Mit Rübenkraut Mosaiksteinchen geklebt

Von: Georg Dünnwald
Letzte Aktualisierung:
dom_bu
Experten der Firma Derix aus Kevelaer sind damit beschäftigt, die Dommosaiken zu reinigen und die Risse zu verfüllen. Foto: Harald Krömer

Aachen. „Keine Angst, der Dom fällt jetzt nicht gleich um”, beruhigt Dombaumeister Helmut Maintz. Zwei „ganz fiese Risse” seien im Deckenmosaik des südlichen und südsüdwestlichen Teils zu sehen, die sogar in den karolingischen Teil übergingen. Nun habe Baumeister Odo von Metz keineswegs Pfusch am Bau hinterlassen.

Der Dom sei durch äußere Einflüsse seit Jahrhunderten geschädigt worden. „Durch Erdbeben, durch weitere Anbauten von Kapellen. Die erste große Erschütterung brachte der Anbau der Chorhalle. Dafür wurde das Oktogon geöffnet, das ist so, als wenn Sie einen Fingerring an einer Seite öffnen würden. Irgendwann fällt der ab”, erläutert Maintz.

Erst jetzt kann man sehen, welchen Glanz der Dom von oben her zu bieten hat: Die farbenfrohen Deckenmosaiken sind zum größten Teil gereinigt, sie leuchten geradezu, so dunkel wie noch vor kurzer Zeit präsentiert sich die Decke nicht mehr. Bei diesen Arbeiten fielen auch die Risse auf, die nun mit Spezialmörtel dicht gemacht werden. Der wird mit großem Aufwand von unten her injiziert. Die Steinchen links und rechts neben den etwa ein Zentimeter breiten Rissen müssen abmontiert werden. Einzeln! Und zwar Zehntausende! Auf einem Quadratmeter finden sich etwa 21.000 Mosaiksteinchen!

Um die Mosaiksteinchen wieder anzubringen, wird die gesamte Riss-Partie auf Tansparentpapier abgezeichnet, auf ein weiteres Papier seitenverkehrt kopiert und auf dieses werden die Steinchen dann mit einem Gemisch aus Roggenmehl und Rübenkraut aufgeklebt, um so wieder versetzt zu werden. Um auf dem Laufenden zu bleiben, haben die Spezialisten Risssensoren angebracht.

Im südsüdwestlichen Teil war noch mehr Arbeit nötig. Dort hatten sich die Steinchen vom Versetzmörtel gelöst. Maintz: „Das Verfüllen der Hohlräume zwischen dem Versetzmörtel und dem Mauerwerk war nicht möglich, weil das Material nicht fließen kann.”

Die Folge: Alle losen Steinchen mussten demontiert werden. Das waren immerhin rund 15.000 Stück, was eine Arbeitszeit von 400 Stunden bedeutete. Und 100 Liter Spezialmörtel wurden bisher benötigt.

Es geht weiter mit der Sanierung des Mosaiks. Das sogenannte Nordwest-Joch steht den Handwerkern noch bevor. Was Dombaumeister Helmut Maintz freut: „Für diese Risssanierung ist uns im Rahmen eines Pilotprojektes eine Finanzierung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt in Aussicht gestellt worden.” In einem Kooperationsprojekt mit der RWTH Aachen soll eine Rissbandage aus Textilbeton hergestellt werden.

Bis 2011 werden wahrscheinlich die Innenarbeiten im Dom dauern. Wenn nicht vorübergehend aus Geldknappheit eine Pause eingelegt werden muss. Denn seit außen die Gerüste abgebaut wurden, fließen die Spenden nicht mehr so wie früher.

„Die Leute denken, im Dom gebe es nichts mehr zu tun”, vermutet Maintz. Auch hinge viel davon ab, ob die Förderung des Bundes für die Welterbestätten zustande kommt. Er gab einen weiteren Überblick über die Innenarbeiten. Die beiden Orgelwerke im Obergeschoss seien wieder aufgebaut und intoniert worden und könnten nun bespielt werden.

Ab Jahresmitte soll das Joch vor der Ungarnkapelle bearbeitet werden, im ersten Halbjahr 2010 ist das Westjoch mit der Eingangshalle dran und im Obergeschoss sollen die Arbeiten rund um den Kaiserthron beginnen.

Ab Mitte 2010 fangen dann schließlich die Arbeiten in der Kuppel an.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert