Aachen - Mitten in Burtscheid steht immer noch ein Unterrichtsreaktor

Mitten in Burtscheid steht immer noch ein Unterrichtsreaktor

Von: Heiner Hautermans
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Versichert mehrfach, dass von
Versichert mehrfach, dass von dem 2002 heruntergefahrenen Unterrichtsreaktor in Burtscheid keine Gefahr ausgegangen ist oder ausgeht: Dr. Heike Foto: Ralf Roeger

Aachen. „Mitten in Burtscheid an der Jägerstraße soll ein Forschungsreaktor stehen, der immer noch radioaktiv ist und bislang nicht entsorgt werden konnte.” Dies mailte ein Leser den „Nachrichten”, verbunden mit der Bitte, der Information nachzugehen.

Das tat die Redaktion auch, erkundigte sich bei der RWTH, und siehe da: Die Information stimmt, der Reaktor ist noch da, allerdings nicht mehr radioaktiv. In Betrieb gegangen ist der Siemens Unterrichtsreaktor 100 im Jahr 1965, außer Betrieb im Jahr 2002.

Angegliedert war das Reaktörchen dem Institut für elektrische Anlagen, bestückt war es mit acht Scheiben aus angereichertem Uran 235. Diese wurden im Oktober 2008 entsorgt, indem sie an die TU München geschickt wurden, um sie dort zu konditionieren (verdünnen) und wieder in den Kernbrennstoffkreislauf einzuspeisen. Insgesamt handelte es sich um 735 Gramm.

Es sei ein ganz normaler Transport in einem 200-Liter-Fass gewesen, weiß Dr. Heike Wolf, Abteilungsleiterin Umwelt und Strahlenschutz der RWTH, die jetzt für die Halle an der Jägerstraße verantwortlich ist. Die für das Anfahren notwendige Neutronenquelle war man schon zuvor losgeworden, durch Beförderung in die Landessammelstelle in Jülich.

Auch wenn es sich um ein Minimodell handelt, die Sicherheitsvorkehrungen sind durchaus respektheischend. Die Scheiben des Gebäudes sind extra dick, um das Anwesen zu betreten, muss erst eine Sicherheitsschleuse überwunden werden. Im Vorraum hängen noch die Dosimeter, um eine eventuelle Strahlenexposition zu messen. An der Tür steht immer noch der Hinweis „Kontrollbereich radioaktiv”, im Reaktorraum stehen Uralt-Feuerlöscher mit sechs Kilogramm Kohlendioxid.

Materialien seien dort mit Neutronen beschossen worden, weiß Abteilungsleiterin Wolf. Eine gefährliche Dosis habe nie bestanden, gebe es auch heute nicht, wie sie mit dem mitgebrachten Messgeräten demonstrieren will. Und als die Platten 2008 herausgeholt wurden, sei das von Hand geschehen: „Da lag keine Oberflächenkontamination vor.” Gleichwohl unterliegt die Anlage immer noch dem Atomgesetz, kamen einmal im Jahr die Internationale Atomenergiebehörde und Euratom zu Besuch, prüften, ob alle Materialien noch vorhanden waren.

Noch keine Genehmigung

Am Mittwoch noch hat sie mit dem zuständigen Ministerium telefoniert, weil das Eckgebäude anderweitig genutzt werden soll. Dafür braucht man aber eine Rückbaugenehmigung, und die kann frühestens nach den Sommerferien vorliegen: „Hier darf man keine Schraube ohne Genehmigung rausdrehen.” Wie teuer das Entfernen des etwa drei Meter hohen Rundlings mit einem Durchmesser von gut zwei Metern wird, kann sie noch nicht abschätzen, auf alle Fälle muss die gesamte Aktion von einem unabhängigen Sachverständigen begleitet werden, das kostet. Auf alle Fälle müssen einige Tonnen des reichlich zur Abdeckung verwendeten Bleis abtransportiert werden.

Auf Kontamination überprüfen

Für die Schaltzentrale, gespendet in den 70er Jahren, findet sich vielleicht ein Liebhaber, immerhin gibt es noch zwei Unterrichtsreaktoren in Deutschland, möglich wäre auch der Wechsel in ein Museum. Doch alles, was rausgenommen wird, muss noch einmal auf Kontamination überprüft werden.

Mehrfach versichert die promovierte Chemikerin, die für die SPD auch im Stadtrat sitzt, dass von der Anlage keine Gefahr ausgeht: „Da ist nichts mehr drin.” In ihrem Koffer hat sie auch das passende Werkzeug mitgebracht, um die These zu untermauern, ein Dosisleistungsmessgerät und einen Kontaminationsmonitor. Und siehe da: Die Messung ergibt lediglich einen Wert von 0,1 Mikrosievert pro Stunde, das entspricht der natürlichen Hintergrundbelastung in der Region.

In der Schwäbischen Alb kann sie beispielsweise wesentlich höher ausfallen, im japanischen Katastrophenmeiler Fukushima liegt der Spitzenwert 120.000-fach so hoch.
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