Aachen - Momente blitzschnell festhalten: Ausstellung des Fotografen Andreas Hermann

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Momente blitzschnell festhalten: Ausstellung des Fotografen Andreas Hermann

Von: Sabine Rother
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Der Fotograf Andreas Herrmann stellt aus: Am Samstag, 3. März, 18 Uhr, ist die Eröffnung im Kulturwerk des BBK. Dort wird auch die Collage „Schröder und Schultze“ zu sehen. Foto: Svenja Pesch

Aachen. Sein Blick auf die Welt verharrt dort, wo andere längst weitergegangen sind. Häufig gelingt es ihm, leuchtende Momente festzuhalten, die flüchtige Schönheit beim Tanz, die große Stille einer Landschaft, die souveräne Ruhe eines Waldes.

Der in Aachen lebende Bildjournalist und „Nachrichten“-Fotograf Andreas Herrmann zeigt im Kulturwerk des BBK in den Aachen-Arkaden ab kommenden Samstag, 3. März (Eröffnung 18 Uhr), unter dem Motto „Querschnitt: fotografische Bilder“ Arbeiten aus nahezu 40 Schaffensjahren, die zugleich eine Lebensspur zeichnen.

„Ich wollte Architekt werden“, erzählt der 64-Jährige, der in Münster aufwuchs, schon als Sechsjähriger mit einer „Agfa Clack“ seine Kinderwelt fotografierte, drei Brüder hat und damals zum Studium nach Aachen kam – eine spannende Zeit. 1975 zog Herrmann in Vaals in eine Wohngemeinschaft, lernte viele Leute kennen, mit denen er heute noch Kontakt pflegt – vom Künstler über spätere Journalisten bis zum Hochschulprofessor. „Damals wussten wir das ja noch nicht“, meint er amüsiert. 50 Wohngemeinschaften gab es im Grenzraum, ein Netzwerk der Anregungen für den angehenden Architekten, der sich frühzeitig ein Schwarzweiß- und Farblabor einrichtete – um zunächst Bauobjekte zu fotografieren. Doch dabei blieb es nicht.

Auch heute spielt die Architektur noch eine große Rolle, wenn Herrmann zur Kamera greift. In seinem Haus kann man Modelle von Gaudís gewaltiger „Sagrada Familia“ in Barcelona und vom Mont Saint-Michel oder den Eiffel-Turm finden. Fotografisch entdeckte er die melancholische Stadtlandschaft von Venedig, wo Bauten und Wasserstraßen im milden Dunst miteinander verschmelzen, sowie die blitzende Sachlichkeit gigantischer Hochhausfassaden.

Irgendwann wurde die Lust am Fotografieren größer als der Ehrgeiz, ein Studium zu absolvieren, das ihm letztlich nicht alle gestalterischen Wünsche erfüllen konnte. Und dann kam 1980 auch noch die Aufforderung eines Zeitungsredakteurs, ihn zum Circus Roncalli nach Köln zu begleiten. Die „Reise zum Regenbogen“ war für Herrmann die erste große Geschichte, die er mit Bildern erzählen konnte. Es folgten Studien an der Pädagogischen Hochschule, bei Bildenden Künstlern sowie zahlreiche Aufträge, wie sie in der Realität eines Fotogeschäfts anfallen. Eine Postkarten-Serie zeigt die schönsten Blickpunkte der Stadt Aachen. Und immer wieder war – und ist – Herrmann unterwegs. Vom reizvollen Detail bis zur Abbildung eindrucksvoller Gegenwart locken ihn zudem gesellschaftskritische und politische Aspekte.

Der Blick eines Uhus

Die Ausstellung im Kulturwerk setzt sich thematisch aus all diesen Bausteinen zusammen, die Grenzen sind fließend. Neben den Experimenten gibt es landschaftliche Impressionen, unter denen einige auffallen: Bäume im Schnee? Nein, die duftigen, geheimnisvoll wirkenden Objekte wurden mit der Infrarotkamera aufgenommen, die das grüne Laub in federige weiße Wolken verwandelt. Auch Augen, der bernsteinfarbene Blick eines Uhus, die Pupille eines Menschen können ihn faszinieren. Der Architektur widmet er ein großes Kapitel in seiner Schau sowie dem Modern Dance, wie er in seiner außergewöhnlichsten Form beim Aachener Festival „Schrittmacher“ seit 23 Jahren gezeigt wird. Ein großes Thema für den Fotografen, der die „fliegenden“ Menschen auf seine Bilder bannt und diverse Bühnenexperimente gespannt begleitet.

„Mir kommt es auf die Stimmung an, etwas, das man kaum mit Worten beschreiben kann“, sagt Herrmann. Die Weite einer menschenleeren Natur berührt ihn ebenso wie der große Dirigent Yehudi Menuhin, den er porträtiert hat – eine Sternstunde.

Und gern sieht er sich in Aachens Partnerstädten um – in Reims etwa, wo er zur 50-jährigen Verbindung mit Aachen sogar ausstellte, oder in Toledo und Halifax. Was ihn bis heute begeistert, ist der Aachener Dom, der für Herrmann beständig neue Perspektiven bietet. Diese Bilder werden bei der Ausstellung mit ihren rund 100 Objekten gleichfalls einen Schwerpunkt bilden.

Was empfindet er als größte Herausforderung? „Bewegung, Schönheit, die in Sekundenbruchteilen auftaucht“, sagt Herrmann. „Da muss man intuitiv arbeiten.“

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