Aachen - Mit diesen Fans im Rücken ist alles möglich

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Mit diesen Fans im Rücken ist alles möglich

Von: Christopher Gerards
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Unterstützung gab´s von den Fans in der ausverkauften Halle an der Neuköllner Straße. Foto: Wolfgang Birkenstock

Aachen. Es lief der dritte Satz an diesem Abend, da erreichte den Teammanager Dirk Heinhuis eine Nachricht auf seinem Handy. Heinhuis lächelte müde und las laut vor: „Papa, holst du uns vom Bend ab?“

Zwischen Cola-Kästen, Luftpumpen und einem Feuerlöscher, in einem einsamen Kabuff namens Technikraum, verfolgte Heinhuis das Halbfinale der Play-Offs in der Volleyball-Bundesliga. Aus Aberglaube und Anspannung. Und weil auf dem Tisch vor ihm eine veritable Zahl an Bronze-Medaillen auf ihren Einsatz wartete, war das mit dem Abholen gerade ein bisschen ungünstig.

Tja, die Medaillen. Einen ganzen Abend blickte Heinhuis auf die metallische Drohung des vorzeitigen Ausscheidens, die „Ladies in Black“ wären ja im Falle einer Niederlage gegen den Dresdner SC mit Bronze ausgezeichnet worden. Dann entwickelten sich die Dinge anders, die "Ladies" siegten 3:2 und beeinflussten damit auch Dirk Heinhuis' Abendgestaltung.

Es gibt viele Möglichkeiten, die Geschichte dieses Samstagabends zu erzählen, Heinhuis und die Stille des Technikraums, das ist ein schöner Kontrast zum Rest, denn eigentlich war der Abend in dieser wummernden Halle an der Neuköllner Straße ein erneuter Beleg für die zunehmende Popularität des Volleyballs in Aachen: Alle Tickets waren schon mittwochs verkauft; zwei Stunden vor dem Spiel bildete sich am Eingang eine seriöse Menschenmenge; auf der Tribüne saß einige Lokalprominenz; und während des Spiels bekam man eine ziemlich genaue Vorstellung davon, warum die Ballkinder im sogenannten Hexenkessel Ohropax tragen.

Familie Klein war zum Beispiel aus Moers gekommen, seit rund einem Jahr sind die Anhänger des Moerser SC mit Aachens Fans befreundet. Philipp Klein sagte Vokabeln wie „einmalig“ und „fantastisch“, und seine Mutter Miriam Klein sagte: „Das hier ist der absolute Wahnsinn.“ Das Spiel hatte da noch gar nicht begonnen. Dann waren noch Fans aus Sonthofen gekommen und natürlich einige aus Dresden, zum Beispiel Bernd Ratajczak. Und auch Herr Ratajczak sagte, seine Anreise habe allein mit der Stimmung zu tun.

Wer das mit der Stimmung in Aachen verstehen möchte, sollte mal mit Olaf Lindner sprechen. Linder stand in einer Ecke vor der Tribüne, da steht er immer, denn Lindner gehört zu den sogenannten Lappenclowns, und jedes Heimspiel stehen die Neun verkleidet vor dieser Tribüne und brüllen und trommeln und feiern. Lindner und die Lappenclowns, das ist das Epizentrum des Lärms.

Der zweite Satz am Samstagabend war gerade vorbei, da wirkte Lindner schon etwas abgekämpft; sein Gesicht war rot, Schweißperlen liefen über seine Stirn, und Lindners Stimme klang heiser. Naja, sagte er zur Frage nach der Stimmung, die Jungs seien alle aufeinander abgestimmt. Zudem würden sie gut mit Hallensprecher André Schnitker und DJ Marco Sievert arbeiten, manchmal genüge da ein Blickkontakt.

„Wenn's etwas ruhiger wird, dann machen wir wieder Tempo“, was ja allein schon deshalb gelingt, weil die Gruppe sieben Trommeln besitzt und diese auch einzusetzen versteht. Gleichwohl sagte Lindner: „Die Initiative geht von uns aus. Aber wir sind nichts ohne das Publikum.“ So wie er es sieht, kann die Stimmung in der Halle das Spiel beeinflussen, zehn Prozent, vielleicht auch 20, weil sie ja den Gegner beeindrucken.

Es gehört nicht viel dazu zu behaupten, dass das am Samstag der Fall war, Lindner und die Lappenclowns brüllten Dinge wie „Super Aachen“ und „Steht auf, wenn ihr Aachener seid“, und ganz am Ende, da riss Lindner seinen Hut ab und hüpfte und lächelte.

Dirk Heinhuis lächelte ebenfalls, und zwar obschon er noch die Organisation hatte erledigen müssen. Denn nach dem Aachener Matchball hatte Heinhuis nach eigener Aussage zu tun: Die Bronze-Medaillen packte er wieder ein und übergab sie vor dem entscheidenden dritten Spiel am Mittwoch in Dresden der Geschäftsführerin der Gäste. Er orderte den Bus für Dienstag, Abfahrt zehn Uhr, und bestätigte die Buchung des Hotels. „Ich gehe davon aus, dass wir in Dresden keine Bronze-Medaille erhalten“, sagte Heinhuis noch.

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