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Mehrheit will den Rettungsschirm öffnen

Von: Achim Kaiser
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Heute geht es im Rat um mehr als drei Punkte für die Alemannia: Die Mehrheit der Ratsmitglieder will aber der Beschlussvorlage der Verwaltungsspitze folgen und den Rettungsschirm für den Zweitligisten öffnen. Foto: Imago/Team2, Montage: Günter Herfs Foto: Imago/Team2, Montage: Günter Herfs

Aachen. Nach intensiven Diskussionen innerhalb der Fraktionen zeichnet sich für die heutige Sondersitzung des Rates (16 Uhr) eine Mehrheit für die Rettung der Alemannia ab. Die FDP wird eine geheime Abstimmung beantragen, damit, so der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Peter Blum, „jedes Ratsmitglied seine Entscheidung unabhängig treffen kann”.

Alle Fraktionen haben die Abstimmung frei gegeben. Zu den Stimmzetteln greifen die Ratsmitglieder im nichtöffentlichen Teil der Sondersitzung.

Bei der CDU halten sich Befürworter und Gegner in etwa die Waage, die SPD will bis auf zwei bis drei Unentschlossene den Rettungsschirm öffnen, bei den Grünen sind die Befürworter der Verwaltungsvorlage knapp in der Mehrheit, und die FDP will sich mehrheitlich dagegen entscheiden.

Die Linken bemühen sich um eine gemeinsame Position, beraten aber erst heute. Pirat Felix Bosseler und Horst Schnitzler (UWG) sind noch unentschlossen. Hans-Dieter Schaffrath (FWG) will dem Rettungspaket zustimmen: „Ein Risiko bleibt so oder so.”

„Eine echte Chance”

Auch der CDU-Fraktionsvorsitzende Harald Baal bekennt offen: „Ich werde zustimmen. Es ist schon bemerkenswert, was der Oberbürgermeister und die Kämmerin für ein Ergebnis vorgelegt haben. Ich sehe darin eine echte Chance.”

Einem Teil der Christdemokraten bereite aber ein „Vertrauensproblem” mit den Alemannia-Protagonisten einige Kopfschmerzen. Die Frage sei, ob man den Verantwortlichen am Tivoli zutraut, das derzeit angeschlagene Schiff langfristig wieder auf Vordermann zu bringen. Deshalb appelliert auch der CDU-Vorsitzende Armin Laschet eindringlich an die Fraktion, es sei wichtig, „dass der OB auf die uneingeschränkte Unterstützung seiner Partei und Fraktion rechnen kann”.

Eine Rettung der Alemannia, so Laschet, dürfe nicht an der CDU scheitern. Allerdings, so Baal, werde die Kritik an Alemannias Geschäftsführer Frithjof Kraemer auch in der Fraktion immer lauter, weil die seit Wochen überfällige „Vollständigkeitserklärung” noch nicht vorliege. Mit dieser Erklärung bestätigt die Alemannia ihren Schuldenstand.

„Wir erwarten, dass uns diese Erklärung rechtzeitig vor der Ratssitzung erreicht”, betont Ulla Griepentrog, Fraktionssprecherin der Grünen. Sie vertritt diesmal „nur” den Flügel der Rettungswilligen: „Da die Absicherung für die Stadt durch den Eintrag ins Grundbuch gesichert ist, werde ich der Vorlage zustimmen.” Die Entscheidung dürfe nicht nur auf wirtschaftlicher Basis fallen, es sei auch eine politisch-soziale Frage, die beantwortet werden müsse.

Immerhin sei der Name Alemannia ganz eng mit Aachen verbunden, die Stadt habe sich bei der Infrastruktur immer für den Klub engagiert, und jetzt sei auch die Chance greifbar, dass es am Tivoli besser wird. „Wir stecken ja erst mal kein Geld in den Verein”, unterstreicht Griepentrog: „In diesem Zusammenhang zu sagen, es wäre dann kein Geld mehr für Schulen und Kindergarten da, ist unredlich. Da sind wir bestens aufgestellt.”

Ihr Parteifreund Hermann-Josef Pilgram, Vorsitzender des Finanzausschusses, sieht den Vorgang anders: „Das Vertrauen ist weg. Nach den bisherigen Erfahrungen glaube ich nicht, dass die Alemannia in der Lage ist, ihren Teil für das Rettungspaket zu leisten.” Wenn es weitere Probleme gäbe, und davon geht Pilgram aus, sei immer wieder die Stadt gefragt. Zudem sei das Rettungspaket mit einem erheblichen Risiko für die Stadt behaftet: „Das Stadion ist keine Sicherheit. Es wird auch dann keinen Verein geben, der dort spielen kann.”

Genau an dem Punkt argumentieren die Befürworter aus den verschiedenen Parteien in eine andere Richtung: Bei einer direkten Insolvenz des Zweitligisten hätte das Land einen Riesenbatzen zu tragen. Es könnte die Stadt mit sanftem Druck zwingen, das Stadion zu kaufen. Dann müsste die Stadt die Kosten tragen, hätte aber keinen Profiklub mehr, der auf dem Tivoli spielen könne.

Ähnliche Diskussionen sind auch in der SPD geführt worden. „Wenn wir nicht zustimmen, bleiben auch viele Kosten an der Stadt hängen. Außerdem wollen wir nicht, dass auch der Verein Alemannia mit seinen rund 10 000 Mitgliedern kaputt geht”, sagt Fraktionsgeschäftsführerin Da-niela Lucke. Die überwiegende Mehrheit der Fraktion will heute bis auf maximal drei Ausnahmen der Beschlussvorlage der Verwaltung folgen.

Letzte Einzelheiten zum Rettungspaket

Oberbürgermeister Marcel Phlipp, und Kämmerin Annekathrin Grehling haben mit der Regierungspräsidentin Gisela Walsken letzte Einzelheiten mit Blick auf Alemannias Rettungspaket geklärt. Einzelheiten werden der OB und die Kämmerin heute vor der Sondersitzung des Rates bekanntgeben.

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