Aachen - Mit dem zweiten Staatsexamen zurück ins Klassenzimmer

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Mit dem zweiten Staatsexamen zurück ins Klassenzimmer

Von: Martina Feldhaus
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Doppelt ausgebildet: Grundschullehrerin Claudia Kieven hat in den letzten eineinhalb Jahren die Zusatzqualifikation zur Sonderpädagogin absolviert. Ihre Schule, die KGS Düppelstraße, profitiert davon. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Dass Claudia Kieven noch ein zweites Staatsexamen machen würde, das hätte die 29-Jährige vor rund zwei Jahren wohl nicht gedacht. Das erste war schließlich schon anstrengend genug, ganz zu schweigen vom anschließenden Referendariat.

Kieven ist Grundschullehrerin. Seit zwei Jahren arbeitet sie an der KGS Düppelstraße im Aachener Ostviertel. Die Voraussetzung für die feste Stelle damals: Kieven sollte eine Fortbildung machen, um künftig auch solche Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf fachgerecht unterrichten zu können.

Das Thema Inklusion hielt schon zu dieser Zeit Einzug in die Schulen und Grundschulen, heute ist es aktueller den je. Seit diesem Schuljahr gilt der Rechtsanspruch auf gemeinsames Lernen. Das heißt: Kinder mit Behinderung steht ein Platz in einer Regelschule zu, wenn ihre Eltern das wollen.

Darauf ist die KGS Düppelstraße nun gut vorbereitet – mit einer originären Sonderpädagogin... und mit Claudia Kieven. Sie hat in den vergangenen eineinhalb Jahren die Zusatzqualifikation zur Sonderpädagogin mit Förderschwerpunkt Lernen absolviert – und startet in diesem Schuljahr erstmals in dieser neuen Profession an ihrer alten Schule. „Ich gehöre zum ersten Durchlauf, mit mir haben noch 14 andere aus Aachen in Köln diese Qualifizierung gemacht“, erzählt sie.

Neben dem Fulltime-Job

Bei der halbjährigen Weiterbildung – die noch zum Stellenantritt von ihr verlangt wurde – ist es also nicht geblieben. Stattdessen hat Kieven ein zweites Mal studiert, und zwar mit allem drum und dran, mit Seminartagen, Unterrichtsstunden und natürlich Prüfungen. Und das alles hat die 29-Jährige neben ihrem Fulltime-Job in der Düppelstraße erledigt. Als Mentorin stand ihr ihre Kollegin, die studierte Sonderpädagogin, zur Seite, um die Praxisteile in der Schule zu begleiten.

Vollzeit-Grundschullehrerin und nebenbei ein zweites Staatsexamen machen: Das klingt ziemlich anstrengend. „Ja, es war viel Arbeit“, sagt Kieven und lacht. Warum hat sie sich es dann angetan? Die Gründe sind für die junge Lehrerin vielfältig. Erstens, ganz pragmatisch: Sie verdient jetzt, als fest angestellte Lehrerin und Sonderpädagogin, mehr Geld.

Zweitens, viel wichtiger, Kieven bewegt das Thema Inklusion seit jeher. Nach ihrem Referendariat war sie zunächst ein Jahr lang in einer Grundschule in Breinig angestellt, „eine Schule mit eher priviligierten Kindern“. Danach entschied sie sich bewusst für die Düppelstraße. Kieven: „Hier ist der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund sehr hoch. Der soziale Hintergrund ist ein anderer. Da brauchen viele eine Schüler eine besondere Förderung.“

Und die will die 29-Jährige ihren Schützlingen nun geben. Dazu hat sie sich viel neues Know-how angeeignet – Diagnostik, Förderung und Beratung. Ein großer Teil ihrer Arbeit besteht unter anderem darin, Kontakte zu außerschulischen Einrichtungen zu knüpfen. Etwa zu Ergotherapeuten, Logopäden oder auch zu Familientherapeuten und der Jugendhilfe. Multiprofessionelle Teams aufbauen, nennt Kieven das. Denn immer wieder brauchen Kinder und ihre Familien Unterstützung auch außerhalb des Schulalltags.

Aber selbstverständlich unterrichtet Claudia Kieven nach wie vor. Mit ihrer sonderpädagogischen Kollegin hat sie sich die Klassen der KGS aufgeteilt. Entweder lehrt sie im Doppelpack, im sogenannten „Teamteaching“, mit einer Regelschullehrerin – das ist der Idealfall, weil sie sich so besser auf einzelne Schüler konzentrieren kann. Es gibt aber auch Gruppen- und Einzelförderung in einem eigens für Kieven eingerichteten Raum.

15 Kinder mit Förderbedarf

Derzeit haben 15 der 210 Schüler an der KGS Düppelstraße einen festgestellten Förderbedarf. In Zukunft werden diese Kinder nicht mehr klar von anderen zu trennen sein. Denn das neue Inklusionsgesetz besagt, dass kein Antrag mehr auf Feststellung eines Förderbedarfs gestellt werden muss. Alle Kinder werden individuell nach ihren Bedürfnissen geschult. Entsprechende Förderpläne werden im Vorfeld geschrieben und am Anfang jeder Woche ausgerichtet.

Claudia Kieven ist überzeugt davon, dass ihr „doppelter“ Blick auf die Kinder, als Lehrerin und Sonderpädagogin, eine Bereicherung für die Schule ist. Für die berufliche Zukunft fühlt sie sich gut aufgestellt.

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