Aachen - Milliarden aus Berlin: Zugreifen oder sausen lassen?

Milliarden aus Berlin: Zugreifen oder sausen lassen?

Von: Alfred Stoffels
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Auf ein gutes 2009: OB Jürgen Linden (3. v. r.) empfing die Vertreter des Handwerks im Rathaus, von links Hans Hansen, Sebastian Pohl, Hans Winnen, Ludwig Voß und Herbert May. Foto: Harald Krömer

Aachen. Wird die Stadt Aachen im neuen Jahr 2009 zu Tode gefördert? Kurios die Frage, aber kurios sind offensichtlich auch die Zeiten: OB Jürgen Linden sieht sich jedenfalls gezwungen, das Problem ganz ernsthaft zu wälzen.

Denn an den allfälligen Schutzschirmen, die von Bund und Ländern in Milliardenhöhe aufgespannt werden, müsste sich die Stadt Aachen mit einer satten Eigenleistung von 20 Prozent beteiligen.

Macht es da Sinn, auf mögliche 100 Extramillionen zu hoffen, wenn man 20 Millionen selbst löhnen muss? Die man effektiv nicht hat? Linden am Montagmorgen im Rathaus: „Sie sehen einen ziemlich ratlosen Oberbürgermeister vor sich.”

Beim traditionellen Neujahrsfrühstück für das örtliche Handwerk und seine engeren Mitarbeiter lenkte der OB ohne große Umwege die allgemeine Aufmerksamkeit aufs - große - Geld. Kein Wunder, denn eine Finanzkrise unfassbaren Ausmaßes beutelt nach Expertenmeinung den Globus. Deshalb versteht sich von selbst, dass vom Stadtoberhaupt im Rahmen seiner Jahreseröffnungsansprache ein Fingerzeig erwartet wird, wo es denn 2009 langgehen könnte. Antwort: „Ich bin kein Hellseher, keiner steckt drin in den Dingen.”

Linden gab unumwunden zu, keinen Durchblick zu haben bei den gigantischen Summen, die von den Staaten dieser Welt als Rettungsanker geworfen würden. Alle Schutzschirme zusammen beliefen sich mittlerweile auf fast 300 Billionen Euro, „da kann man die Nullen kaum noch zählen. Und ich frage mich: Ist das richtiges Geld, um das es da geht, oder ist das alles virtuell?”

Ein Konjunkturprogramm, um die 50 Milliarden Euro schwer, will auch die Bundesregierung auflegen; zur Vorbereitung auf den etwaigen Geldsegen hat die Stadt Aachen am Montag eine spezielle Arbeitsgruppe installiert. Wenn auf die Stadt Aachen 100 Millionen Euro zukämen („was schön wäre”), dann hat sie laut OB selbst ein Fünftel des Betrags als Eigenleistung zu stemmen.

Linden: „Das steht nicht im Haushalt. Machen wir also neue Schulden? Was sagt der RP dazu? Andererseits: Sollen wir das ganze Geld an uns vorbeiziehen lassen?” Es wird also spannend in den kommenden Monaten.

Präpariert sein will man unbedingt, sollte es tatsächlich zum geplanten Finanzfluss kommen. Heute wird sich der Verwaltungsvorstand mit dem Thema beschäftigen in der erklärten Absicht, für den Fall der Fälle schnell ein Investitionspaket vorweisen zu können.

Lindens Forderung an die politischen Schwergewichte in Berlin: „Man soll uns aber klaren Wein einschenken”, denn für einen normalen Sterblichen seien die Zusammenhänge und Hintergründe des weltweiten Finanznetzes nicht mehr zu kapieren.

Auch Kreishandwerksmeister Hans Winnen hielt sich bedeckt, was Prognosen und Prophezeiungen in Richtung 2009 anging (manche Ökonomen erwarten einen Wachstumsschwund von bis zu vier Prozent). Hoffnungsfroh stimme immerhin das Verhalten der Verbraucher vor den Festtagen - bleibe die „Grundstimmung” so positiv, dann gehe es auch wieder aufwärts.

Überhaupt sei das Jahr 2008 ein eher gutes gewesen, allerdings mit einigen Schönheitsfehlern behaftet. So habe man erneut feststellen müssen, dass „größere Bauprojekte leider nicht zwingend Arbeitsplätze für hiesige Handwerksunternehmen schaffen”.

Oft stamme die Konkurrenz aus Niedriglohnländern, auch werde im Bauhauptgewerbe der Mindestlohn immer wieder umgangen. Und die leidige Schwarzarbeit blühe nach wie vor. Geschätzter Umsatz: eine Milliarde Euro pro Tag.

Vom Aachener Handwerk gab es am Ende viel Lob und Dank für den im Oktober scheidenden OB. Jürgen Linden gab fürs Jahr 2009 erstmal folgende Direktiven aus: „Zuerst Schnee schippen, im Sommer aufsteigen”. Damit war die Alemannia gemeint.
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