Mit Stimme und Musik mal aus der Reihe tanzen

Von: Martina Feldhaus
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„Habt Mut, verrückt zu sein“: Die Neue-Musik-Komponistin Violeta Dinescu (l.) übt mit Schülern an der Gesamtschule Brand das musikalische Improvisieren – mit Stimme und Körper. Foto: Harald Krömer

Aachen. Am Ende klingt es wie ein Dschungel voller Fantasietiere. Ein Summen und Surren, Schnauben und Gurren kommt aus der einen, ein Krächzen, Murmeln und affenähnliches Geräusch aus der anderen Richtung. Sie haben sich locker gemacht, die Schüler der Gesamtschule Brand.

Genau wie Violeta Dinescu es wollte. Rund ein Dutzend stehen am Montagnachmittag beisammen – und üben die musikalische Improvisation.

Viel Überwindung

Gar nicht so einfach ist das. Vor allem kostet es viel Überwindung, was Dinescu da verlangt. „Habt den Mut, verrückt zu sein. Tanzt aus der Reihe“, rät sie den Zwölftklässlern mit Nachdruck, lächelt, klatscht in die Hände und animiert zum Weitermachen. Zum lauter werden. Dazu, die Scheu zu vergessen und mit dem eigenen Körper wie auch immer geartete Klänge zu erzeugen.

Dinescu, gebürtige Rumänin, ist Pianistin, Hochschullehrerin in Oldenburg und eine gefragte Komponistin im Bereich der Neuen Musik. Das heißt, sie kennt sich aus mit Improvisation, eines der grundlegenden Dinge in ihrer Zunft.

Am Montag ist sie gemeinsam mit dem Aachener Flötisten Olaf Futyma, bekannt vom Ensemble „Trio Soli Sono“ und als Leiter des Neuen Musik Ensembles Aachen, an die Schule gekommen, um zu zeigen, was Neue Musik heißt, was sie bedeutet, wie sie klingt und was hinter ihr steckt.

Der Schulbesuch ist Teil eines Projekts namens „Stationen II“, das in NRW läuft. Als Fortsetzung von „Stationen I“ – damals brachten zehn NRW-Komponisten in zehn NRW-Städten Uraufführungen zu Gehör – sind diesmal die Interpreten dieser speziellen Musikrichtung dran.

Sie kommen aus Aachen (Futyma), Münster, Detmold, Dortmund, Bielefeld, Köln, Remscheid, Essen, Bonn und Düsseldorf. Und sie haben sich in einem Projektensemble zusammengeschlossen, um ein eigenwilliges Programm zu präsentieren.

Das Ziel: Einen vielfältigen Eindruck von der Arbeit mit Neuer Musik in NRW vermitteln. Hinter dem Projekt stecken der Landesmusikrat und die Kölner Gesellschaft für Neue Musik in Kooperation mit Einrichtungen vor Ort. In Aachen ist die Gesellschaft für Zeitgenössische Musik beteiligt, das Konzert findet am Donnerstag statt.

Neben den Konzerten von „Stationen II“ ist ein Schulprojekt auf die Beine gestellt worden. Das bedeutet, Klassen beschäftigen sich mit dem Konzertprogramm, den Komponisten, Interpreten und den aufgeführten Werken.

In Aachen hat Musiklehrerin Andrea Bogaczyk ihre Klasse zum Mitmachen animiert: „Neue Musik ist etwas, das man mal ausprobieren sollte.“ Deshalb hat sie sich mit ihren Schülern im Unterricht den Kompositionen von „Stationen II“ genährt, mit Hilfe eines eigens für das Projekt erstellten Materialhefts.

Darin enthalten ist auch Dinescus Improvisationsmodell „Flammentropfen“. Basierend auf einem Gedicht von Zafer Senocak hat sie eine „Partitur“ für vier Instrumente oder Stimmen geschrieben. Noten sucht man darin allerdings fast vergeblich.

Vielmehr gleicht die Partitur einem Kunstwerk auf Linien. Die Musiker improvisieren hieraus ihr Musikstück, mit Klängen und Geräuschen, mit Rhythmus und Intonation. Strenge Vorgaben gibt es nicht. Es braucht viel Fantasie für diese Interpretation, wie Dinescu und Futyma erklären.

Der Musiker zeigt auf verschiedenen Flöten, wie einzelne Passagen umgesetzt werden könnten. Es ist ein Annähern, Ausprobieren und gegenseitiges Abwechseln. Dinescu: „Es ist eine Anleitung zum Mitkomponieren.“ Das tun die Schüler dann auch – aufgeteilt in vier Gruppen mit ihren Stimmen, ihren Händen und Füßen.

Anfangs recht schüchtern, schließlich immer mutiger. Bis zum Fantasie-Dschungel. Ein Klangerlebnis der besonderen Art. Das findet auch Schülerin Iris Wegmann: „Es ist interessant, aus sich rauszukommen.“ Gemeinsam mit ihren Mitschülern geht sie am Donnerstag zum Konzert – hören, wie es die Profis machen.

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