„Mehr erwartet”: Tarifeinigung macht längst nicht alle froh

Von: Margot Gasper
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Nicht alles erreicht, aber doch vieles: Reinhard Dudzik (rechts) erläuterte in Aachen die Eckpunkte der Tarifeinigung für den Sozial- und Erziehungsdienst. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Seit Montag liegt der mühsam ausgehandelte Tarifvertrag für die Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst auf dem Tisch. Aber was steht eigentlich drin? Und was bedeutet die Einigung für den Alltag? Das fragen sich Erzieherinnen, Sozialarbeitern und Sozialpädagogen. Denn ab nächste Woche sind sie in Aachen zur Urabstimmung über den Tarifkompromiss aufgerufen.

Reinhard Dudzik weiß ziemlich genau, was drinsteht. Der Mann aus Bochum ist Mitglied der Bundestarifkommission für den öffentlichen Dienst. Er saß für die Arbeitnehmerseite mit am Tisch, als der Kompromiss ausgehandelt wurde. Am Freitag kam Dudzik nach Aachen, um bei einer Infoveranstaltung der Gewerkschaft Verdi Einzelheiten zu erläutern. Und Dudzik hatte einiges an Erklärungsarbeit zu leisten. Längst nicht alle sind zufrieden mit dem Kompromiss.

„Wir haben die gesetzten Ziel nicht alle erreicht”, gestand auch Dudzik ein. „Aber wir haben zumindest einen Einsteig geschafft.” Immerhin sei für die Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst ein Tarifvertrag zum Gesundheitsförderung ausgehandelt worden - „der erste in ganz Deutschland”, wie Dudzik betonte.

Wenn der Rücken wehtut

Mit diesem Tarifvertrag haben alle Beschäftigten das Recht, belastende Tätigkeiten am Arbeitsplatz analysieren zu lassen. Etwa, wenn sie unter dem Lärm leiden, den 25 Kinder in einer Kita-Gruppe verursachen. Oder wenn der Rücken schmerzt nach Jahren auf kleinen Kindergarten-Stühlchen oder dem vielen Tragen von Kleinkindern. Künftig können sich Beschäftigte dann an eine betriebliche Kommission wenden, die eine Gefährdungsanalyse vornimmt und Vorschläge zur Abhilfe macht.

Der Arbeitgeber, also die Kommune, kann diese Vorschläge ablehnen, erklärte Dudzik. Aber er ist überzeugt: „Ein Arbeitgeber kann es sich nicht oft erlauben, einem berechtigten Vorschlag nicht zu folgen - auch nicht aus finanziellen Gründen.”

Unter den versammelten Erzieherinnen gab es durchaus Skepsis, ob das neue Instrument Gesundheitstarifvertrag tatsächlich Verbesserungen bringe. „Die sagen dann einfach, wir haben kein Geld, und dann ist die Sache erledigt”, befürchtet eine Erzieherin. „Ich habe mir mehr davon erhofft”, merkte eine andere an.

Zumindest aber biete der neue Gesundheitstarifvertrag ein Fundament, um Missstände aufzuzeigen, hieß es. „Der Tarifvertrag ist ein Rahmen”, so drückte es eine Kita-Leiterin in der Runde aus. „Den Rahmen müssen wir jetzt füllen. Auch wenn viel zusätzliche Arbeit auf uns zukommt.”

Zweite wichtige Säule aus Sicht von Reinhard Dudzik ist die Aufwertung der Berufe im Sozial- und Erziehungsdienst. „Das ist uns in den meisten Fällen gelungen durch Anpassungen in den Gehaltstabellen.” Dudzik sagt aber auch ehrlich: „Wir hätten uns viel mehr gewünscht.”

Im Portemonnaie werde sich die Tarifeinigung ganz unterschiedlich bemerkbar machen, weiß Verdi-Geschäftsführerin Corinna Groß. „Manche bekommen minimal mehr, manche bis zu 180 Euro im Monat. Und es gibt sogar Beschäftigte, die kriegen anfangs null Euro mehr”, so Groß. Wichtig sei aber, dass die Tarifstruktur verändert sei. „Und das wird sich dann auswirken.”
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