Migranten: Wenn im Alter das Deutsche verlorengeht

Von: Eva Onkels
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Interkulturelle Woche mit vielen Themen und Gesprächspartnern: von links Martina Decker, Sabine Posselt-Swoboda, Ralf Bruders, Prof. Barbara Krause, Fattaneh Afkhami und Bernhard Döveling. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Irgendwann muss sich jeder mit der Frage auseinandersetzten, was passiert, wenn er alt ist. Wie möchte ich gepflegt werden? Wie möchte ich leben? Wer soll mich pflegen? Krankheit, Demenz, der Umgang mit dem Tod beschäftigt auch Migranten in zunehmendem Maße. Die Menschen, die in den 60er-Jahren als „Gastarbeiter“ oder „Arbeitsmigranten“ nach Deutschland kamen, sind geblieben. Leben schon seit Jahrzehnten mit ihren Familien, Kindern und Enkelkindern in Deutschland und werden hier alt werden.

Der Arbeitskreis Migration, ein Zusammenschluss des Caritas-Verbands der Städteregion, des DRK Kreisverbandes Städteregion, der Diakonie und des Paritätischen Städeregion Aachen, beschäftigt sich in seiner Interkulturellen Woche in diesem Jahr, noch bis Samstag, 28. September, insbesondere mit dem Thema „Älter werden“.

Viele Migranten wissen auch heute noch nicht, an wen sie sich wenden können, wenn sie alt sind, sagt Ralf Bruders vom Caritas-Verband. Sie gehen weiter zu den Betreuungsstellen gehen, die sie von Anfang an besucht haben, nehmen aber, häufig aus Unwissenheit, keine Kontakt zu den Regeldiensten auf.

Kultursensibel begleiten

Martina Decker vom Arbeitskreis „Kultursensible Begleitung“ des palliativen Netzwerks betont, wie wichtig die interkulturelle Begleitung von Menschen im hohen Alter ist, insbesondere auch im Hospizdienst. Bisher nähmen leider nur wenige Migranten die Angebote an. Damit eine bessere Vernetzung der einzelnen Anlaufstellen erfolgen kann und den Menschen schnell und kompetent weitergeholfen werden kann, hat sich der Arbeitskreis gegründet.

So erzählt Decker, dass sie eine immer länger werdende Liste mit ehrenamtlichen Helfern für den Hospizdienst hat, die Sprachen der MIgranten sprechen. Besonders wichtig ist dies auch für Demenzkranke, betont Silvia Posselt-Swoboda vom DRK-Betreuungsdienst „Mit Demenz leben.“

Es gibt immer wieder Fälle, in denen Menschen, die vorher perfekt Deutsch sprachen, mit dem Beginn der Demenz plötzlich das Deutsche verlernen. Für diese Menschen sind häufig Kindheitserinnerungen, Geschichten, Lieder die letzten Erinnerungen. Sie brauchen Begleiter mit entsprechendem kulturellen Hintergrund, die mit ihnen gemeinsam alte Lieder singen oder alte Rezepte nachkochen.

Individuell pflegen

In der Pflege und im Umgang mit den Patienten muss heute viel stärker die Individualität berücksichtigt werden. Prof. Barbara Krause von der Katholischen Hochschule weist darauf hin, dass die Ansprüche der Patienten an den Pflegenden individuell sind. Ob zum Beispiel ein männlicher Pfleger erwünscht sei oder nicht, müsse man – wie auch mit jedem anderen Patienten – vor Ort und individuell besprechen.

„Kultursensible Altenpflege heißt nicht zu stigmatisieren, sondern genau hinzuschauen“, hält Fattaneh Afkhami vom Kommunalen Integrationszentrum der Städteregion fest. Diese Individualisierung der Pflege komme zudem allen zugute, denn sie bedeutet auch Professionalisierung, Respekt und Toleranz für den Pflegenden.

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