Mit geballter Kraft gegen den Krebs

Von: Sarah Sillius
Letzte Aktualisierung:
ecca_bu
Das Euregionale Comprehensive Cancer Center Aachen (ECCA) am Uniklinikum ist eröffnet worden. Geleitet wird es von Professor Dr. Tim Brümmendorf, Direktor der Klinik für Onkologie und Hämatologie. Foto: Lachmann

Aachen. „Im Team gegen den Krebs”: Unter diesem Motto steht die Arbeit des Euregionalen Comprehensive Cancer Center Aachen, kurz ECCA, das 2009 gegründet und nun offiziell im Universitätsklinikum eröffnet wurde.

In drei Teilen galt es, dem Fachpublikum wie auch Patienten, Angehörigen und Interessierten die Strukturen, Personen und Ziele des ECCA, dem Zusammenschluss aller an Diagnose, Therapie und Forschung beteiligten Kliniken und Institute des Uniklinikums, offenzulegen. Moderiert wurde die Veranstaltung von Sabine Rother, Redakteurin unserer Zeitung.

Nach den Begrüßungsworten von Bürgermeister Björn Jansen stellte Professor Dr. Tim Brümmendorf, Leiter des ECCA und Direktor der Klinik für Onkologie und Hämatologie, als einer der Referenten die Idee des Zentrums vor. Wichtig ist ihm die „fachübergreifende Zusammenarbeit und die Qualitätssicherung in der Fläche”: „Wir wollen optimale Voraussetzungen zur Diagnose und Therapie von Krebserkrankungen schaffen und uns mit regionalen Praxen und Kliniken vernetzen.”

Nach dem Vorbild Hamburgs wolle man auch als akademisches Zentrum in Aachen nicht mehr wie „im Kokon” arbeiten, sondern sich verstärkt nach außen hin öffnen. „Das Bild von dem Arzt, der alles kann, ist überholt. Wir sind nur gemeinsam stark”, betonte Brümmendorf.

Einen hoffnungsvollen Eindruck von dieser geballten Team-Kompetenz vermittelte der zweite Teil des Tages, bei dem aktuelle Konzepte der interdisziplinären Onkologie präsentiert wurden und die Zuhörer Fragen stellen konnten. Dr. Jens Panse, Medizinischer Leiter des ECCA, stellte die Interdisziplinäre Tumorambulanz (ITA) vor. Dabei wies er auf die Bedeutung des Wortes „comprehensive” (umfassend) hin. Unter diesem Leitbegriff steht das Konzept des Zentrums, das verschiedene Organeinheiten zusammenbringt und durch intensivierte Forschung die Therapiemöglichkeiten für Krebspatienten verbessern will. Ebenso prägt der Begriff die Betreuung des einzelnen Krebspatienten.

In der ITA findet zunächst ein ausführliches Gespräch mit einem Facharzt statt, der eine Diagnose stellt.

Im nächsten Schritt wird über die Therapie des Patienten in einer Konferenz mit allen an der Behandlung beteiligten Experten beraten. Im Anschluss werden dem Patienten die präferierten Therapiemöglichkeiten mitgeteilt, er wird in die Entscheidung aktiv einbezogen. Unmittelbar vor Ort verfügbare psychoonkologische Betreuung, Ernährungsberatung, Zugang zum Informationsangebot der Selbsthilfegruppen, humangenetische Beratung für Angehörige und weitere Angebote wie Spezialsprechstunden für seltene Tumorerkrankungen, die Teilnahme an klinischen Studien oder eine palliativmedizinische Sprechstunde sind Teil des Konzepts.

Allen Vorträgen war eines gemein: das Ziel der Erhaltung von Lebensqualität. Professorin Dr. Christiane Kuhl, Direktorin der Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie erklärte, wie Metastasen schmerzfreier entfernt werden können. Hierbei betonte sie auch den Aspekt der Vernetzung: „Es ist ein Konzept, das zur Ergänzung der systemischen Therapie eingesetzt werden kann, das nicht alleinstehend wirkt.”

Wichtiger Baustein

Auch Dr. Andrea Petermann-Meyer von der Aachener Schwerpunktpraxis für Psychoonkologie stellte die Wichtigkeit der interdisziplinären Zusammenarbeit in ihrem Vortrag heraus: So ist die Psychoonkologie, ambulant und stationär, ein wichtiger Baustein der Krebsversorgung.

„Gibt es eigentlich Krebspersönlichkeiten?”, fragte sie das Publikum. Nein, weder psychische Faktoren noch Stress oder biografische Besonderheiten würden zu Krebs führen. Das sei durch viele Studien widerlegt worden. „Nach der Krebsdiagnose sind die Rahmenbedingungen des Alltags verrückt, nicht der Patient selbst”, räumte Petermann-Meyer mit einem weiteren Vorurteil auf.

Die Belastung des Patienten, seine Sorgen wolle die Psychoonkologie widerlegen, seine Ressourcen aktivieren und ihn sowie seine Angehörigen in einer schwierigen Lebenssituation unterstützen. Der Patient fühle sich „wie in einem fremden Land”, in dem er eine ganze Reihe Fremdenführer brauche: Ärzte, Sozialarbeiter, Psychoonkologen, Familie und Freunde, und viele mehr.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert