Mit Schmiedehammer auf Rekordkurs

Von: Nele Pasch
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Mit wuchtigen Hammerschlägen bearbeiten Walter Heinrichs (2. von links) und seine Kollegen das Eisen. Auf dem Aachener Markt soll das größte Hufeisen der Welt entstehen. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Auf dem Markt glüht es gewaltig. Das Schmiedefeuer lodert, Hammerschläge schallen über den Platz. Walter Heinrichs schmiedet das größte Hufeisen der Welt. Und jeder kann ihm dabei zuschauen. Gemeinsam mit seinen fünf Kollegen versucht der Schmiedemeister aus Simmerath-Kesternich, im Schatten des Rathauses einen neuen Weltrekord aufzustellen.

Die Chancen stehen gut. Damit der Rekord gelingt, müssen 58 mal 63 Zentimeter übertroffen werden. Denn so lautet der aktuelle Eintrag für das größte Hufeisen der Welt im Guinness-Buch der Rekorde.

Kein Problem für den Handwerker aus der Eifel: Mit einer Größe von 1,50 mal 1,50 Metern stellt sein Hufeisen seinen Vorgänger locker in den Schatten. Das Spektakel zieht reichlich Publikum an. Den ganzen Tag über wird die Schmiede unter freien Himmel von Passanten beguckt. Auch Touristen aus den Vereinigten Staaten, die die Anstrengungen verfolgen, sind begeistert. Gemeinsam mit den Veranstaltern fachsimpeln sie über dieses Event der besonderen Art.

Was Pferde von solch einem Hufeisen halten würden, steht freilich auf einem ganz anderen Blatt. Denn das Eisen, das hier entsteht, hat ein Gewicht von etwa 100 Kilogramm, erklärt Heinrichs. Ein normales Hufeisen bringt dagegen gerade einmal 400 Gramm auf die Waage.

Heinrichs und seine Unterstützer bearbeiten das heiße Eisen mit Hingabe. Nächstes Jahr soll es dann ganz groß rauskommen: Beim Reitturnier soll das Rekordstück auf dem CHIO-Gelände in der Soers gezeigt werden, im Rahmen einer Ausstellung der berühmtesten Hufeisen der Welt. „Als Heimatort des größten Hufeisens der Welt etablieren wir Aachen weiter als Hauptstadt des Pferdesports”, freut sich Heinrichs.

Hilfe fürs Handwerk

Doch nicht nur um den Pferdesport geht es ihm. Der Rekordversuch ist auch ein Versuch, das Image des Handwerks aufzupolieren. Denn auch die Metallbauer bleiben vom Nachwuchsmangel nicht verschont. Mit seiner Aktion mitten auf dem Aachener Markt will Walter Heinrichs zeigen, wie vielfältig der Beruf ist. Auch Ralf W. Barkey, Geschäftsführer der Handwerkskammer, schaut vorbei.

Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp und Carl Meulenbergh, Präsident des Aachen-Laurensberger Rennvereins (ALRV), haben dem Projekt ebenfalls ihre Unterstützung versichert.

Eigentlich soll für den Weltrekordversuch eigens ein „Guinness World Records”-Richter aus der Türkei anreisen. Der Gutachter bleibt jedoch aus, die Leistung muss nun dokumentiert und eingereicht werden. Aber Organisatoren und Handwerker sind sich einig: Der Rekord ist geschafft.

Passend zum Show-Schmieden sorgen nachmittags die Aachener Stadtreiter für ein buntes Programm auf dem Markt. Krönender Abschluss des Tages aber ist die Versteigerung des großen Eisens. Der Erlös kommt dem Deutschen Kuratorium für therapeutisches Reiten zugute. Veranstalter Udo J. Radermacher erzählt, dass es einen großzügigen, anonymen Spender gibt, der das Eisen dem ALRV als Dauerleihgabe zukommen lassen will. Wieviel sich der unbekannte Gönner das Rekordeisen kosten lässt, wird nicht bekannt.

Bis es dunkel wird, schmieden die fleißigen Handwerker. Doch Heinrichs ist in Gedanken schon fast beim nächsten Weltrekordversuch. „Mein Kopf ist voller Ideen”, schmunzelt er und feiert seinen Weltrekord. Vor zehn Jahren war er übrigens schon einmal auf Rekordkurs: Damals schmiedete er den größten Nagel der Welt.
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