Aachen - „Mental maps” für Orte von Generationen und Nationen

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„Mental maps” für Orte von Generationen und Nationen

Von: Werner Czempas
Letzte Aktualisierung:
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Stadtpläne der anderen Art fürs Ostviertel stellte Hildegard van de Braak (mit Karte) vor. Das Laschet-Ministerium hatte bei ihr eine Studie zu Treffpunkten von Senioren und Jugendlichen aus dem Quartier rund um den Kennedypark in Auftrag gegeben. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Der wahre Ostviertler bekennt sich zu seinem Stadtteil. Und in dem ist der Kennedypark der absolute Hit. Sogar aus der Innenstadt kommen die Besucher. Alt wie Jung sind seine Fans.

Das ist eins der vielen Ergebnisse eines Projekts, an dem rund 100 Jugendliche und Senioren mitgearbeitet haben. Am Ende des spannenden Unterfangens stand ein „etwas anderer Stadtplan”.

„Orte von Generationen und Nationen”, nannte Hildegard van de Braak ihre Idee eines „lebendigen Stadtplans” mit Treffpunkten im Ostviertel. Welche Orte bedeuten Jugendlichen etwas und wie sehen Ältere diese Plätze? Wo treffen Alt und Jung aufeinander? Monatelang machte sich Hildegard van de Braak auf Tour, um mit deutschen wie ausländischen Senioren und Jugendlichen zu reden und durchs Viertel zu ziehen. Ältere wie Junge, Schulen, Ämter und Einrichtungen machten begeistert mit.

Der richtige Schwung ins Unternehmen aber kam mit den „mental maps”. Darunter verstehen Fachleute grob vorgefertigte Straßenkarten, in die die Teilnehmer eines Projekts wie „Orte von Generationen” die Stätten einzeichnen können, die ihnen wichtig sind. So können viele das ausdrücken, was mit Worten oft nur schwer gelingt. In den „mental maps” zeigt sich die individuelle Bedeutung eines Ortes in der subjektiven Größe seiner Darstellung.

Ausgeweitet aufs Rehmviertel

Als Hildegard van de Braak merkte, dass bedeutsame Orte vor allem für Migranten und Jugendliche - zum Beispiel durch die Lage von Schulen - bis in andere Stadtviertel reichen, dehnte sie ihre Untersuchungen auf das Rehmviertel aus. Herausgekommen ist, was die Projektleiterin auf einer Abschlusspräsentation in der Aula der Schule am Kennedypark an der Elsaßstraße vorstellte: Ein großes Plakat, das vom Kaiserplatz über den Europaplatz bis hin zum Bahnhof Rothe Erde und den Aachen-Arkaden graphisch die „Orte der Generationen und Nationen” darstellt.

Deutlich werden die unterschiedlichen Sichtweisen von Jugendlichen auf Ost- und Rehmviertel.

Die vielen Gespräche und 75 „mental maps” lieferten eine Fülle interessanter und teilweise überraschender Erkenntnisse. Etwa: Die deutschen Senioren schätzen Service und Kundenfreundlichkeit in den türkischen Geschäften der Elsassstraße. Die hell erleuchteten türkischen Geschäfte geben ihnen ein Gefühl der Sicherheit. Das Ostviertel zählt weniger Polizeieinsätze als andere Viertel. Hohe Identifikation mit dem Viertel. Ärger über die häufige Negativdarstellung ihres Viertels. Nur positive Bewertungen für den Kennedypark als markanter Ort für Jung und Alt. Zuzug von Menschen im Ostviertel, auch aus der Innenstadt (Migranten, Studenten).

Andere Feststellungen: Der Ostfriedhof wird oft genannt, in den „mental maps” aber viel kleiner eingezeichnet als der Kennedypark, Zeichen für die große Bedeutung des Kennedyparks. Tatsächlich ist der Ostfriedhof fast dreimal so groß, ein Jugendlicher bezeichnete ihn als Wald. Hildegard van de Braak: „Soll der Ostfriedhof genutzt werden, braucht es begleitende Projekte wie etwa Käfer-Führung, also erfahrbaren Bio- oder Geschichtsunterricht.”

Der Park neben dem neuen Justizzentrum ist fast unbekannt; ein Namenswettbewerb wird vorgeschlagen. Für Jugendliche sind Busse und Bushaltestellen als Orte der Begegnung wichtig. Der Rehmplatz wird negativ (Drogen) bis neutral gezeichnet. Negativ auch der Oberplatz. Jugendlichen fehlen Orte zum „Chillen”, was das frühere „Abhängen” meint.

Ältere vermissen Möglichkeiten für günstiges Mittagessen. Auffallend oft genannt: Für Deutsch-Russen sind die Geschäfte Begegnungsort Nummer eins.

Seniorenspielplätze fehlen

Aus den Vorschlägen ragen heraus: Rückenlehnen für Bänke im Kennedypark; Elsassplatz als Kreisverkehr; Sportgeräte für Senioren (Seniorenspielplatz); Briefkasten im Rehmviertel; türkische Frauen wünschen sich selbstorganisierten Treffpunkt ohne Programm außerhalb der Moschee. „Orte von Generationen” führte inzwischen zu kleineren Projekten: So bewirtschaften die Arbeiterwohlfahrt und die Offene Tür Josefshaus gemeinsam ein Biotop in der Schleswigstraße; die Schule Aretzstraße bietet ein generationsübergreifendes Projekt an; Führungen mit Kindern der Schule Kennedypark; Migranten wünschen, die Geschichte der Stadt kennen zu lernen, was heißt, ihnen die Identität der Stadt darzustellen - wozu mit dem Stadtarchiv im Haus der Integration am Reichsweg ein erster Schritt getan ist.

Das ergebnisreiche Plakat „Orte von Generationen - Blickwinkel von Jugendlichen und Senioren auf ihre Stadtteile” wird von Projektleiterin Hildegard van de Braak mit einem umfassenden Bericht weitergeleitet an die Landesregierung, die Stadt und die Ratsfraktionen.

Nach einem Gespräch Hildegard van de Braaks mit dem Aachener NRW-Minister Armin Laschet wurde die Studie von seinem Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und Integration in Auftrag gegeben. Auch das Evangelische Erwachsenenbildungswerk Nordrhein unterstützte das Aachener Projekt.
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