Aachen - Mehr obdachlose Gäste: Klösterchen wird stark beansprucht

Mehr obdachlose Gäste: Klösterchen wird stark beansprucht

Von: Georg Dünnwald
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Etwa 80 Menschen leben in der
Etwa 80 Menschen leben in der Stadt Aachen ausschließlich auf der Straße. Sie schlafen auch auf Parkbänken, wie hier vor der Stadt-Bibliothek. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Schwester Veronika Stolze, Leiterin der Franziska-Schervier-Stube im Kloster der Armen-Schwestern vom heiligen Franziskus an der Kleinmarschierstraße, ist erstaunt. Die Angebote des „Klösterchens” werden seit Juli immer stärker von Obdachlosen in Anspruch genommen.

Kämen im Schnitt 80, 90 Menschen pro Tag, meist Männer, seien Ende Juli rund 120 gezählt worden. Obwohl die anderen Einrichtungen der Obdachlosenhilfe nicht mehr zu tun haben als sonst, und obwohl das Wetter derzeit als „freundlich” eingeschätzt wird.

„Das kann daran liegen, dass das Kloster so zentral liegt, das kann auch daran liegen, dass in der vergangenen Woche Monatsende war”, versucht die Ordensfrau eine Erklärung. Denn Simone Holzapfel, Leiterin des Café Plattform an der Hermannstraße sagt, dass die Zahl der Hilfesuchenden schon seit einem halben Jahr eher stabil ist. „Im vergangenen Jahr hatten wir einen Belegungsgrad von 120 Prozent unserer 20 Notbetten”, erinnert sie sich. „Das war eindeutig zu viel.” Jetzt sei die Lage etwas entspannter. Das bestätigt auch Heinrich Emonts. Der Chef des städtischen Fachbereichs Soziales und Integration berichtet von einer „ganz normalen Belegung der städtischen Notunterkünfte”.

Die Plattform-Leiterin spricht aber von Schüben. „Mal melden sich viele, mal melden sich wenige Obdachlose. Und da scheint sogar das Wetter egal zu sein”, hat sie festgestellt. „Als Hartz IV eingeführt wurde, war es der reinste Horror. Das hat sich etwas beruhigt.” Sie fürchtet aber den immer enger werdenden Wohnungsmarkt. Nach und nach falle die Sozialbindung preiswerter Wohnungen weg, die Mieten würden teurer, immer mehr junge Leute suchten bezahlbare Wohnungen. „Das kann nicht gut gehen”, wagt die Frau einen Blick in die Zukunft.

Schon der Leiter des städtischen Fachbereichs Wohnen, Johann Körfer, warnte vor genau einem Jahr in einem „Nachrichten”-Interview vor dem „zunehmend scharfen Wind”, der den Aachenern demnächst um die Nase wehen würde. Körfer hatte erkannt, dass „wir darauf achten müssen, dass auch diejenigen unterkommen müssen, die auf dem Wohnungsmarkt sonst keine Chance haben”. Das meint auch Simone Holzapfel, die darauf hinweist, dass es für aus der Spur geratene Menschen schwer sei, auf dem Wohnungsmarkt etwas Passendes zu finden: „Da liegt meist ein Schufa-Eintrag vor.”

Schervierschwester Stolze erkennt jedenfalls, dass die Obdachlosen immer jünger werden. Sie nennt Zahlen: „So richtig auf der Straße leben in Aachen etwa 80 Menschen. Aber weil auch die Menschen, die in Notunterkünften untergebracht sind, als wohnungslos gemeldet sind, kann man etwa 300 Obdachlose annehmen.”

Das Angebot der Schervier-Stube und das des Café Plattform unterschieden sich sehr. „Wir sind quasi eine ?Offene Tür. Jeder darf kommen, jeder darf frühstücken und zu Mittag essen. Er muss sich nur benehmen”, sagt die Nonne. Und es sei auch nicht jedermanns Sache, sich mit drei anderen Personen ein Zimmer zu teilen, wie es im Café Plattform der Fall sei.
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