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Mit dem Hammer zurück ins Mittelalter

Von: Werner Breuer
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Der Dom mit unverputzten Wänden: Wolfgang Rombey (links) und Thomas Müller vor den Fotos im Haus Löwenstein. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Ganz schön frech, unsere Altvorderen. Vor rund 100 Jahren legten sie Hand an den altehrwürdigen Aachener Dom. Der Putz im Innenraum der Marienkirche wurde abgeschlagen. Davon zeugen Fotos, die jetzt im Haus Löwenstein am Markt zu besichtigen sind.

Den ruppigen Umgang mit des großen Karls großer Kirche kann Thomas Müller erklären. „Der Dom war damals eine Barock-Kirche”, sagt Müller, der sich beim städtischen Kulturbetrieb um die Route Charlemagne kümmert. Aber gegen Ende des 19. Jahrhunderts empfand man die ganze Pracht als etwas zu üppig und hämmerte sich zurück zu einem eher mittelalterlichen Ambiente.

Ob das nun „authentischer” war, mag sich nicht nur Wolfgang Rombey fragen. Auf jeden Fall erscheint der Dom „in einem anderen Gewand, als wir es gewohnt sind”, befindet der Stadtdirektor angesichts der Fotos aus dem Fundus des Domkapitels.

Die digital überarbeiteten alten Aufnahmen aus den Jahren zwischen 1879 und 1912 gehören zur Ausstellungsreihe „Zeitsprünge” im Haus Löwenstein. Das hat inzwischen die Nachfolge der einstigen Info-Box vor dem Theater angetreten. Der provisorische Bau auf dem Vorplatz diente lange Zeit als Schaufenster oder Menü-Karte für die Route Charlemagne. Was die alles bieten soll, können Besucher nun im Erdgeschoss von Haus Löwenstein erfahren.

Die Infostelle solle sie auf die Route einstimmen, sagt Rombey. Deren Stationen, die im Euregionale-Jahr 2008 größtenteils noch Ideen waren, nehmen inzwischen mehr und mehr Gestalt an. Das Rathaus sei schon umgebaut, erklärt der Stadtdirektor, im Internationalen Zeitungsmuseum an der Pontstraße werde kräftig gewerkelt, und das Verwaltungsgebäude am Katschhof beginne nun die Umwandlung zum Centre Charlemagne. „Die Route soll bis zum Karlsjahr 2014 mit allen Stationen fertig sein”, so Rombey.

Bis zum 1200. Todestag von Karl dem Großen gibt es jedenfalls die Appetithäppchen im Haus Löwenstein. Mehrere Wechselausstellungen sind geplant, wobei Thomas Müller die Reihe „Zeitsprünge” als ein „flexibles Format” versteht. So ist derzeit in einer Vitrine ein Stück Mosaikboden aus der Zeit um 800 zu bestaunen. Müller kann sich vorstellen, auch andere archäologische Funde im Haus Löwenstein auszustellen.

Die Stadtführer kämen mit ihren Gruppen jedenfalls gerne dorthin, berichtet Wolfgang Rombey. „Hier wird viel von Geschichte erzählt.” Das Modell der alten Kaiserpfalz lässt sich da gut für Erklärungen nutzen, auch wenn es eher dem Forschungsstand der 1960er Jahre entspricht. Heute wisse man mehr, berichtet Thomas Müller, aber das „greifbare Modell” mache eben so schön deutlich, welches „sakrale Zentrum” Karl der Große nördlich der Alpen in einer damals rekordverdächtigen Bauzeit errichten wollte.

Wesentlich moderner als das gute alte Stück ist die neue Homepage der Route Charlemagne. Die Agentur „Wesentlich” hat gemeinsam mit dem Lehrstuhl für Informatik 8 der RWTH Aachen unter anderem einen virtuellen Rundgang entwickelt. So kann man etwa per Mausklick vom Dom zum Rathaus „fliegen”. Jutta Bacher vom städtischen Presseamt lobt den Internet-Auftritt als „gute Mischung aus Unterhaltung und Sachinformation mit hohem Spaßfaktor”.

So hatten Saskia Petermann und Andreas Gartz von der Agentur „Wesentlich” sich das auch vorgestellt. Die Route Charlemagne sei ja eine „komplexe Angelegenheit”, so Gartz, die müsse man nicht auch noch „steif und trocken zeigen”.
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