahre alter, originaler Sarg, der in der Kapelle aufgebahrt wurde, bildeten die Hauptattraktion der morbiden Geburtstagsfeier.

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