Mayersche Buchhandlung: Der Römer-Koloss hat heimgefunden

Von: Werner Czempas
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Buchhändler Helmut Falter, Baudezernentin Gisela Nacken, Andreas Maul von der Stawag und Stadtarchäologe Andreas Schaub (von links) bestaunen die gewaltige Auslage in Aachens neuem archäologischen (Schau-)Fenster in der Mayerschen Buchhandlung, bei deren Neubau die römische Thermenanlage 2001 gefunden wurde. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Es ist in Aachen die Zeit der Wiedergutmachung kultureller Altsünden. Vor wenigen Tagen kehrte nach 36 Jahren der Verbannung die „Farbleiter” des Aachener Künstlers Peter Lacroix an ihren alten Standort am Standesamt zurück.

Jetzt ist ein Mauerkoloss der römischen Bücheltherme wieder in der Mayerschen Buchhandlung daheim. Eine neunjährige Odyssee hat ein versöhnliches Ende gefunden.

Er hat gelitten wie der sprichwörtliche Hund. Wenn Stadtführer ihre Schar vor seinem gläsernen Buchpalast stoppten und „so grausliche Dinge” von damals erzählten, war es ihm sogar oft zum Heulen. Wer den Chef der Mayerschen, den leidenschaftlichen Buchhändler und kulturbegeisterten Helmut Falter kennt, glaubt ihm jedes Wort. Die grauslichen Dinge von damals hat er seit neun Jahren nicht vergessen. Und er wird sie, wie er bekennt, „bis an mein Lebensende nicht vergessen”.

2001 hagelte es Proteste

Damals: Im August 2001 stießen die Bauarbeiter beim Neubau der Mayerschen an der Buchkremerstraße auf Teile einer römischen Apsis, mächtige Fundamente und Reste einer halbkreisförmigen Nische der römischen Bücheltherme. Der apsidiale Schatz, großartiges Zeugnis der Besiedlung Aachens zur Römerzeit, wurde ausgebaggert und im städtischen Bauhof eingelagert.

Fortan hagelte es gewaltige Kritik und Proteste und Beschimpfungen des Bauherrn. Der Aachener Römerfund geriet zum bundesweiten Spektakel: In die riesige Baugrube kletterten jede Menge Denkmalschützer und am Bretterzaun rückten Print- wie TV-Medien aus nah und fern an.

Den Helmut Falter trieb es seitdem um: Was war von den römischen Resten zu retten und vor allem wie? Am Donnerstag präsentierte der Buchhändler im Forum M seines Hauses stolz eine Lösung, die jeder inspizieren kann - nämlich in Aachens neuem „archäologischen Fenster”: Neben dem Glasportal der Mayerschen ragt das (Schau-)Fenster augenfällig ins Trottoir hinein.

Dahinter ruht hinter großer Glasscheibe gravitätisch, sich seiner Altehrwürdigkeit wahrscheinlich bewusst, das mittlere der vor neun Jahren geborgenen drei Mauersegmente. Ein beeindruckender Brocken. 20 Tonnen schwer, zwei Meter hoch, 2,50 lang und 1,20 breit. Von vorn raues Mauerwerk aus Grauwacke und Kalkmörtel, an den Seiten glatt poliert, was nicht von römischer Hand, sondern von einer Diamantsäge unserer Tage stammt, die den gewaltigen Mauerfund auseinanderschnitt.

Daneben informiert über Monitor eine 45 Sekunden währende Power-Point-Präsentation über das römische Aachen und den Fund unter der Mayerschen. Diese Installation ist noch provisorisch. Im nächsten Jahr, verspricht Falter, werde eine dreidimensionale attraktive Demonstration ähnlich der im Rathaus „den Fund und die Zusammenhänge” erläutern.

„Was lange währt, wird endlich gut”, strahlte bei der Eröffnung auch Umweltdezernentin Gisela Nacken. Helmut Falter habe für das archäologische Fenster „Geld in die Hand genommen”. Einschließlich der Verstärkung der Fundamente im Neubau, ließ Falter rätseln, handele es sich wohl um eine Größenordnung wie in den 80er und 90er Jahren ein Einfamilienhaus gekostet habe.

Noch einer blickte zufrieden in die Gästerunde: Stadtarchäologe Andreas Schaub. Den römischen Funden unter der Mayerschen und einer im Umgang damit ratlosen und völlig überforderten Stadt verdankt er letztendlich seinen Posten. Seine Einstellung erwies sich seitdem schon vielfach als Glücksfall für die Stadt.

Von Aquae Granni, dem römischen Aachen, erklärte Schaub, sei heute „so gut wie nichts mehr zu sehen”, was sich nun aber „an dieser Stelle” in der Mayerschen ändern werde. Es werde dazu weiter geforscht. Anhand einer Rekonstruktion der Münstertherme unter dem Dom erläuterte der Stadtarchäologe „den riesigen Baukomplex Bücheltherme”.

Und was geschieht mit der Zweidrittel-Restmauer, die derzeit immer noch im Bauhof gelagert wird? Es gebe dazu einige Ideen, so Schaub, wobei möglicherweise auch die RWTH bereit sei, sie im Hochschulbereich zu präsentieren.
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