Mit „harter Kost“ und Anspruch erfolgreich

Von: Carsten Rose
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Trotz bequemer neuer Sitzgarnitur wollen sich die Apollo-Kino-Betreiber Walter Render und Hans-Peter Coenen nach erneutem Gewinn des NRW-Kinoprogrammpreises nicht auf dem Erfolg ausruhen. Foto: Harald Krömer

Aachen. „Coenen & Render – mit Anspruch erfolgreich“ könnte eine neue Filmdoku heißen. Die (Erfolgs-)Story: Zwei lange befreundete Aachener Programmkino-Betreiber, die seit 33 Jahren Filme von hohem kulturellen Wert auf ihren Leinwänden zeigen.

Im zweiten Akt dreht sich vieles um den Bildungsauftrag und als Happy End bekommt das Duo einen Kinoprogrammpreis der Film- und Medienstiftung NRW – jedes Jahr. Anfang des Monats gab es für Hans-Peter Coenen und Walter Render 6000 Euro Preisgeld für ihr ausgezeichnetes Filmprogramm 2013 im Apollo-Kino in der Pontstraße.

Dieser Streifen ist auf den ersten Blick aufgrund des überschaubaren Inhalts ungeeignet für ihr eigenes Programm. Dabei bietet der Plot auch einen anderen Dreh, wie sich aus den Aussagen Coenens und Renders schließen lässt.

„Wir gehen als Kinobetreiber den schwierigen Weg, indem wir ein Programmkino führen“, sagt Coenen. Sein Partner Render schlägt in eine ähnliche Kerbe und vermisst teilweise die nötige Anerkennung ihrer Arbeit: „Die jährliche Auszeichnung wird aus unserer Sicht in Aachen teilweise als selbstverständlich erachtet.“

Man könne in den vier Sälen auch die wöchentlichen Spitzenfilme der Kinothitliste spielen, sagen beide – das wäre der einfache Weg. Aber es ist nicht ihrer. Render nimmt daher auch „Flops“ gerne in Kauf, inhaltlich hochwertige Filme also, die aber nicht die Massen in die Kinosäle locken.

Klare Philosophie

„Arthouse-Filme sind eben anspruchsvoll. Wir wissen, dass dann mal nur wenige Besucher kommen“, sagt er und fügt als Begründung an, dass „früher mehr schwere Kost“ bevorzugt wurde und gerade Studenten heute „mehr Mainstream“ schauen – mitunter auch online über illegale Streamingportale.

Dennoch prahlt auf den Programmpostern weiterhin keine Hollywood-Fiktion, sondern die Kunst etlicher unabhängiger Regisseure und Produzenten. Diese Filme werden meist im Original mit deutschen Untertiteln gezeigt.

So läuft momentan eine spanische Filmreihe, nächste Woche ist es die französische Reihe „Cinéfête“, zum achten Mal. Laut Coenen liegen dafür bereits 1500 Schüleranmeldungen von Schulen aus der Städteregion, aber auch Heinsberg oder dem niederländischen Grenzgebiet vor.

Darüber hinaus ist „Kino im Dialog“ integraler Bestandteil der Philosophie der Betreiber. Hierfür bietet das Apollo-Kino im Anschluss an einen Film eine themenbezogen Gesprächsrunde mit Experten, darunter auch Professoren, zu dem gezeigten Film.

„60 bis 70 Prozent der Zuschauer bleiben in der Regel zu dem Dialog nach dem Film“, sagt Render. Das unterstreiche, dass das Angebot einer bis zu einstündigen Gesprächsrunde so auch wahrgenommen wird, und nicht ausschließlich der Film Anlass des Besuches ist. Apropos Besuch: Die Kinobetreiber sind immer bemüht, namhafte Regisseure und Schauspieler zu Filmpremieren einzuladen – Filmemacher Wim Wenders oder Hanna Schygulla waren bereits in der Pont­straße.

Neues Kassensystem

Solche Aktionen verhelfen dem Apollo – neben den Hauptkriterien anspruchsvolle Vielfalt, hoher Anteil deutscher Produktionen und „Güte der Filme“ – zu den jährlichen Ehrungen und Preisgeldern.

Die diesjährige Summe haben Hans-Peter Coenen und Walter Render in ein neues Kassensystem investiert: Ab nächster Woche können Besucher online feste Sitzplätze reservieren.

„Das ist ideal fürs Wochenende“, meint Coenen, der persönlich keinen bestimmten Lieblingsfilm nennen kann. Potenzial hätten vielleicht die Fortsetzungen von „Coenen & Render – mit Anspruch erfolgreich“.

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