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„Mit den Augen hören“: Ausstellung zwischen Musik und Malerei

Von: Ingrid Peinhardt-Franke
Letzte Aktualisierung:
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Sehenswert und sehr anrührend ist die Ausstellung in der Galerie „project claus“ von Nora und Jürgen Claus in der Kuckhoffstraße 39. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Das Grauen steht am Anfang. Gleich gegenüber der Eingangstür der Galerie „project claus“, unübersehbar für jeden Besucher, hängt die Arbeit des niederländischen Künstlers Emile Paes.

Er würdigt nicht nur die Musik des französischen Komponisten Olivier Messiaen, sondern auch das Leid und die besonderen Umstände, unter denen sein berühmtes „Quartett für das Ende der Zeit“ (Quatuor pour la fin du temps) entstand. Metallene Gitter stehen für die Gefangenschaft in Nazi-Deutschland, ein Schwarz-Weiß-Porträt, ein toter Vogel und ein verbrannter Bilderahmen verweisen auf Trauer und Untergang.

Messiaen war bereits ein anerkannter Komponist und Musiker der Moderne, als er als französischer Soldat im Zweiten Weltkrieg in deutsche Kriegsgefangenschaft geriet. Im Straflager Görlitz wurde ihm allerdings die Kompositions-Arbeit gestattet, die das weltberühmte „Quartett für das Ende der Zeit“ hervorbrachte.

Gemeinsam mit ebenfalls kriegsgefangenen Profi-Musikern gab Messiaen die Uraufführung seines Werks im Lager Görlitz im Januar 1941, 400 Gefangene waren seine Zuhörer bei Eiseskälte.

Die Besonderheit des Quartetts mit acht Sätzen liegt unter anderem in seiner Bezugnahme auf die Offenbarung des Heiligen Johannes und die Tierliebe des Heiligen Franziskus, der unter anderem mit Vögeln sprach. Die musikalische Umsetzung von Vogelstimmen ist ein wesentliches Charakteristikum der Arbeit Messiaens, aber auch seine Fähigkeit, Farben in Töne umzusetzen und Farben zu hören.

Hier liegt die Verbindung zur Ausstellung der Bilder von Markus Lüpertz und Jürgen Claus, die ebenfalls zu Musik malen. Während Lüpertz selbst Musiker ist und sich auf eigene Klänge und Rhythmen bezieht, arbeitet Jürgen Claus unter anderem zu Tschaikowski. Dessen „Pathetique“ widmete er ein großes vierteiliges Gemälde in überwiegend kräftigen Blautönen, die den strahlend weißen Raum der Galerie in eine andere Welt überführen.

Claus verweist auch auf submarine Lebensformen und das Wasser sowie die Meere an sich, mit denen er als einstiger Unterwasser-Künstler lange Jahre eng verbunden war.

Die Ausstellung „Mit den Augen hören“ kombiniert auf einzigartige Weise die Arbeit von drei Künstlern, die zwischen Musik und Malerei angesiedelt sind und ihre Disziplinen somit nahezu unendlich potenzieren können. Die Galerie „project claus“ findet man in der Kuckhoffstraße 39.

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