Missbrauch an Enkelin: Viereinhalb Jahre Haft

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
Richter Urteil
Symboldbild: dpa

Aachen. Jahrelang missbrauchte der Großvater sie – dann erstach eine junge Frau aus Aachen ihren Peiniger im Affekt. Dafür verurteilte das Landgericht Aachen die 28-jährige Angeklagte am Donnerstag zu viereinhalb Jahren Haft.

Ein unglaubliches Martyrium habe die Angeklagte hinter sich, begründete der Vorsitzende Richter Gerd Nohl in der Urteilsverkündung das vergleichsweise gering anmutende Strafmaß für den „minderschweren“ Totschlag. Bei einer versuchten Aussprache hatte sie dem 81-Jährigen mehrfach mit großer Wucht ein Küchenmesser in den Hals gestoßen. Laut Sachverständigengutachten war die Frau bei der Tat nur vermindert schuldfähig.

Der Vorsitzende beschrieb, wie es zu der Tat in einem gutbürgerlichen Aachener Stadtviertel gekommen war. Der Großvater wie auch der Vater hätten das Kind seit dem Kindergartenalter über Jahre hinweg missbraucht. Es sei in einem Ausmaß „sadistisch und grausam“ zugegangen, dass selbst die Kammer, die üblicherweise mit schlimm­sten Gewaltverbrechen zu tun hat, erschüttert gewesen sei. „Das war schwer zu ertragen“, bekannte Richter Nohl, als er die Details aus der nichtöffentlichen Beweisaufnahme zusammenfasste.

Am Tag vor ihrer Einweisung in eine Klinik sei die psychisch labile und therapiebedürftige junge Frau am 17. Juli morgens zu ihrem Großvater gegangen, um ihn wegen seiner Taten zur Rede zu stellen und ihm „vor Augen zu halten“, was er getan habe.

Als der alte Mann seine Schuld für sie auf erschütternde und demütigende Weise herunterspielte, sie „seinen Schatz“ nannte und am Arm berührte, habe sie in einer hoch affektbeladenen Kurzschlusshandlung und in äußerster Wut zunächst mit einer kleinen Holzfigur etwa 20-mal auf den Kopf des Großvaters eingeschlagen.

Als der Mann zu Boden sank, griff sie zu einem Küchenmesser und stieß es dem Alten so heftig in die Brust, dass der Griff abbrach und die Klinge im Körper stecken blieb. Dann floh sie, steckte sich noch die Geldbörse ein. Als sie nach zwei Wochen festgenommen wurde, habe sie die Tat vorbehaltlos gestanden.

Der Prozess wurde wegen der vielen zur Sprache gekommenen intimen Details aus dem Leben der Angeklagten unter Ausschluss der Öffentlichkeit verhandelt.

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