Aachen - Mörgens-Theater: Ein Mord und die Frage nach der Schuld

Mörgens-Theater: Ein Mord und die Frage nach der Schuld

Von: Jan Mönch
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Oleg Zhukov, Katharina Merschel und Joey Zimmermann (von links) spielen in Nora Mansmanns Inszenierung von Ödön von Horváths „Jugend ohne Gott” im Mörgens-Theater. Foto: Ludwig Koerfer

Aachen. Fertig abgepackte Antworten will man im Mörgens nicht auf die Bühne bringen. Das gilt zunächst für die Aufklärung der Kriminalgeschichte, von der Ödön von Horváths Roman „Jugend ohne Gott” handelt. Doch auch Fragen nach Ethik und Moral soll die Bühnenfassung von Nora Mansmann bei der am Donnerstag anstehenden Premiere vor allen Dingen stellen, nicht beantworten.

Seinen Roman um einen an humanistischen Werten orientierten Lehrer, der einer Gruppe feindseliger Schüler gegenübersteht, veröffentlichte Ödön von Horváth Mitte der 1930er Jahre. Und zwar in Amsterdam - denn im von den Nationalsozialisten vereinnahmten deutschsprachigen Raum „war von Horváth schon ein geächteter Autor”, weiß Dramaturgin Caroline Schlockwerder.

Seinerzeit schrieb von Horváth also über ein sehr aktuelles Thema. Doch auch wenn der Nationalsozialismus und der Zweite Weltkrieg sechseinhalb Jahrzehnte zurückliegen, ist diese Aktualität bis heute nicht verloren gegangen. Das jedenfalls findet Nora Mansmann: „Die Vorlage hat etwas Zeitloses.” Dementsprechend wird die Geschichte losgelöst von ihrer Entstehungszeit erzählt. Den Text konnte Mansmann - einige der besseren Sprechbarkeit geschuldete Feinheiten ausgenommen - dennoch weitestgehend übernehmen.

Obwohl er Entindividualisierung und Mitläufertum verachtet, begleitet der Lehrer (Joey Zimmermann) seine Schüler (Björn Büchner, Katharina Merschel, Philipp Manuel Rothkopf, Robert Seiler, Oleg Zhukov) in ein vormilitärisches Ausbildungslager. Dort eskaliert die ohnehin schon aufgeheizte Stimmung, es geschieht ein Mord. Die Frage nach dem Täter hat Nora Mansmann in ihrer Inszenierung jedoch der Frage untergeordnet, welche Schuld der Mensch als Rudelwesen trägt.

Insbesondere Stammgäste des jungen Spielorts des Aachener Theaters könnte die Handlung des Stücks an Robert Musils „Die Verwirrungen des Zöglings Törleß” erinnern. Auch darin drangsalieren junge Männer in einer militärisch geprägten Epoche einen Andersdenkenden - Stoff, der vom Mörgens in der vergangenen Spielzeit adaptiert wurde. Kein Zufall: „Wir sind da einer Linie gefolgt. Jugend ohne Gott´ kann als Fortsetzung von Musils Törleß´ betrachtet werden”, sagt Caroline Schlockwerder, die seit Beginn der Spielzeit die Leitung des Mörgens übernommen hat.

Dass das Gesamtergebnis dem ernsten Thema zum Trotz nicht zu schwer verdaulich geraten ist, verspricht Nora Mansmann. Die studierte Germanistin beruft sich auf Bertolt Brecht: „Theater muss immer auch Unterhaltung sein.”

Premiere am Donnerstag ist ausverkauft

Die Premiere von „Jugend ohne Gott” am kommenden Donnerstag ist bereits ausverkauft. Weitere Termine sind am Samstag, 23. Januar, Freitag, 29. Januar, Dienstag, 2. Februar, Freitag, 5. Februar, Samstag, 6. Februar, Donnerstag, 25. Februar, sowie Freitag, 26. Februar. Vorstellungsbeginn ist jeweils um 20 Uhr. Termine für März wird das Stadttheater in Kürze bekannt geben. Der Eintritt beträgt 13,20 Euro für Vollzahler und ermäßigt 7,70 Euro.
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