Mit dem Handy Parkticket ziehen

Von: Heiner Hautermans
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Strahlen über die schöne neue elektronische Welt: Sunhill-Projektmangerin Claudia Pintus löste ein Ticket, Beigeordneter Dr. Lothar Barth (r.) nicht, Abteilungsleiter Uwe Müller assistierte. Personalisierte Daten werden nicht erhoben. Foto: Heike Lachmann

Aachen. „Wer es einmal gemacht hat, wird nicht mehr zum Geldbeutel greifen“, sagte Dezernent Dr. Lothar Barth zuversichtlich, wollte die neue Möglichkeit gleich demonstrieren und ein Parkticket per Mobiltelefon ordern. Es klappte nicht – der berühmte Vorführeffekt.

Offenbar ist sein Blackberry nicht kompatibel mit der Seite der Firma Sunhill Technologies, die den neuen und aus anderen Städten bekannten Service in Aachen anbietet. Projektmanagerin Claudia Pintus löste das Problem und zog 40 Minuten Stellgebühr für ein Journalistenauto.

Und das geht so: Der Fahrzeugbesitzer wählt auf seinem Handy die auf jedem Parkautomaten aufgeklebte Nummer 33 77 01, gibt sein Kennzeichen, einen Punkt und die gewünschte Parkdauer (in der Innenstadt maximal zwei Stunden am Stück) ein. Wenige Sekunden später erscheint eine Bestätigung auf dem Mobiltelefon: „Die Parkgebühr von ... Euro für das Kfz-Kennzeichen ... in Aachen ist bezahlt. Sie erhalten eine Erinnerung, bevor die Zeit abläuft.“

Der Betrag taucht dann auf der nächsten Handy-Abrechnung auf oder wird vom Prepaid-Guthaben automatisch abgebucht. So ist es jetzt möglich, sich in der BewohnerParkzone G/L innerhalb des Grabenrings einen Parkschein per SMS zuschicken zu lassen. Besitzer eines Smartphones können sich auch eine App „sms&park 2.0“ kostenlos in den jeweiligen Stores (iOS und Android) herunterladen. Nach sechs Monaten werden die Daten gelöscht, bis dahin kann auch eine Quittung heruntergeladen werden. Damit hat die Verwaltung einen Beschluss des Mobilitätsausschusses nach intensiver Prüfung umgesetzt und startet die einjährige Pilotphase, die zunächst nur für den inneren Grabenring gilt (Bewohnerparkzone G/L). Das bedeutet: Ein Umsetzen des Fahrzeuges in eine andere Parkzone ist zwar möglich, die gelöste Parkzeit gilt vorläufig aber dort nicht – eventuell nach Ablauf der Testphase im Sommer 2014.

Zehn Minuten vor Ablauf der Zeit erscheint eine Erinnerungs-SMS: „Um ... Uhr läuft ihre Parkzeit für das Kfz-Kennzeichen... ab. Verlängerung innerhalb der Höchstparkdauer wie Ticketbestellung möglich.“ Sofern man also insgesamt weniger als zwei Stunden geparkt hat, lässt sich das Ticket bequem aus einem Café, einem Büro oder einer Umkleidekabine heraus verlängern. Und wie stellen die städtischen Ordnungskräfte fest, dass der fahrbare Untersatz ordnungsgemäß abgestellt ist, schließlich liegt kein Ticket unter der Windschutzscheibe?

Ganz einfach: Die Daten werden an einen Server des Dienstleisters übermittelt, auf den die mit Smartphones ausgestatteten Kontrolleure Zugriff haben. Bei jedem geparkten Wagen in der Zone G/L schauen sie deshalb nach, ob ein elektronisches Ticket gezogen wurde.

Für ausländische Gäste

Ein wichtiges Kriterium für die Auswahl des Anbieters in der Grenzstadt Aachen war, dass auch ausländische Gäste daran teilnehmen können. Sie müssen jedoch zwei Bedingungen erfüllen. Belgier oder Niederländer mit einer ausländischen SIM-Karte müssen sich unter www.sh-t.de/registrierung anmelden und über ein deutsches Bankkonto verfügen. Im Laufe des Jahres soll aber auch die Bezahlung über das Registrierungsportal der Firma Sunhill per Kreditkarte möglich sein, so können alle ausländischen Besucher das Angebot nutzen – ein deutsches Bankkonto als Voraussetzung entfällt dann.

Einen Wermutstropfen in der schönen neuen digitalen Welt gibt es. Uwe Müller, städtischer Abteilungsleiter Verkehrsmanagement: „Für den Kunden entstehen Zusatzkosten.“ Komfort hat eben seinen Preis. Schließlich müssen zwei SMS nach den Tarifen des Mobilfunkanbieters bezahlt werden, außerdem erhält die Sunhill genau 13,5 Prozent der Parkgebühr für das Angebot. Das sind für 20 Minuten Kurzparken (Kosten insgesamt 46 Cent) vergleichsweise schlanke 16 Cent, für zwei Stunden (insgesamt 3,53 Euro) jedoch schon 53 Cent zusätzlich. Beim Standard-Parkvorgang von einer Stunde werden insgesamt 1,37 Euro fällig, 27 Cent mehr als beim analogen Einwerfen in den Parkautomaten.

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