Messerstecher „hätte einfach gehen können”

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen. Mit große Worten und langatmigen Ausführungen hatte sich der 44-jährige Angeklagte zu Beginn seines Verfahrens vor dem Aachener Schwurgericht verteidigt.

Er behauptete, dass er quasi durch eine Notwehrsituation dazu gezwungen wurde, am Kaiserplatz einen 52-Jährigen niederzustechen, so bedrohlich sei das dort mit den Junkies. Das Opfer überlebte nur knapp.

Zu Beginn des dritten Verhandlungstages schien der ehemalige Discjockey und Discobesitzer, der sich seit Jahren mit handwerklichen Montage- und Aushilfsjobs über Wasser hielt, zu besinnen und ein wenig mehr Reue und Einsicht zu zeigen.

Denn schließlich geht es um versuchten Mord, bis zu 15 Jahren Haft stehen hier auf dem Spiel, Torsten B. hatte im Januar sein Opfer urplötzlich mit einem Messer niedergestochen.

Zunächst beurteilte gestern die psychiatrische Sachverständige Konstanze Jankowski den Angeklagten. Deutlich machte sie, dass B. auch wegen seiner zahlreichen Vorstrafen, die allerdings wegen weit geringfügiger Delikte verhängt wurden, sich am Rande der gesellschaftlichen „Dissozialität” bewege.

Heißt auf deutsch, dass sich der Aachener nicht viel um das Wohl und Wehe anderer kümmere und laut Gutachterin durchaus Regelverletzungen bei der Durchsetzung seiner eigenen Interessen in Kauf nehme. Dazu komme ein langjähriger Alkoholmissbrauch, der behandelt werden müsse. Voll schuldfähig sei er allerdings trotz einer mäßigen Alkoholisierung zweifelsfrei gewesen, meinte die Psychiaterin.

Staatsanwältin Claudia Schetter nahm den ansonsten umgänglich bis großspurig wirkenden Angeklagten in ihrem Plädoyer scharf ins Visier. „Das da ist ein Dreckspack. Da muss man aufräumen”, begann sie mit einem Zitat des Angeklagten ihr Plädoyer.

Das zeige, mit welcher Verachtung der mutmaßliche Messerstecher auf die Junkies am Kaiserplatz herabgeschaut habe. Nur leider habe er sich im Opfer vertan, der 52-jährige habe nachweislich keine Drogen genommen, sondern wie der Täter selbst dem Alkohol zugesprochen.

Der Angeklagte hatte behauptet, eine Dreiergruppe vermeintlicher Junkies habe ihn bedroht, einer davon drohend die Hand in der Tasche bewegt. Der Angeklagte hatte in der Tasche „eine Pumpe”, also eine Schusswaffe, vermutet.

Dazu die Staatsanwältin: „Er hätte ohne Probleme weggehen können” - anstatt ein Klappmesser zu ziehen und es dem anderen „mit großer Wucht” in die Brust bis in den Herzbeutel zu rammen. Zusammen mit dem Alkohol und seiner „generellen Gefährlichkeit” sei das als versuchter Mord zu werten, die Staatsanwältin forderte zwölf Jahre Haft.

Die Nebenklage forderte gleichermaßen ein Verurteilung wegen versuchten Mordes, stellte jedoch keinen Antrag zur Haftdauer. Das Urteil folgt an diesem Mittwoch.
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