Mit neuester Technik geht es tief in die Vergangenheit

Von: Martina Stöhr
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Faszination Technik: Per „Holzklötzchen”, die man hin und her schiebt, kann man im umgebauten Rathaus Geschichte erfahrbar machen - eine Spielerei mit streng wissenschaftlichem Hintergrund. Beim Tag der offenen Tür gab es viel Zulauf. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Kaum öffnen sich am Samstag um 14 Uhr die Türen des Rathauses, da strömen die ersten Besucher in die ehrwürdigen Gemäuer. Empfangen werden sie von einer Reihe von Infotrainern, die ihnen zeigen, wie das altehrwürdige Gebäude nun mit modernster digitaler Technik zu erkunden ist.

Wer will, der lässt sich einen „Aixplorer” geben, ein kleines Gerät, das den Touristenführer ersetzt und den Besuchern erlaubt, ihre ganz eigene Reise in die Vergangenheit anzutreten.

Ausgestattet mit Kopfhörern und dem kleinen Gerät in der Hand schlendern sie von Raum zu Raum. Ob Werkmeistergericht, Weißer Saal oder Krönungssaal: Das Wunderding weiß jederzeit, wo der Besucher sich befindet, und liefert, falls gewünscht, die entsprechenden Erläuterungen. Per Fingerdruck auf den Bildschirm lassen sich Informationen zu allen erdenklichen Themen abrufen.

Wer etwa wissen will, wie es zur Zeit Karls des Großen rund um Dom und Rathaus ausgesehen hat, der ruft den Beitrag über die Pfalz des Kaisers ab und erhält per Simulation einen ganz genauen Eindruck von dem karolingischen Gebäude. Oder er versetzt sich in ein historisches Mahl im Krönungssaal und belauscht dort die Gespräche der anwesenden Personen.

Zugegeben: So ganz reibungslos funktionierte die neue Technik noch nicht. Das musste auch Prof. Jan Borchers vom Lehrstuhl für Medieninformatik der RWTH eingestehen - da werden die Hochschulexperten, die das neue System ausgeklügelt haben, wohl noch ein bisschen tüfteln müssen.

Renate Thom-Krause (64) und Ehemann Walter (68) aus Würselen sind dennoch begeistert. „Ich kenne den Krönungssaal ja eigentlich schon”, sagt die Würselenerin. Doch die Audiosimulation per Fingerdruck mache den erneuten Besuch zu einem ganz besonderen Erlebnis.

Um einen der 25 „Aixplorer” zu ergattern, folgen sie und ihr Mann dem Rat der Infotrainer und beginnen ihren Rundgang oben im Krönungssaal, denn dort sind noch nicht alle Geräte vergriffen.

Anschließend wollen sie sich nach und nach die unteren Räume ansehen. Die neue Technik fasziniert sie, und von Berührungsängsten kann nicht die Rede sein. „Ich bin erstaunt, wie einfach das funktioniert”, meint Walter Krause.

Unten im Friedenssaal drängeln sich die Besucher derweil um den interaktiven Tisch zum „Aachener Frieden”. Ein Infotrainer erklärt, was man tun muss, um den „roten Faden” zum historischen Friedensschluss im Jahre 1748 zu verfolgen.

Er verschiebt Holzklötzchen auf dem interaktiven Tisch und holt so gleichsam aus dem Nichts virtuelle Blätter hervor, die von den Persönlichkeiten erzählen, die damals von Bedeutung waren.

Eine Spielerei, die vielleicht den ein oder anderen, der sich eigentlich gar nicht so sehr für Geschichte interessiert, dazu verführt, in der Vergangenheit zu stöbern. Wer will, kann natürlich auch den herkömmlichen Weg wählen.

Große Pläne

Heike Niehaves und Petra Meurers aus Aachen etwa schlendern mit einem kleinen Touristenführer in der Hand durch die Räume. „Wir wollen uns heute einen ersten Eindruck machen”, sagen sie. Erst bei einem zweiten Besuch werden sie sich dann auf die neue Technik stürzen.

Der interaktive Tisch im Friedensaal hat ihnen jedenfalls gut gefallen. Und sie freuen sich, dass es jetzt möglich ist, fast alle Räume des Rathauses zu besichtigen. Dass die Fotos der Karlspreisträger an der Treppe zum Krönungssaal verschwunden sind, scheint die meisten Besucher nicht weiter zu stören. Schließlich kann man an den neuen Infopunkten alles über sie erfahren.

Und für die Zukunft haben Borchers und die Informatiker der RWTH noch große Pläne. Der „Aixplorer” soll die Besucher nicht nur auf ihrem Gang durchs Rathaus begleiten, sondern sie auch von Station zu Station der Route Charlemagne führen.

Wie die sich im Einzelnen gestaltet, können die Besucher im Haus Löwenstein erfahren. Auf dem Weg dorthin hält der „Aixplorer” noch eine Reihe von Infos bereit. Wer aber fürs Erste genug erfahren hat, der lässt das Gerät ganz einfach schweigen.
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