Mit 93 Jahren der älteste Jeck im Rosenmontagszug

Von: Margot Gasper
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Waffeln und Nougatblöcke: Im Flur stapelt sich das Wurfmaterial. Am Rosenmontag wird Joseph Müller die Süßigkeiten großzügig aus dem Prunkwagen schleudern. Foto: Ralf Roeger
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Reich dekoriert: Hinter Glas hängt eine kleine Auswahl all der Orden, die Joseph Müller im Laufe seines langen Lebens schon erhalten hat. Foto: Ralf Roeger
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Das war 1951: Joseph Müller steuert sein Motorrad durch den Rosenmontagszug. Im Beiwagen ruft sein Bruder Alaaf. Repro: Ralf Roeger

Aachen. Rosenmontag, 11.11 Uhr. Auf dem Adalbertsteinwege setzt sich der „Zoch“ in Bewegung. Diesem Moment haben viele entgegengefiebert. Für Joseph Müller beginnt dann der Höhepunkt des ganzen Jahres. Hoch oben auf dem Prunkwagen der Löstigen Elsässer rollt er durch die Stadt.

Der Mann ist 93 Jahre alt. Er ist das älteste Mitglied seiner Traditions-KG, Ehrensenator der Elsässer. Und mit ziemlicher Sicherheit ist Joseph Müller auch der älteste aktive Teilnehmer im Rosenmontagszug. Der Tag ist ihm wichtiger als Weihnachten. „Der Karneval ist mein Leben“, sagt er aus tiefster Überzeugung. Tatsächlich ist ihm der Karnevalsbazillus quasi in die Wiege gelegt worden. Denn ausgerechnet am „Weiberdonnerstag im Jahr 1921“, so sagt Joseph Müller, kam er in Aachen zur Welt.

Er hat es bestimmt nicht immer leicht gehabt im Leben. Als Kind erkrankte er an Kinderlähmung, lag jahrelang immer wieder im Spital. Ausgebremst hat ihn das nicht. Viele Jahre hat Müller sogar unter Tage im Bergbau gearbeitet.

Im Rosenmontagszug ist er seit Jahrzehnten immer dabei. Anfang der 1950er Jahre steuerte er ein Motorrad durchs närrische Treiben, und im Beiwagen fuhr – ebenso knatschjeck – sein Bruder mit. Der KG Löstige Elsässer hält Joseph Müller seit mehr als 40 Jahren die Treue. Und es ist für ihn eine Selbstverständlichkeit, im Rosenmontagszug mit dabei zu sein.

Vor zwei Jahren – da war er immerhin auch schon 91 – hat sich Joseph Müller erstmals überreden lassen, seinen Platz hoch oben auf dem Turm des Prunkwagens wenigstens mit einem Stuhl auszurüsten, damit er sich zwischendurch mal setzen kann. „Aber die meiste Zeit steht er sowieso da oben“, lacht Enkel Wolfgang Fromm.

Im Flur bei Müller daheim stapeln sich die Kartons: kiloweise Wurfmaterial, 41 Kartons mit Waffeln und etliche Kisten mit den Aachen-typischen Nougatblöcken. Die klassischen Kamelle wirft der Senior schon lange nicht mehr unters Volk. „Da bückt sich keiner mehr nach“, sagt er.

Wenn der Rosenmontagszug sich um 11.11 Uhr in Bewegung setzt, dann ist Joseph Müller mit all seinem Wurfmaterial schon seit drei Stunden auf dem Prunkwagen. Schließlich folgt der höchste rheinische Feiertag auch in Aachen einem strengen Reglement.

Mehr als vier Stunden ist der Ehrensenator der Elsässer dann im Rosenmontagszug unterwegs. Die Zeit vergeht ihm aber wie im Flug. Denn er hat ja reichlich zu tun da oben. „Als ich zum ersten Mal auf dem Wagen dabei war“, erinnert sich Müller, „da hatte ich schon an der Ecke Theaterstraße und Wilhelmstraße nichts mehr zu werfen.“ Das passiert ihm seitdem nicht mehr. „Ich teil‘ mir die Sachen gut ein.“

Wenn sich der Rosenmontagszug irgendwann nach 16 Uhr am Templergraben auflöst, dann ist der 93-Jährige gut acht Stunden auf den Beinen. Da ist er doch sicher froh, endlich ausruhen zu dürfen, oder? „Nach dem Zug gehen wir noch feiern“, sagt Joseph Müller und lacht übers ganze Gesicht. Er freut sich. Bald ist wieder Rosenmontag. Endlich!

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