Messerstiche im Alkoholikermilieu: 58-Jährige auf Bewährung ins Heim

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:

Aachen/Heinsberg. Es war der Unfalltod ihres Sohnes in den 1990er Jahren, der die 58-jährige Doris B. aus der Bahn warf. Jetzt wurde die Heinsbergerin vom Aachener Schwurgericht in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht, dies zunächst in einem Wohnheim auf Bewährung.

Damit hat die zuletzt im Alkoholikermilieu aufhältige ehemalige Texterfasserin sehr viel Glück gehabt. Denn ihr wurde schließlich zur Last gelegt, am 2. März dieses Jahres den Tod ihres unmittelbaren Nachbarn in dem Heinsberger Mietshaus herbeigeführt zu haben.

Sie wohnte in dieser Zeit quasi in der Wohnung des 69-Jährigen, war eng befreundet mit dem Mann. Der war allerdings, wie die Vorsitzende Richterin Hildegard Tag in der Urteilsbegründung ausführte, stark dem Alkohol verfallen, und auch die auf derselben Etage wohnende Angeschuldigte trank mehr als gut war.

Ihr Nachbar befand sich, so das Gericht, bereits in einer schlimmen körperlichen Verfassung, pendelte in den Tagen vor seinem Tod zwischen Ausnüchterungszelle, Krankenhaus, Alkoholshop und seiner Wohnung, seine Ehefrau hatte die Wohnung verlassen.

Am Abend vor dem Todestag hatten Doris B. und ihr Nachbar über die Maßen gezecht. Sie wachten mittags auf, als es letztlich zum Streit kam. „Man weiß nicht genau warum“, so die Richterin, „es könnte ein Streit etwa um die Fernbedienung des TV gewesen sein.“

Der Streit eskalierte. Sie gab später an, ihr Gegenüber habe sie angegriffen. Da habe sie ein Küchenmesser genommen. Das Opfer hatte mehrere Stiche in Oberarm und Armbeuge, etwa drei Zentimeter tief. Danach war Ruhe, beide ließen sich nieder und schliefen höchstwahrscheinlich ein, sie konnte sich später kaum an etwas erinnern.

Doch für den Nachbarn war das ein Schlaf in den Tod, da er ohne es zu merken auf der Couch liegend verblutete. Weil er zudem an Blutarmut litt und eine schlechte körperliche Verfassung aufwies, rechnete das Gericht ihr den Tod des Mannes nur teilweise zu.

Allerdings müsse sie anders als vorher dringend regelmäßig ihre Medikamente nehmen, ermahnte sie die Richterin. Denn ansonsten werde die Bewährung widerrufen und Doris B. müsse dann in eine geschlossene Psychiatrie.

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