Aachen - Mies van der Rohe: Aachens großer Sohn wird gefeiert

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Mies van der Rohe: Aachens großer Sohn wird gefeiert

Von: Alfred Stoffels
Letzte Aktualisierung:
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Im nächsten Jahr würde Ludwig Mies van der Rohe 125 Jahre alt, die frisch gegründete Mies Initiative Aachen (MIA) steckt mitten in den Jubiläumsvorbereitungen. Hilde Schillings hat mit dem weltberühmten Architekten noch Fußball gespielt; links Ottmar Braun, rechts Hermann-Victor Johnen. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Außer ihr gibt es wahrscheinlich kaum noch einen Zeitgenossen, der von sich behaupten kann, mit Ludwig Mies van der Rohe Fußball gespielt zu haben. Hilde Schillings aus Aachen, der ihre 90 Jahre nicht anzumerken sind, hatte als junges Mädchen das Vergnügen.

Gerne erinnert sie sich an die Treffen mit dem später weltberühmten Architekten, der am 27. März 1886 in der Steinkaulstraße geboren wurde. Die Vorbereitungen zur Feier des 125. Geburtstags haben derweil begonnen.

Die Mies Initiative Aachen (MIA), ein Zusammenschluss engagierter Bürger und Bewunderer des großen Baumeisters, hat jetzt den Anfang gemacht und ihre ehrgeizigen Jubiläumspläne vorgestellt. In enger Zusammenarbeit mit der Stadt und unter der Schirmherrschaft des OB will die MIA, angeführt vom luxemburgischen Konsul Ottmar Braun und dem Historiker Hermann-Victor Johnen, eine ganze Reihe hochkarätiger Gedenkveranstaltungen stemmen - vom Festakt im Rathaus über diverse Ausstellungen bis zu einer Video-Konferenz zwischen den „Mies-Städten” Aachen, Barcelona, Berlin, Chicago, Dessau und Weimar.

In Aachen sind eine Straße und eine Schule nach Mies van der Rohe benannt, Ende der 50er Jahre trug sich der Meister ins Goldene Buch ein, auf dem geplanten RWTH-Campus soll möglicherweise ein Gebäude seinen Namen tragen - dennoch hat Mies-Experte Braun den Verdacht, dass der Prophet im eigenen Land etwas unter Wert davonkommt. Denn eins sei sicher: Der „Picasso der Architektur” habe die moderne Baukunst geprägt wie nur noch Gropius, Wright oder Le Corbusier.

Einer der berühmtesten Aachener weltweit ist der Schöpfer der National-Galerie in Berlin, des Deutschland-Pavillons in Barcelona und herausragender Wohn- und Geschäftsbauten zwischen Chicago und New York auf jeden Fall (er starb 1969 in den USA).

Bei der Stadt Aachen scheint man derweil zu überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre, die angedachten Mies-Ehrungen unter ein Dach zu bekommen, denn auch beim Verein Mies-van-der-Rohe-Haus plant man seit geraumer Zeit für den Geburtstag und hätte den OB gerne mit im Boot. Geschäftsführer Meinolf Engel wundert sich ein wenig über den MIA-Alleingang und sagt: „In einer überschaubaren Stadt wie Aachen wäre es besser, die Kräfte zu bündeln und zusammenzuarbeiten.”

Der Verein mit seinen etwa 100 Mitgliedern will unter anderem eine umfängliche Ausstellung in der Sparkasse organisieren und streitet im übrigen weiter für sein großes Ziel, ein Mies-Museum in Aachen zu installieren, möglicherweise im/am alten Umspannwerk in der Borngasse. Ottmar Braun versichert: „Wir wollen keine Konkurrenz, ein Gespräch mit der Vereinsspitze wird es geben. Aber nicht alle Mies-Bewunderer wollen Mitglied in einem Verein sein.”

Hilde Schillings hat ihre Wertschätzung für „Onkel Ludwig, wie wir ihn nennen durften”, nie verloren. Sie ist die Tochter von Ferdinand Goebbels, der 1908 mit Mies zum Studieren nach Berlin ging, dann nach Aachen zurückkehrte, sich selbstständig machte und ein bekannter Architekt wurde (der Umbau der Sparkasse am Münsterplatz ist zum Beispiel sein Werk). Man wohnte in Laurensberg, das Büro war am Seilgraben.

Oft hat Mies van der Rohe seine Eltern, die später an der Vaalser Straße wohnten, besucht - und immer gab es auch eine Stippvisite bei Familie Goebbels. Samt Fußball mit dem Töchterchen. Auch nach dem Krieg, schon längst in Amerika, vergaß Onkel Ludwig die Aachener Freunde nicht: Aus Chicago kamen zwei Care-Pakete.
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