Aachen - Mehrkosten: Bodenfunde machen Bauen zum Problem

Weltmeisterschaft Weltmeister WM Pokal Russland Fifa DFB Nationalmannschaft

Mehrkosten: Bodenfunde machen Bauen zum Problem

Von: wos
Letzte Aktualisierung:
Grabungen auf dem Parkplatz Je
Grabungen auf dem Parkplatz Jesuitenstraße/Prinzenhofstraße haben für die Archäologen viele Erkenntnisse gebracht. Doch die großflächigen Grabungen sind teuer und belasten den Haushalt. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Guter Cop, böser Cop, so bezeichnete Fachbereichsleiterin Regina Poth die Abfolge der Vorträge über die Stadtarchäologie im Planungsausschuss. Denn, wer hätte es gedacht: Archäologische Funde sind teuer und schlagen sich inzwischen als erhebliche Sonderausgaben im Haushalt nieder.

Dazu kosten sie Zeit bei den Tiefbaumaßnahmen, wie Poth berichten musste. Doch zuerst durfte Stadtarchäologe Markus Pavlovic die Ausschussmitglieder mit Erkenntnissen über Funde im Öcher Untergrund erfreuen.

So berichtete der Archäologe über die Grabungen am ehemals als „Brot-Schneider-Parkplatz” bekannten Areal an der Jesuitenstraße. Nach den Grabungen dort am ehemaligen Prinzenhof-Palais habe man teilweise Aachens Stadtgeschichte der Römerzeit neu schreiben müssen.

Als Beispiel diente der Wehrgraben von zehn Metern Länge aus dem 2. Jahrhundert n. Ch.: Er wird dem Lager einer römischen Legion zugeschrieben, die hier quasi vor den Toren der Siedlung einquartiert war.

„Wir hatten eigentlich Aachen nicht als römische Garnisonsstadt auf der Rechnung”, meinte der Archäologe. Im diesem Bereich fand man übrigens eine Kleinkeramik aus dem 2. Jahrhundert.

Das Pferdchen mit Wagen mutete wie ein Kinderspielzeug an, wurde dann aber wegen mangelnder Abnutzungsanzeichen eher als Opferkeramik eingestuft, ein seltener Fund. Auch eine Gussform zur Herstellung antiker Nadeln begeisterte den Wissenschaftler. Auch ein erstklassig erhaltenes Skelett bescherte Erkenntnisfortschritte.

Denn der Leichnam war kurz nach seiner Beisetzung von Grabbeigaben „befreit” worden und konnte so zeitlich eingestuft werden: „Er ist aus dem 6. bis 8. Jahrhundert nach Christus.” Das sei ein Beweis dafür, dass in der „dunklen” Zeit bis zu Karl dem Großen doch Leben im nachrömischen Aachen vorhanden war.

All diese Grabungen führen allerdings zu einem aktuellen Finanzmehrbedarf von etwa 295.000 Euro, wie Poth ausführte, und einer Verlängerung der Bauzeiten - etwa beim Büchel - von rund vier Monaten. Künftig sollen, so der Vorschlag, bis zu 30 Prozent der Bausumme für archäologische Maßnahmen in den Haushalt eingestellt werden.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert