Massive Kritik an den Lernstandserhebungen

Von: mg
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Aachen. „Skandal”, sagt der Philologen-Verband, „ärgerlich”, gesteht die Schulministerin. Soll nicht mehr vorkommen, verspricht das federführende Institut.

Derzeit laufen die Lernstandserhebungen für alle achten Klassen, und an den Aufgaben für Deutsch und Englisch gibt es massive Kritik. Erarbeitet und zentral für alle Bundesländer zur Verfügung gestellt wurden die Tests erstmals vom Berliner Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB).

Zu leicht, zu schwer

Manches sei zu schwer, manches zu leicht, manches schlichtweg falsch gewesen, kritisiert Jörg Mülhausen, Vorsitzender des Aachener Philologen-Verbands. In den Englisch-Texten macht er eine Vielzahl an Fehlern aus. „Selbst nach einer ersten Korrekturliste finden sich in den Texten für das Gymnasium immer noch zahlreiche Rechtschreib- und Grammatikfehler.” Das Vokabular sei eher ungewöhnlich gewesen, das habe viele Schüler verunsichert.

Das Niveau im Fach Deutsch dagegen fanden viele Lehrer „unangemessen leicht” gewesen, erklärte Mülhausen. Nicht nachvollziehen kann er auch, dass im Fach Englisch die Aufgaben zum Hörverstehen aus dem Aufgabenkatalog herausgenommen worden seien. Dabei hätten einige Schulen eigens leistungsfähige CD-Player angeschafft und mit den Schülern monatelang das Hörverstehen geübt.

„Der Philologen-Verband vernimmt aus den Schulen absolutes Unverständnis für solch harm- und niveaulose Überprüfungen. Die Lehrerinnen und Lehrer in Aachen und der Region fühlen sich nicht ernst genommen”, ärgert sich Mülhausen. Manche Lehrer bezeichneten die Lernstandserhebungen schlichtweg als „Witz”.

Da einige Bundesländer zudem die Tests in einem oder mehreren Fächern gestrichen hätten, könne von bundesweiten Vergleichsarbeiten ohnehin nicht mehr die Rede sein. Mühlhausens Fazit: „Vergleichsarbeiten werden so zur reinen Beschäftigungstherapie und halten die Lehrer von ihrer wichtigen Erziehungs- und Unterrichtsarbeit ab.”

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat sogar einen Stopp der Lernstandserhebungen gefordert. Ganz so weit geht der Philologenverband indes nicht. Er fordert aber eine intensive Überprüfung durch das Schulministerium.

Konsequenzen hatte das Ministerium allerdings schon letzte Woche angekündigt. Schulministerin Barbar Sommer: „Es ist äußerst ärgerlich, dass es dem IQB nicht gelungen ist, für einwandfreie Aufgaben zu sorgen.” Das IQB sei angewiesen, die Aufgaben künftig durch externe Lektoren prüfen zu lassen.

„Außerdem verlangen wir, dass die Aufgaben früher bei uns sind, damit wir ausreichend Zeit für eine eigene Überprüfung haben, bevor die Testhefte gedruckt werden müssen.” Einen Stopp der Lernstandserhebung hält die Ministerin allerdings nicht für notwendig. „Alle Fehler sind entdeckt und offengelegt.”

IQB-Direktor Olaf Köller versprach unterdessen für die Zukunft „noch größere Anstrengungen”, um Fehler in den Aufgabenheften zu vermeiden.

Einfluss aufs Zeugnis

Für die Schüler können sich Erfolg oder Nichterfolg in den Vergleichsarbeiten unter Umständen auch ganz konkret auf die Zeugnisnoten auswirken. Steht ein Schüler zwischen zwei Noten, dann soll nämlich das Ergebnis der Lernstandserhebungen den Ausschlag fürs Zeugnis geben. „Das ist vom Ministerium so vorgegeben”, sagt Mülhausen.
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