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Mörgens-Teenclub: Mobbing, Saufen und das Handy

Von: Martina Stöhr
Letzte Aktualisierung:
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Aus erster Hand: Die 14 jungen Akteure des Mörgens-Teenclubs haben für das Stück aus ihren eigenen Erfahrungen gearbeitet. Foto: Carl Brunn

Aachen. „Wenn du sozial drauf bist, kannst du dich gleich verpissen“, sagt Achim und findet nichts weiter dabei, seinen Mitschüler Lukas zu mobben. Und auch Nele fühlt sich nicht zuständig: „Lukas ist ein Opfer, der geht mich nichts an“, sagt sie zu ihrem Freund Tobi. Der ist der einzige, der sich für Lukas einsetzen will.

Und bei Lukas ist alles so wie immer. Schwierig eben. Kein Wunder also, dass er sich aus der Wirklichkeit in die Welt seiner Computerspiele flüchtet. „Staub an meinen Füßen“ zeichnet die Welt der Jugendlichen nach und ist dabei ganz nah dran. Der Teenclub des Mörgens hat das Stück unter Leitung von Thea Schmitz, Berfin Ertas und Zoë Loos selbst entwickelt. Und damit den Geschmack des Publikums offensichtlich voll getroffen, wie sich jetzt bei der Premiere zeigte. Vorab machten sich die jungen Schauspieler Gedanken, welche Themen sie ansprechen wollen. Dann entwickelten sie die einzelnen Rollen. Die 14 Akteure hocken auf dem Boden, als die Zuschauer den Theatersaal im Mörgens betreten. Dann beginnen sie, sich versunken zur Musik zu bewegen. Und dann geht‘s los.

Es wird gesimst und gedaddelt

Handys klingeln, und die jungen Leute gehen ganz auf in ihrer eigenen Welt. Da wird gesimst und gedaddelt, was das Zeug hält. Das Handy darf selbst dann nicht fehlen, als sich Nele und Tobi in „real live“ unterhalten. Beide sitzen Rücken an Rücken, den Blick dabei starr auf ihr Display gerichtet. Die Zuschauer haben ganz offensichtlich ihren Spaß an der Produktion.

Dabei kommen auch die Eltern nicht ungeschoren davon. „Ist doch geil, wenn dir einer sagt, was du tun oder lassen sollst“, sagt einer der jungen Leute. Genau hinsehen, dazu werden die Eltern angeregt. Mobbing, Komasaufen und der Umgang der jungen Leute mit den Medien sind die Themen, die ganz genau beleuchtet werden. Und das aus erster Hand. Schließlich wissen die Jugendlichen selbst am besten, was bei ihnen los ist.

Marie wird im Netz zu Sophie: auch sie ist Außenseiterin, obwohl vielleicht niemand sagen könnte, warum eigentlich. Wie und mit welcher Sprache die Jugendlichen im Netz kommunizieren wird ebenso deutlich, wie die Parallelwelt, in die sie verschwinden.

Und zum Schluss löst sich alles auf. Die jungen Leute verlassen ihre Rollen, umarmen sich und freuen sich miteinander. Die, die sich geprügelt haben, liegen sich in den Armen, die die gestritten haben, vertragen sich. „Wir haben uns super verstanden, während der Proben“, sagt Tim Münster, einer der Schauspieler. „Gegen Ende des Stückes sollten alle die Chance bekommen, ihrer Rolle zu entkommen“, meint er. Denn gerade die, die gemobbt oder ausgeschlossen wurden, hätten gespürt, was das im richtigen Leben bedeutet.

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