Menschen am Rande der Gesellschaft

Von: Anke Hinrichs
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„Es ist doch Platz in der Herberge” heißt es an Heiligabend in der Citykirche: von links Michaela Frank (PÄZ), Pastoralreferent Dieter Spoo und Elke Schulte von der Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Schillernde Pailletten, ein glänzendes Oberteil und Kindersocken, das sind nur einige der Utensilien, die die vier großen Bilder im Chor der Citykirche Sankt Nikolaus zum echten Hingucker werden lassen. Gemalt wurden sie von vier Frauen, die zwei Dinge gemeinsam haben: Es sind Migrantinnen aus dem Kongo und der Elfenbeinküste und sie sind HIV-positiv.

Die Zeichnungen der 20 bis 50 Jährigen sind innerhalb des von der Aids-Hilfe und dem Pädagogischen Zentrum(PÄZ) betreuten Projekts „Kreative Gestaltung in besonderen Lebenslagen” entstanden, und bilden das Zentrum des Weihnachtsgottesdienstes in der City-Kirche.

Pastoralreferent Dieter Spoo wird in seinem Gottesdienst Freitag ab 22.30 über diese Bilder sprechen, dann geht es um Ausgrenzung, Stigmatisierung und um Menschen am Rande der Gesellschaft. Mit dem Titel „Es ist doch Platz in der Herberge!” schlägt er den Bogen zum Kind in der Krippe und den Migrantinnen: „Jesus war auch ein Flüchtling und wurde ausgegrenzt, weil er anders war.” Zu den Gründen, solch ein sensibles Thema zu Weihnachten anzusprechen, meint er schlicht: „Wir wollen hier eine offene Kirche sein, und sind stark an Themen interessiert, die diese außerhalb der Gesellschaft stehenden Menschen ansprechen.”

Hoffnung und Lebensfreude

Angesprochen fühlten sich aber auch Leute, die mit einer klassischen Christmette nicht so viel anfangen könnten. Daher entsprach der Pastoralreferent mit Freuden der Bitte der beiden Projektbetreuerinnen Michaela Frank (PÄZ) und Elke Schulte (Aids-Hilfe), die Kirche als Ausstellungsort für die vier Bilder nutzen zu dürfen.

Sechs Mal traf sich die Frauengruppe in diesem Jahr, der ursprünglich acht Frauen angehörten, hat an den großformatigen Leinwänden gearbeitet und ihren Umgang mit den Themen Flucht und Ausgrenzung durch HIV Ausdruck gegeben. Herausgekommen sind vier ganz unterschiedliche, nach den Original-Körperumrissen ausgestaltete Ganzkörperansichten.

Titel wie „Ich bin froh, dass ich lebe”, oder „Mein Körper und ich” verheißen etwas von dem Leid, aber auch der Hoffnung und der beginnenden Lebensfreude, die die malenden Frauen in sich tragen. „Für die Frauen war das Projekt ein großer Gewinn, da sie sich in dieser Zeit einmal nicht stigmatisiert fühlten, sondern aufgehoben in einer Gemeinschaft. ”, sagen Michaela Frank, und Elke Schulte, die das Projekt als Kunst- und Heilpädagogin und als Sozialarbeiterin begleiteten, übereinstimmend.

Für Dieter Spoo ist die Entsprechung zur Krippe daher glasklar: „Wir müssen unser Herz für die anderen entdecken, das ist die Botschaft für die Weihnachtszeit ”. Der Gottesdienst die „Stille Nacht der anderen Töne” mit dem Thema „Es ist doch Platz in der Herberge” wird um 22.30 in der Nikolauskirche in der Großkölnstraße gefeiert. Anschließend bietet sich bei Brot, Wein und Wasser noch Gelegenheit zum Gespräch.
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