Mit Sport aufeinander zugehen

Von: Martina Stöhr
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Hier zählt das Miteinander: Menschen mit und ohne Behinderung spielten beim Begegnungsfest am Samstag Handball im Rollstuhl. Fünf Leih-Rollis standen im Ferberpark zur Verfügung. Foto: Ralf Roeger

Aachen. So gut wie ins Wasser gefallen ist das Fest der Begegnung im Ferberpark in Burtscheid. Seit sieben Uhr morgens hatten ehrenamtliche Helfer alles bereitgestellt, um Menschen mit und ohne Behinderungen einen angenehmen Rahmen für eine Begegnung zu schaffen. Der heftige Regen am Samstag machte ihnen einen Strich durch die Rechnung.

Hüpfburg und Kletterpark wurden wenig später wieder zusammengepackt, auch die Seniorengymnastik konnte nicht stattfinden. Nur die Rollstuhlfahrer vergnügten sich beim Handball auf dem entsprechend markierten Spielfeld. „Das ist wirklich schade mit dem Regen“, kommentierte Sonja Stief, die mit ihrer Familie zum Fest gekommen war und sich als Handballerin im Rollstuhl versuchte. „Die Berührungsängste mit dem Rolli sind schnell vergessen“, erzählte sie. Sie selbst habe aber auch nicht zum ersten Mal probehalber in einem gesessen.

Fünf Rollis standen zur Verfügung, um Menschen ohne Behinderung ein Gefühl dafür zu geben, wie es sich anfühlt, auf vier Rädern unterwegs zu sein. „Auf dem Spielfeld zählt das Miteinander“, sagte Sonja Stief. Den Handballspielern sah man die Freude am Spiel an. Dass um sie herum zum Teil fleißig zusammengeräumt wurde, schien sie nicht weiter zu beeindrucken.

Die Organisatoren – verschiedene Burtscheider Vereine und das Vinzenz-Heim – allerdings machten sich Gedanken, ob sie das Fest zu einem anderen Zeitpunkt wiederholen. Sie wollen vor allem von Menschen mit Handicap wissen, welche Sportarten sie gerne machen würden und wo es Probleme gibt. „Wir wollen so herausbekommen, welche Sportarten wir anbieten könnten“, sagt Stefan Oetze, zweiter Vorsitzender des Burtscheider Turnerbunds. „Dann werden wir schauen, wie man die Mannschaften gestalten kann, ob man sie mischt oder trennt.“

Leistung anders definieren

Auch Leistung müsse anders definiert werden. Er habe schon erlebt, dass sich Interessenten zurückgezogen hätten, weil ihnen das entsprechende Angebot zu leistungsorientiert gewesen sei. Im Grunde gehe es aber beim Fest der Begegnung zunächst einmal darum, aufeinander zuzugehen. Hier konnten Interessenten einen Fragebogen zu ihren sportlichen Ambitionen ausfüllen, der sie gleichzeitig zur Teilnahme an der Verlosung einer Heißluftballonfahrt berechtigte.

„Es gibt Menschen, die nichts mit den Begriff Inklusion anfangen können“, sagt Michael Hamel, der jahrelang im Vinzenz-Heim lebte und heute ambulant betreut in einer eigenen Wohnung lebt. In ärgert, dass „die Politik die Behinderten nicht im Blick hat“. Barrierefreiheit sollte seiner Meinung nach ganz selbstverständlich sein.

Aber das ist sie noch lange nicht, wie Wilfried Braunsdorf, Vorsitzender des Burtscheider Turnvereins meint. Die meisten Sporthallen in Burtscheid seien eben nicht barrierefrei. Und dass Rollstuhlfahrer auch auf einem Kunstrasen nicht trainieren können, weil der das gar nicht gut verträgt, haben die Organisatoren des Festes erst bei der Planung erfahren.

Jetzt wollen sie mit vereinten Kräften dafür sorgen, dass trotz aller Probleme auch Menschen mit Behinderungen im Verein Sport treiben können.

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