Mehr Wohnungen, damit es weniger Verlierer gibt

Von: wb
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Aachen. Treiben Studenten in Aachen einkommensschwache Familien in die Armut? Diesen Schluss legt eine Studie der Bertelsmann Stiftung durchaus nahe. Die jungen Leute drängen sowohl an die Hochschulen als auch auf den Wohnungsmarkt, wo wegen der erhöhten Nachfrage die Preise steigen.

Für Familien, die jeden Cent zweimal umdrehen müssen, wird es dadurch immer enger.

Die am Montag in Gütersloh vorgestellte Studie hat die Verhältnisse in den 100 größten deutschen Städten in den Blick genommen. In 60 Städten haben demnach Familien mit einem Einkommen von weniger als 60 Prozent des ortsüblichen mittleren Einkommens nach Abzug der Miete weniger Geld zur Verfügung als eine Hartz-IV-Familie.

Die Modellrechnung für Aachen sieht so aus: Von einem Familieneinkommen von 1419 Euro („Armutsschwelle“) gehen 490 Euro für „familiengeeignetes Wohnen im unteren Preissegment“ ab. Übrig bleiben 929 Euro und damit ein Budget, das 21 Prozent unter der staatlichen Grundsicherung liegt, auf die eine vergleichbare Familie ohne Erwerbseinkommen Anspruch hat.

„Der Wohnungsmarkt ist angespannt“, weiß auch Edmund Feiter, der Leiter des städtischen Fachbereichs Immobilienmanagement, „und der Studentenansturm durch den doppelten Abiturjahrgang verschärft das Problem noch.“ Seitens der Stadt will man dagegenhalten. Von den 2800 Wohnungen in städtischem Besitz, die von der Gewoge verwaltet werden, würden viele an Mieter vergeben, die ihre Bedürftigkeit mit einem Wohnberechtigungsschein nachweisen, erklärt Feiter.

Darüber hinaus unterstütze die Stadt alle Anstrengungen, Studierenden in Aachen ein Dach über dem Kopf zu verschaffen. Feiter nennt da beispielhaft die Kampagne „Extraraum“, mit der die Stadt gemeinsam mit den Hochschulen für die Schaffung von Wohnraum wirbt. Dabei hat die Verwaltung auch leerstehende Ladenlokale im Blick. Laut Feiter sollen „Entscheidungsspielräume für Genehmigungen“ genutzt werden, um leichter aus ehemaligen Geschäften Studentenbuden machen zu können.

Vor allem aber müssten „alle bebaubaren Grundstücke an den Markt gebracht werden“, sagt der Fachbereichsleiter. Dass von neu geschaffenem Wohnraum auch die Bezieher geringer Einkommen profitieren, stellt nach Feiters Angaben ein „20-Prozent-Beschluss“ sicher: Bei Neubaugebieten wie aktuell auch dem neuen Kronprinzenquartier auf dem Gelände des ehemaligen Finanzamtes an der Beverstraße sollen 20 Prozent des entstehenden Wohnraums öffentlich gefördert und dann an Menschen vergeben werden, die sich hohe Mieten nicht leisten können.

Diese Regelung soll zudem dafür sorgen, dass in Wohngebieten die gesellschaftliche Mischung stimmt und keine Ghettos entstehen. „Die Stadt versucht zu machen, was geht“, betont Edmund Feiter.

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