Mehrarbeit ist in der Mayerschen sehr erwünscht

Von: Heiner Hautermans
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Die 800 Mitarbeiter der Mayers
Die 800 Mitarbeiter der Mayerschen, darunter etwa 200 in Aachen, werden gebeten, ihre Wochenarbeitszeit zu erhöhen, wegen der „mäßigen Geschäftsentwicklung in der Buchbranche”. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Die Gewerkschaft Verdi spricht von „Erpressung”, die Geschäftsführung der Mayerschen von einem vorausschauenden und verantwortungsbewussten unternehmerischen Handeln, „wie es bei der Mayerschen Buchhandlung Tradition hat”.

Alle 800 Arbeitnehmer des 1817 in Aachen gegründeten Buchhandelsunternehmens haben einen Vordruck erhalten, in dem sie sich bereit erklären können, ihre Wochenarbeitszeit ab Dezember 2012 von 37,5 auf 40 Stunden zu verlängern, Teilzeitkräfte entsprechend weniger. Außerdem werden die Beschäftigten gebeten, von 18.30 bis 19 Uhr auf Spätöffnungszuschläge zu verzichten.

Eine entsprechende Erklärung war anonym der Dienstleistungsgewerkschaft am Hauptsitz Aachen zugeschickt worden. „Rückgabe dieser Erklärung beim jeweiligen Vorgesetzten bis spätestens 9. Oktober 2012” steht über dieser Erklärung, im untersten Kästchen kann auch angekreuzt werden: „Nein - derzeit bin ich nicht bereit, meine regelmäßige Arbeitszeit zu erhöhen.” Die Bewertung dieser Aktion fällt zwischen Gewerkschaft und Chefetage sehr unterschiedlich aus. Verdi-Sekretär Viktor Petje: „Das ist die Fortsetzung des Manchester-Kapitalismus mit anderen Mitteln.” Er rät den Mitarbeitern dazu, möglichst nicht zu unterschreiben, sich der Gewerkschaft anzuschließen und am Standort Aachen einen Betriebsrat zu gründen, den es bislang nach Erkenntnissen von Verdi nicht gibt. „Dies konnte die Familie Falter bisher sehr gut verhindern.”

Bei entsprechender Solidarität

Dr. Hartmut Falter kann dagegen am Ansinnen der Chefetage nichts Unrechtes entdecken: „Mit dieser Bitte ist die Mayersche an ihre Mitarbeiter herangetreten, um der mäßigen Geschäftsentwicklung in der Buchbranche Rechnung zu tragen und langfristig rentabel zu bleiben. Im Gegenzug wird bei entsprechender Solidarität der Bestand der derzeitigen Arbeitsverhältnisse für das Jahr 2013 zugesichert.”

Die Mayersche zahle nach Einzelhandelstarif und habe sich in der „nunmehr 195-jährigen Geschichte des Familienunternehmens stets vorausschauend und verantwortungsbewusst den jeweiligen Marktentwicklungen gestellt”. Wenn ein Mitarbeiter nicht bereit sei, die wöchentliche Arbeitszeit zu erhöhen, geschehe: „Nichts.” Die in einigen Unternehmensteilen vorhandenen Betriebsräte seien selbstverständlich informiert worden „und unterstützen unsere Bitte”. Die Frage der „Nachrichten”, wie viele Stunden die Führungskräfte des Hauses arbeiten, beantwortet Hartmut Falter mit „40 und mehr”.

In einem Artikel aus dem Branchenmagazin „buchreport” berichtet Hartmut Falter von zahlreichen positiven Rückmeldungen aus den 45 Filialen. Die Mayersche, eine der größten deutschen Buchhandlungen, habe in den vergangenen Monaten auch an anderen Ausgabenpositionen gedreht und Filialen geschlossen, darunter eine Großfläche in Köln. „Die anderen Flächen stehen Falter zufolge nicht zur Disposition”, heißt es weiter.
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