Aachen - Mobilitätsmanagement: Damit die Region durchatmen kann

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Mobilitätsmanagement: Damit die Region durchatmen kann

Von: Mischa Wyboris
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Aachen. Eigentlich hätte Johannes Remmel ja gern eine Schere mitgebracht. „Ich würde viel lieber rote Bänder zur Eröffnung von Stadtbahnen durchschneiden”, sagt der NRW-Umweltminister der Grünen. Stattdessen muss er vielerorts die Einführung von Umweltzonen verkünden.

Bei seinem Besuch im Haus der Städteregion konnte sich Remmel beides sparen und die Fortschritte der Städteregion in punkto Verkehrsmanagement begutachten.

Seit November 2008 ist die Region Aachen eine von bundesweit 15 unterstützten „Modellregionen Mobilitätsmanagement” - vor allem, weil die Stadt Aachen mit dem Anfang 2009 in Kraft getretenen Luftreinhalteplan zahlreiche Projekte ins Leben gerufen hat: Job-Ticket, Mobilitätsberatung der IHK, Ausbau von Radverkehr und Carsharing. Im Rahmen des Programms „Effizient mobil” der Bundesregierung hat die deutsche Energieagentur in der Region Analysen und Mobilitätskonzepte für die Städteregion, die Firma Lindt & Sprüngli sowie den Verbund der Aachener Krankenhäuser gefördert.

„Wir möchten Vorbild und Motivator für andere Verwaltungen sein, klimafreundlich zu denken”, sagt Uwe Zink, Umweltdezernent der Städteregion. Derzeit gelinge es in seiner Verwaltung durch entsprechende Maßnahmen, pro Mitarbeiter jährlich rund 180 Kilogramm CO2 einzusparen - das sei vergleichbar mit einer Fahrtstrecke von 1500 Kilometern pro Jahr. Bevölkerungswachstum, zunehmende Attraktivität der Hochschulen und immer mehr Einzelhandel: Uwe Müller, Abteilungsleiter Verkehrsmanagement der Stadt Aachen, sieht die Notwendigkeit zur gemeinsamen Perspektivenentwicklung in der Städteregion mit ihren rund 568.000 Bürgern.

„Wir sind dabei, in 200 Jahren unseren gesamten Ölvorrat zu verbrennen. Das ist prähistorisch”, sagt Umweltminister Remmel und lobt Aachen als Modellregion der Elektromobilität. Doch zum batteriebetriebenen Auto gibt es auch kritische Stimmen. Von Gisela Warmke etwa. Zwar will auch die Geschäftsführerin der Firma Cambio Carsharing ihren Kunden demnächst testweise ein Elektro-Auto zur Verfügung stellen, jedoch habe sie „ernsthafte Zweifel daran, dass die E-Mobilität der große Knaller ist, als der sie immer dargestellt wird”. Ohnehin verstehe sie ihr Unternehmen, das 3300 Kunden mit 80 Fahrzeugen an 18 Stationen mobil hält, eher „als Teil eines Ganzen: „Nur im Windschatten eines gut funktionierenden ÖPNV können wir unsere Dienstleistung voll ausfahren.”

Apropos ÖPNV: Als Willkommensgruß will die Stadt Aachen ihren jährlich 16.000 Neubürgern künftig attraktivere Tarife anbieten, sagt Müller. Und auf der Agenda steht im Zuge des Hochschulausbaus auch weiterhin die Wiedereinführung einer Straßenbahn. Wenn Remmel dann noch einmal in der Gegend ist, sollte er eine Schere mitbringen.
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