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Messerangriff: Staatsanwalt fordert sechs Jahre Haft

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen. Außer sich vor Wut habe der Angeklagte, Marc Peter P. (25), in seiner Wohnung am 13. Dezember mit brutaler Wucht auf seinen Mitbewohner eingestochen, stellte Staatsanwalt Wilhelm Muckel in seinem Plädoyer vor dem Aachener Schwurgericht fest. Dabei habe er absoluten Tötungswillen an den Tag gelegt.

Muckel forderte wegen vollendeten Totschlags in einer durch Konflikte zwischen dem Opfer und dem Täter völlig aufgeladenen Situation doch nur eine Haftstrafe von sechs Jahren. Denn wegen der aufgeladenen Situation in dieser merkwürdigen Wohngemeinschaft von jungen Menschen, die psychisch nur eingeschränkt leistungsfähig gewesen seien, müsse dem Täter eine verminderte Zurechnungsfähigkeit zugestanden werden.

In diesem nach Verteidiger Thomas Pohlhammer „für alle tragischen Fall“ der Tötung eines jungen Mannes im Alter von nur 22 Jahren begrüßte auch der Anwalt die Einschränkungen zu Schuldfähigkeit im Plädoyer des Staatsanwalts. Denn dort in der völlig vermüllten Wohnung in der Aachener Elisabethstraße seien zwei junge Männer aufeinander getroffen, die eine spezielle Hassbeziehung entwickelten - letztlich tödlich für den jüngeren der beiden.

Das bestätigten unmittelbar vor den Plädoyers die psychiatrischen und psychologischen Gutachter. Der Täter habe schizoide Persönlichkeitszüge und nur eingeschränkte Fähigkeiten, „seine seelischen Zustände richtig erkennen zu können“, beschrieb Psychologe Hans-Jürgen Kuhnert die psychische Befindlichkeit des Täters.

Der hatte sich laut seinem Geständnis und als glaubhaft von der Staatsanwaltschaft angenommen durch die Schmähungen des jungen Mannes an diesem Nachmittag völlig gereizt und provoziert gefühlt. „Du Lusche, du kriegst nichts auf die Rehe, du würdest auf der Straße untergehen“, habe der Mitbewohner seinen ansonsten immer ruhigen Gastgeber beschimpft.

Der selbst im betreuten Wohnen lebende Angeklagte hatte den 22-jährigen Obdachlosen von der Straße geholt und auf ausdrücklichen Wunsch der Mutter des anderen zum zweiten Male trotz arger Bedenken bei sich aufgenommen. Denn bereits eine erste Phase des Zusammenwohnens im Oktober hatte nicht geklappt. Die beiden und noch zwei andere junge Männer saßen normalerweise in der Wohnung herum und spielten an ihren Computern, nur ziwschen P. und dem Getöteten gab es andauernd Streit.

Als dann an diesem Donnerstag Abend auch noch das Schimpfwort „Hurensohn“ gefallen sein soll, rastete der normalerweise völlig ruhige und defensive P., der laut Verteidiger den Eindruck eines „gemütlichen Brummbärs“ mache, völlig aus. Er nahm ein 20 Zentimeter langes Küchenmesser und stach aus heiterem Himmel auf den Kontrahenten ein - so brutal, dass zwei Herzkammern und die Aorta zerfetzt wurden. Laut Rechtsmediziner hätte selbst ein Notarzt, der bereits anwesend gewesen wäre, nichts mehr retten können.

Sofort nach der Tat sei der 25-Jährige wie aus Trance aufgewacht, habe das Leben seines Opfers retten wollen - zu spät. Bereits in seinem Notruf forderte er mit dem Rettungswagen auch die Polizei an, die solle man gleich mitschicken, hörte man ihn in dem Notruf sagen. In seinem „letzten Wort“ bereute er vor den als Nebenklägern anwesenden Eltern des Opfers seine Tat.

Das Urteil wird am Montag um 9 Uhr im Aachener Landgericht gesprochen.

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