Aachen - „Mein Heimat ist hier in Deutschland”

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„Mein Heimat ist hier in Deutschland”

Von: Stefanie Bücken
Letzte Aktualisierung:
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Haben ihren Platz in Deutschland gefunden: Saltan Tamer (l.) hat türkische Eltern, Teressa Hagemann stammt aus Weißrussland und Lolo Bosange (r.) wurde aus dem Kongo eingebürgert. Günter Schabram (2.v.l.) moderierte die Einbürgerungsfeier mit den neuen Staatsbürgern im Aachener Stadttheater. Foto: Ralf Roeger

Aachen. 579 Menschen aus 66 Nationen sind im vergangenen Jahr in Aachen eingebürgert worden. Für sie und für ihre Familien und Freunde gab es am Samstag eine große Einbürgerungsfeier im Aachener Stadttheater. 579 unterschiedliche Menschen - und sie alle haben eine ganz eigene Lebensgeschichte.

„Tolle Freunde”

„Meine Geschichte ist eine deutsche Geschichte”, sagt Lolo Bosange. Der 20-jährige ist 1988 geboren und vier Jahre später mit seiner Mutter aus dem Kongo nach Deutschland geflüchtet. Nach einem abgelehnten Asylantrag und einer schwierigen Zeit fühlt er sich heute in Deutschland zu Hause. „Ich habe hier tolle Freunde und eine wunderbare deutsche Freundin”, erzählt er.

Seit 2002 lebt er in Aachen, hat erfolgreich Basketball gespielt und macht Musik mit seiner Band „Nations”. „Wir sind vier Leute aus vier verschiedenen Nationen”, erklärt er den Namen. Ganz multikulturell eben. Nachdem Lolo sein Abitur bestanden hat, studiert er heute „European studies” in Maastricht.

„Mich interessiert die europäische Politik”, sagt er. Integration ist für ihn aber nicht unbedingt eine politische Frage. „Kulturelle Angebote, gemeinsam leben - das fördert die Gemeinschaft und kann die Kontraste verringern.”

Außer Lolo Bosange wurden weitere 20 Menschen aus dem Kongo eingebürgert. Spitzenreiter war die Türkei mit 137 Menschen, es folgte der Iran mit 45 und der Irak mit 38 Einbürgerungen im vergangenen Jahr.

Menschen aus Afrika, aus Asien, aus Süd- und Mittelamerika und natürlich auch aus europäischen Ländern leben nun als deutsche Staatsbürger in der ehemaligen Kaiserstadt.

„Wir sind froh, so viele unterschiedliche kulturelle Schätze zu Aachen zählen zu können”, sagte Günter Schabram, Fachbereichsleiter für Soziales und Ausländerwesen, der durch die Feierstunde führte.

Tamer Saltan ist in Stolberg als Sohn von türkischen Eltern geboren. Nach seinem Schulabschluss machte er eine Ausbildung und arbeitet seit fast 20 Jahren als Offsetdrucker in Aachen. Jetzt hat er auch die deutsche Staatsbürgerschaft. „Mir geht es vor allem um das Zugehörigkeitsgefühl”, beschreibt er seine Entscheidung. „Mein Platz ist hier in Deutschland.”

Seine deutsche Partnerin ist Lehrerin für katholische Religion, zu Hause hängt der Koran neben dem Kreuz. „Wir haben Respekt voreinander, vor unserem Glauben und unserer Herkunft”, erzählt Tamer Saltan. Sein einziger Wunsch für noch mehr Integration: „Lebensmittel könnten gekennzeichnet sein, ob sie Schweinefleisch enthalten. Das würde den Einkauf für uns leichter machen”, lacht er.

Für Teressa Hagemann war der Weg nach Deutschland schwieriger. Die gebürtige Weißrussin kam erst mit 39 Jahren nach Deutschland, kannte die Sprache nicht und ihre Ausbildung wurde nicht anerkannt. Aber sie hat nicht aufgegeben: „Ich habe eine Ausbildung zur Altenpflegerin gemacht, mich immer weitergebildet und bin heute Pflegedienstleiterin im ambulanten Dienst” erklärt sie stolz.

Für die deutsche Staatsbürgerschaft musste sie ihre Vergangenheit aufgeben und verlor 23 Jahre für ihre Rente. „Es war nicht immer leicht, aber heute bin ich glücklich”, strahlt die energische Frau.

„Solche Menschen bereichern unsere Stadt”, findet Günter Schabram. „Es ist eine wunderbare Vielfalt”, fasst auch Bürgermeisterin Astrid Ströbele zusammen. Sie hieß die „Neu”-Aachener herzlich willkommen. Wirklich neu in der Stadt ist allerdings niemand.

Seit mindestens acht Jahren leben sie alle in Deutschland. Das ist - neben bestandenem Einbürgerungstest und Sprachkenntnissen - Bedingung für die deutsche Staatsbürgerschaft.

„Wir freuen uns über das Vertrauen in unsere Stadt”, sagte Astrid Ströbele. „In Aachen waren seit jeher viele unterschiedliche Völker zu Hause - Aachen ist eben international”. Sie munterte auf, aktiv am gesellschaftlichen und politischen Leben teilzunehmen: „Demokratie braucht Demokraten.”

Die Einbürgerungsfeier fand in festlicher Stimmung im großen Haus des Stadttheaters statt. Für musikalische Begleitung sorgte die SSB Big Band aus Geilenkirchen. Aber nicht nur Festreden und Vorträge standen auf dem Programm. Vor allem persönliche Gespräche und das Zusammensein der vielen Kulturen stand im Vordergrund.

Auch Gabriel Kitenge ist auf der Feier. Der 21-jährige kam schon als Baby mit seinen Eltern und seinen fünf Geschwistern nach Deutschland. Nun ist auch er offiziell deutscher Staatsbürger. Gefühlt hat er sich vorher schon so.

Mit seiner Karriere als Fußballprofi hat es zwar nicht geklappt, aber dafür zaubert er heute am Herd: Gabriel macht einen Ausbildung zum Koch im Quellenhof. „Wenn ich irgendwann die Gelegenheit habe, würde ich gerne mein Geburtsland kennenlernen”, sagt er. „Aber meine Heimat ist hier in Deutschland.”
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