„Mister Berlin” wird heute 85

Von: Werner Czempas
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Einmal Berliner, immer Berliner: Heico Last, Wahl-Aachener seit 1949 und jahrzehntelang Vorsitzender des Bundes der Berliner, wird heute 85 Jahre alt. Foto: Martin Ratajczak

Aachen. „Heico Last - für mich der Inbegriff Berlins in diesem gallischen Land”, diese Widmung schrieb der verstorbene Aachener Künstler Peter Hodiamont dem Freund einst auf ein Selbstporträt. Das Wort trifft wie kein anderes. Der Inbegriff Berlins, der Wahl-Aachener Heinrich-Constantin Last, wird heute 85 Jahre alt.

Auch die deutsche Hauptstadt vergisst ihren Sohn nicht. Für den „lieben Mister Berlin” traf am Montag ein überaus herzlicher Geburtstagsglückwunsch des Regierenden Bürgermeisters in Aachen ein. „Glauben Sie nicht, Ihr 85. Geburtstag sei in Berlin vergessen. Sie verkörpern wie kein anderer den wahren Kern des Sprichwortes: Einmal Berliner, immer Berliner”, gratuliert Klaus Wowereit.

Der gebürtige Neuköllner Heico Last kam 1949 direkt aus russischer Gefangenschaft nach Aachen, wohin es seine Mutter verschlagen hatte - und wurde heimisch. Fortan widmete er sich in den Zeiten des Kalten Krieges seiner geteilten Vaterstadt. Er wurde einer ihrer exzellentesten Botschafter fast in der ganzen Welt. Nahezu 50 Jahre lang als Vorsitzender des Bundes der Berliner und Freunde Berlins in Aachen, jahrzehntelang an der Spitze des NRW-Landesverbandes und zwölf Jahre lang als Präsident auf Bundesebene warb er im In- und Ausland, Berlin und die deutsche Einheit nicht zu vergessen. Er warb mit nimmermüder Leidenschaft. In 152 deutschen und 19 ausländischen Ortsverbänden bis hin nach Kanada und in die USA führte er seine Berliner an.

So wie an der Autobahnauffahrt am Europaplatz ließ Last in vielen deutschen Städten „Berliner Meilensteine” mit der jeweiligen Entfernung zur Hauptstadt aufsetzen. Wowereit: „Sie haben im wörtlichen und übertragenen Sinne Meilensteine für unsere Stadt gesetzt. Das war wichtig in den Zeiten der Teilung von Land und Stadt, das war bedeutsam, als nach der friedlichen Revolution zusammenwuchs, was zusammengehört. Sie haben für Berlin über Jahrzehnte viele Freunde gewonnen.”

„Löcher ohne L”

Auch er selbst hat viele Freunde gewonnen, in aller Welt und vor allem auch in Aachen. Ihm, der mit viel Herz, Berliner Schnauze und humorvollen Schnurren so weltläufig herrlich zu plaudern versteht, ist dabei klar, dass er das Öcher Platt nie und nimmer beherrschen wird. „Ich versteh´ et wohl, aber...” - nur das „Öcher” bringt er leidlich über die Lippen, „dat jeht wie Löcher ohne L”, hat er fleißig geübt. Der Jubilar hält Trost parat: „Dafür habe ich der Stadt zwei Geschenke gemacht - zwei wunderbare Töchter, und die sind echte Öcher Mädchen.”

Seit 2006 lebt Heico Last in einer Penthouse-Wohnung im Seniorenstift Haus Aurelius. Ein Jahr nach dem Umzug aus dem Richtericher Eigenheim starb seine Ehefrau Else. „Allet im Jriff”, sagt Last, wenn er mit einem Besucher den grandiosen Panoramablick über die Dächer Aachens vom Dom bis hinter den Lousberg genießt.

Auch im neuen Umfeld lässt Mister Berlin das Berlinern nicht. In regelmäßigen Abständen bittet er zu Berliner Abenden mit seinem Freund Rolf Raatz, dem kabarettistischen Botschafter Alt-Berlins, ins Seniorenstift in der Aureliusstraße 35. Anlässlich des 85. Geburtstages heißt es auch am morgigen Mittwoch wieder ab 19 Uhr mit Rolf Raatz: „Berliner Luft an Wurm und Pau”. Gäste willkommen! Zuvor bittet der Jubilar an gleicher Stelle ab 17 Uhr eine große Gratulantenschar zum Empfang.

„Det is janz schön”, freut sich Heico Last, die „85” gesund und munter erreicht zu haben. Und dann erzählt er noch eine seiner schönen Geschichten: „An meinem Geburtstag waren in Berlin die Straßen immer festlich geflaggt. Ich dachte, das sei für mich. Bis mich mein Vater aufklärte, dass der Gründungstag des Kaiserreichs gefeiert werde. Det war meine erste bittere Erkenntnis.”
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